Neo-Regierungsrat

Markus Dieth sagt Adieu: «Ich trug dazu bei, den Wettinger Geist wieder zu wecken»

Zehn Jahre war er Gemeindeammann von Wettingen. Markus Dieth über sein Vermächtnis und seine Rückschläge, weshalb ihm die politische Ochsentour Spass gemacht hat und ob er ohne politische Ämter weiterleben könnte.

Das letzte Interview mit dem abtretenden Wettinger Gemeindeammann Markus Dieth findet nicht in seinem Büro statt, sondern im Weinkeller des Rathauses. Im Untergeschoss lagern rund 8000 Flaschen Wein. Nur wenige – unter anderem der Gemeindeammann – besitzen einen Schlüssel zu den Räumlichkeiten. Und nur wenige haben den Weinkeller je zu Gesicht bekommen. «Die Räumlichkeiten sollen etwas Geheimnisvolles bewahren, weshalb ich Sie bitte, zurückhaltend zu fotografieren», willigt Dieth zum speziellen Interviewtermin ein. Seine erste Amtshandlung Anfang 2008 sei es übrigens gewesen, beim Gemeindewein die Riesling-Traube durch die Blauburgunder-Traube zu ersetzen. «Damals kam der Riesling nicht mehr so gut an; heute ist das schon wieder anders», so Weinkenner Markus Dieth.

Markus Dieth, wie oft waren Sie hier unten im Weinkeller während Ihrer Amtszeit und welches waren die höchsten Gäste, mit denen Sie hier unten Wein kredenzt haben?

Markus Dieth: Leider fehlte mir die Zeit, regelmässig in den Weinkeller zu gehen. Ich schätze mal, das war drei-, viermal pro Jahr der Fall. Der höchste Gast? Ich glaube, das war einmal ein Regierungsrat . . . und auch Stephan Attiger, als er noch Stadtammann von Baden war.

Ihre erste Amtshandlung sei die Umstellung von Riesling auf Blauburgunder gewesen, sagen Sie. Wo hat Markus Dieth als Gemeindeammann in seiner neunjährigen Amtszeit sonst noch Spuren hinterlassen in Wettingen?

Als ich hier im Jahr 2008 begann, hatten wir einen Investitionsstau. Heute kann man sagen, dass wir in den letzten zehn Jahren die ganze Infrastruktur wie etwa Schulhäuser, das «Tägi» oder die Strasseninfrastruktur angepackt und aufgegleist haben, und wir können das nun der kommenden Generation übergeben. Zweitens ist es mir gelungen, dass nicht mehr jedes Einzelprojekt gesondert realisiert wird, sondern dass man quasi eine Gesamtauslegeordnung über verschiedene Projekte hat und sich bereits Gedanken macht, was sich auf einem bestimmten Gebiet in Zukunft realisieren liesse. Und drittens konnte ich dazu beitragen, Wettingen neu zu positionieren.

Sie sprechen das Standortmarketing an, das nun wieder gekürzt wird? 

Ja, Wettingen war vorher regelrecht in sich gekehrt; das war schon fast nicht mehr gesund.

Sie haben den Wettingern das Selbstbewusstsein zurückgegeben?

Auf gewisse Weise ja. Ich habe sicher dazu beitragen können, den selbstbewussten Wettinger Geist wieder etwas zu wecken.

Auf welches Projekt sind Sie besonders stolz?

Die ganze Bahnhofplanung. Nachdem man während Jahrzehnten versucht hat, das Gebiet dort unten zu entwickeln, ist uns quasi die Initialzündung gelungen, indem wir die Grundeigentümer ins Boot geholt haben. Das ist ein Paradebeispiel, wie die Politik Verantwortung übernehmen muss. Damit das möglich war, brauchte es Vertrauen in die Behörden und einen Auslöser.

Der da war?

Indem wir uns bei den SBB für treppenfreie Perronzugänge starkmachten und eine Vision des Bahnhofvorplatzes skizzierten.

Welche Ziele konnten Sie nicht erreichen?

