Baden
Marianne Binder: «Ruth Müri und ich haben uns gegenseitig keine Stimmen weggenommen»

Die CVP-Ständeratskandidatin aus Baden spricht über die verpasste Wahl ins Stöckli, den Wahlkampf und ihr Nationalrats-Mandat.

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Hat trotz Nicht-Wahl das Lächeln nicht verloren: CVP-Politikerin Marianne Binder aus Baden.

Hat trotz Nicht-Wahl das Lächeln nicht verloren: CVP-Politikerin Marianne Binder aus Baden.

Fabio Baranzini

Marianne Binder, Sie haben es nicht in den Ständerat geschafft. Überwiegt die Enttäuschung, oder doch die Vorfreude auf Ihr neues Nationalratsmandat?

Marianne Binder: Ich hätte gerne den Ständeratssitz für die CVP und das politische Zentrum geholt. Die Wähler haben anders entschieden, mir aber doch mit den über 61000 Stimmen grosses Vertrauen geschenkt. Es gibt mir Rückenwind für mein Nationalratsmandat. Die Freude überwiegt also klar und folglich auch die Vorfreude auf mein Amt.

Sie konnten sich im Vergleich zum ersten Wahlgang deutlich steigern und haben Ruth Müri überholt. Warum hat es aus Ihrer Sicht doch nicht gereicht?

Da muss man jetzt einmal die Wahlanalysen abwarten. Aber sicher ist: Der Kanton Aargau ist ein sehr bürgerlicher Kanton, diese Wahl ist ein Abbild.

Im Vorfeld gab es Kritik daran, dass Sie noch einmal antreten – nicht zuletzt, weil Sie und Ruth Müri sich gegenseitig Stimmen wegnehmen und so die beiden Männer das Rennen machen würden.

Ich bin angetreten, um zu gewinnen, nicht um jemanden zu verhindern. Ruth Müri und ich haben uns gegenseitig keine Stimmen weggenommen. Es gab zwei Linien auf dem Wahlzettel. Es war jedermann frei, zwei Frauen aufzuschreiben.

Am Schluss sieht man ja dann, wer über die Lager hinaus das Potenzial hat, die grösseren Mehrheiten zu schaffen. Zudem geht die Kritik davon aus, dass Ruth Müri und ich politische Zwillinge sind. Doch ich bin eine bürgerliche Mittepolitikerin, Ruth Müri hingegen politisiert im linken Lager.

Es war ein intensiver Wahlkampf für die CVP. Der Aufwand hat sich gelohnt, Sie haben beim Wähleranteil als einzige der drei bürgerlichen Parteien im Aargau zugelegt und einen Sitz gewonnen. Worauf freuen Sie sich als Nationalrätin jetzt besonders?

Auf pointierte Debatten im Nationalrat. Die politische Arbeit kenne ich nicht nur im Aargau sehr gut, sondern auch im Bundeshaus, aus meiner Zeit als CVP-Kommunikationschefin. So komme ich in einem gewissen Sinne auch wieder heim an einen Ort, der mir vertraut ist.

Vor genau 40 Jahren wurde Ihr Vater Anton Keller für die Christdemokraten in den Nationalrat gewählt, ihr Schwiegervater Julius Binder in den Ständerat. Freuen Sie sich darauf, diese Familiengeschichte jetzt fortschreiben zu können?

Ja, das freut mich sehr. Auch wenn es damals mit vier Aargauer CVP-Nationalräten und einem Ständerat noch andere Zeiten waren. Aber ich sehe, dass die staatstragende und lösungsorientierte Politik bei den Wählerinnen und Wählern offenbar immer noch sehr gut ankommt.

Seit ich 2016 Kantonalparteipräsidentin wurde, haben wir zusammen viel erreicht. Es ist uns gelungen, aus der Mitte heraus zu gestalten. Diese Politik möchte ich im Nationalrat fortsetzen.

(af.)

Die Karriere von Marianne Binder in Bildern

Marianne Binder-Keller wohnt in Baden und arbeitet neben ihrer politischen Tätigkeit als Kommunikationsberaterin und Publizistin.
19 Bilder
Seit 2013 vertritt sie die CVP im Grossen Rat.
Zuvor war Binder Kommunikationschefin der CVP Schweiz.
Diese Aufgabe übernahm sie während der Partei-Präsidentschaft der späteren Bundesrätin Doris Leuthard.
Seit 2016 ist die Badenerin zudem Präsidentin der CVP Aargau.
Marianne Binder beim Finale des AZ-Jasskönigs 2017 im Schloss Hallwyl.
Aargauer Wahlen 2016: Marianne Binder im Gespräch mit dem SRF.
Marianne Binder-Keller ist verheiratet mit Andreas Binder, der zwischen 1997 und 2009 ebenfalls im Grossen Rat war. Auch ihr Vater war politisch tätig: Anton Keller sass während 16 Jahren für die CVP im Nationalrat.
Auch ihr Vater war politisch tätig: Anton Keller (im Bild) sass während 16 Jahren für die CVP im Nationalrat. Schwiegervater Julius Binder vetrat den Aargau von 1979 bis 1987 im Ständerat.
Ein weiterer Meilenstein in Binders Karriere: Im August 2018 nominiert die CVP Aargau sie als Ständeratskandidatin.
NAB Award 2018: Marianne Binder zusammen mit ihrem Mann, der im Verwaltungsrat der NAB sitzt.
Marianne Binder im Durchgang von der Stadt zur Bundesterrasse in Bern. Ab Dezember 2019 wird sie im Bundehaus wirken, noch ist unklar ob im National- oder Ständerat.
Cedric Wermuth (SP); Marianne Binder (CVP); Thierry Burkart (FDP) und Hansjörg Knecht (SVP) am Ständeratspodium Tele M1 in Aarau.
CVP-Kantonalpräsidentin Binder rechtfertigt im SRF-«Club» den Wahlkampf ihrer Partei: «Wer sagt, das sei Negative Campaigning, der weiss nicht, was das ist.»
Siegerin im Interview: Mit Binder hat die CVP Aargau die Wende zum Erfolg geschafft – und einen zusätzlichen Sitz geholt, den sie besetzen wird.
Familienfoto: Simon Binder, Hanin Binder, Andreas Binder, Marianne Binder-Keller, Anton und Rosmarie Keller, an der CVP-Wahlfeier am 20. Oktober in Baden.
Wahlfeier der CVP Aargau im Restaurant Rathausgarten in Aarau am 20. Oktober 2019: Markus Dieth (Regierungsrat), André Rotzetter (Wahlkampfleiter), Marianne Binder (Parteipräsidentin und Nationalrätin neu), Ruth Humbel (Nationalrätin bisher), Alfons Kaufmann (Vizepräsident).
Marianne Binder
In Stein wurde sie von der Kantonalpartei für den zweiten Wahlgang der Ständeratswahl nominiert.

Marianne Binder-Keller wohnt in Baden und arbeitet neben ihrer politischen Tätigkeit als Kommunikationsberaterin und Publizistin.

Sandra Ardizzone

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