Über Hundert wollten ihn hören: In Baden war Mario Botta zu Gast – der Mann, dessen Thermalbad-Projekt in der Stadt polarisiert. Die einen erhoffen sich vom Stararchitekten einen Schub für das in die Jahre gekommene Bäderquartier, können es kaum erwarten, dass seine Pläne realisiert werden. Andere bezeichnen das geplante Bad als Fremdkörper, als viel zu gross geraten, als plumpes Massenbad.

«Herr Botta, was sagen Sie den Menschen, die das Bad zu gross finden, zu wenig intim für Baden?», fragte Interviewerin Carol Nater Cartier, die Leiterin des Historischen Museums, wo das Gespräch stattfand.

Der Architekt aus Mendrisio TI antwortete: «Stellen Sie sich vor, Ihr Museum hätte die Aussicht, so wie das Thermalbad 440’000 Besucher pro Jahr zu erhalten. Ich denke, Sie wären begeistert. Es soll ja nicht eine grosse Badehalle geben. Das Bad gliedert sich in mehrere Zonen, in verschiedene Bereiche.» In Arosa habe er ein 5000-Quadratmeter grosses Bad gebaut, und niemand habe sich beklagt, es sei zu gross, sagte er.

Eine Besucherin des «DienstagsTalks» sagte zu Botta, sie habe das Gefühl, es stecke in Baden der Wurm drin – ob er es sich denn gewohnt sei, Schwierigkeiten mit dem Heimatschutz zu haben, wie es sie nun angeblich gebe? «Ich stehe immer im Kontrast zum Heimatschutz», sagte der Architekt. «Ich baue Neues, während der Heimatschutz das Alte, Vergangene schützen will.» Auch er blicke gerne auf die Vergangenheit zurück, man dürfe dies aber nicht nur mit Nostalgie tun.

Bauherr Benno Zehnder über den Stand des Thermalbad-Projektes

Bauherr Benno Zehnder über den Stand des Thermalbad-Projektes

«Ich respektiere die Haltung des Heimatschutzes, erwarte aber im Gegenzug, dass auch meine Haltung respektiert wird. Ich versuche, die aktuellen Bedürfnisse der Menschen umzusetzen.» Man dürfe auch den wirtschaftlichen Nutzen eines Thermalbades für die Stadt nicht vergessen. «Den ökonomischen Aspekt zu berücksichtigen und umzusetzen, ist auch eine Aufgabe eines Architekten.»

Mario Botta erklärte seine Wellness-Philosophie in bildhaftem Italienisch voller Anmut, es war mucksmäuschenstill im Saal. Übersetzt sagte er in etwa: «In Baden bietet sich mir die einzigartige Möglichkeit, ein Gebäude schaffen zu dürfen, das direkt auf die Limmat eingeht, auf den Fluss, der einer Wasser-Autobahn gleich die Gegend durchquert.» Es gehe in Baden ganz grundsätzlich darum, den Reichtum der Thermen nutzen und weiterführen zu können. Das neue Bad werde für die kommenden Generationen ein Zeuge des zeitgenössischen Lebens sein, der heutigen Bedürfnisse und sogar Hoffnungen.

Je nachdem, wie man sich im Bad ausrichten werde, sei der Fluss gegenwärtig. Es gehe aber beim Baden im Thermalwasser vor allem auch darum, einen Bezug zum eigenen Körper zu finden, die Natur rund um die Therme spiele keine primäre Rolle.

Wie denn die Stimmung sein werde, wenn man das Bad betrete? «Die Idee ist, dass im Bodenbereich Natur-Stein und Wasser prägend sind, weiter oben dann die Leichtigkeit des Holzes.» Was ihm selbst an seinem Projekt am besten gefalle, wurde Botta auch noch gefragt. Er wollte sich nicht festlegen: «Es ist, als müsste man sich selber darstellen. Wenn man mehrere Kinder hat, fällt es schwer zu sagen, welches man mehr mag. Eines kann stärker sein, ein anderes schwächer – und doch hat man beide gleich gern.»

Er selber wellnesse nicht, sagte Mario Botta. «Wenn meine Füsse ins Wasser geraten, kriege ich beinahe Angstzustände.» Falls das Badener Bad realisiert werden könne, werde er aber oft hier in der Stadt anzutreffen sein. «Als Architekt liebe ich Baustellen. Zu beobachten, wie Dinge entstehen, ist magisch und erfüllender, als den fertigen Bau zu betrachten.»