Das oben erwähnte Projekt rund um das Bahnhofareal. Seit 2006 sind wir dran und noch immer ist das Projekt nicht abgeschlossen. Überhaupt war es für mich immer wieder ernüchternd, wie unglaublich lange solche Planungsprozesse dauern. Da hat es wenig genützt, dass ich auf jede unnötige Sitzung verzichtet habe. Manchmal habe ich zu Beginn einer Sitzung gefragt, wer hier was entscheiden müsse. Wenn dann von zehn Personen nur fünf auf gestreckt haben, habe ich den anderen fünf gesagt, sie können wieder arbeiten gehen. Ebenfalls hätte ich in meiner Amtszeit noch gerne die S-Bahn-Haltestelle beim «Tägi» realisiert. Diese ist für die Weiterentwicklung des östlichen Ortsteils eminent wichtig.

Sonst keine Rückschläge?

Doch, zum Beispiel beim Standortmarketing, das ich massgeblich aufgebaut habe. Draussen bei der Bevölkerung und den Firmen war dieses sehr angesehen; das Feedback war sehr gut. Trotzdem wurde es im Einwohnerrat einfach von einer Sekunde auf die nächste faktisch weggespart. Aber klar: Dann muss man am Schluss auch selbstkritisch sagen, dass wir damit den Einwohnerrat nicht überzeugt haben.

Als Ammann haben Sie 66 Einwohnerratssitzungen beigewohnt. Gab es nie einen Moment, wo Sie am liebsten mal laut auf den Tisch gehauen hätten?

Nein. Das ist für mich eine Frage des Respekts. Das Parlament ist vom Volk gewählt. Die Exekutive kann nur lenken und steuern. Natürlich hat es mich zum Beispiel gestört, wenn im Einwohnerrat Aussagen gemacht wurden, die ganz offensichtlich nicht stimmten. Aber als Gemeinderat bist du eigentlich immer in der Defensive und musst versuchen, das Ruder herumzureissen. Mein Auftrag war es, mich für Beschlüsse der Exekutive zum Wohle der Gemeinde einzusetzen – doch am Schluss entscheidet der Einwohnerrat. Als Gemeindeammann muss man das klar abstrahieren können, sonst kann man keine Politik machen. Es ist wie bei meiner früheren Tätigkeit als Anwalt. Wenn ich bei jeder Scheidung fast in Tränen ausgebrochen wäre, hätte ich damit aufhören müssen. Man darf sich auch als Gemeindeammann nicht zu wichtig nehmen. Bescheidenheit ist hier wichtig.

Sie haben erwähnt, dass auch schon der Badener Alt-Stadtammann Stephan Attiger hier im Weinkeller zu Gast war. Als er noch im Amt war, hatte man den Eindruck, der Austausch zwischen Baden und Wettingen sei sehr intensiv und rege gewesen. Stimmt der Eindruck, dass dies seit dem Amtsantritt von Geri Müller nicht mehr der Fall ist?

Das hat sich in der Tat verändert, was nicht zuletzt auf die Problematik zurückzuführen ist, die sich in Baden abspielt. Dort ist man zurzeit sehr stark mit sich selber beschäftigt, wenn ich nur etwa an die finanziellen Herausforderungen denke, die auf Baden zukommen. Doch in den Sachgeschäften arbeiten wir sehr gut miteinander und der Austausch zwischen den Exekutiven findet regelmässig statt. . .

. . . aber der informelle Austausch ist mehr oder weniger eingeschlafen.

Das darf man so sagen. Aber nochmals: Die Zusammenarbeit funktioniert.

Stichwort Zusammenarbeit: Sie haben wie kein Zweiter immer wieder die gute Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden betont. Oder umgekehrt: Sie haben aus Ihrer Abneigung gegenüber einer Fusion zu einer grossen Regionalstadt nie einen Hehl gemacht. Woher diese Aversion?

Aus meinen 20 Jahren politischer Erfahrung, insbesondere auch als Grossrat und auch als Resultat meiner Kontakte zu den nahen Bundesländern Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Wenn man mit denen spricht, die fusioniert haben, und die Konsequenzen sieht, dann sind mir viele Vorbehalte gegenüber einer Fusion bestätigt worden.

Welche denn?

Gemeinden, die nicht mehr leistungsfähig sind, sei es finanziell oder weil sie die Ämter nicht mehr besetzen können, die müssen fusionieren. Doch bei der Idee einer grossen Regionalstadt muss man sich fragen, ob man eine bessere Leistung hat als heute und, wenn ja, zu welchem Preis. Natürlich: Ein «Tägi»-Projekt hätte man eventuell in einer Regionalstadt besser vorwärtsgebracht und auch im Städteranking würde man wohl weiter vorne erscheinen.

Das tönt doch gut?

Ja, aber die Nachteile überwiegen. Erstens ist es ein Irrglaube, eine fusionierte Gemeinde sei günstiger. Zweitens: Bei einer fusionierten Gemeinde verschlechtert sich die Nähe zum Bürger. Es ist vieles schon heute komplex und unübersichtlich. Ich bin überzeugt: je grösser eine Gemeinde, desto eher hängt der einzelne Bürger ab. Deshalb: Fusion nein, aber verstärkte Zusammenarbeit ja. Und eine solche ist nur möglich, wenn dahinter nicht das Schreckensgespenst einer Fusion lauert, der Bürger also nicht Angst haben muss, die Kooperation sei quasi die Vorstufe der Fusion.

Anderes Thema: Als Gemeindeammann waren Sie Vorgesetzter von 280 Mitarbeitern. Was für ein Chef waren Sie?

An meiner ersten Personalfeier kamen 116 Gemeindeangestellte, an der letzten waren es 254, das sagt wohl viel (lacht). Ein anderes Beispiel: Wir hatten letztes Jahr beim Lohn der Verwaltungsangestellten eine Nullrunde. Wir hatten aber für jeden Angestellten 100 Franken eingestellt. Das Geld erhielt aber nicht der Angestellte selber, sondern der Abteilungsleiter, verbunden mit der Auflage, für das Team einen schönen Anlass auf die Beine zu stellen. Zurück zur Frage: Ich glaube, ich war stets ein sehr zugänglicher Chef, meine Türe stand immer offen. In der Sache war ich aber immer klar und konsequent. So ist es auf einer Verwaltung eher unüblich, dass Leute entlassen werden. Es gab in meiner Amtszeit aber doch ein paar Fälle, wo wir durchgreifen mussten und es auch zu Entlassungen kam. Aber auch in solchen Fällen immer mit dem nötigen Respekt.

Und wie sind Sie in der Bevölkerung wahrgenommen worden?

Für mich ist und war es sehr wichtig, die Bürger ernst zu nehmen. Das zeigte sich auch darin, dass ich mir spontan zum Beispiel beim Spazieren gemeldete Verbesserungen – es ging da zum Beispiel mal um einen Standort eines Robidogs – gleich anschliessend in der Verwaltung prüfen liess und dann jeweils auch selber direkt Rückmeldung an die Personen gemacht habe. Das wird extrem geschätzt; so sind die Einwohner ernst genommen.

Der Wahlkampf und die Wahl in den Regierungsrat haben Sie sehr eingenommen. Sind Sie gedanklich überhaupt noch bei der Gemeinde Wettingen?

Natürlich! Ich hatte noch gar keine Zeit, mich mit den künftigen Aufgaben zu beschäftigen geschweige mich vorzubereiten. Bis zum 31. Dezember bin zu 100 Prozent Gemeindeammann von Wettingen! Und so viel weiss ich schon jetzt: Der Abschied wird mir sehr schwerfallen. Das hab ich gemerkt, als ich abends einmal mutterseelenalleine in meinem Büro im Rathaus sass und die Abschlussrede für meine Wahlfeier schrieb. Das ging unter die Haut (Dieths Augen werden feucht).

Mit der Wahl in den Regierungsrat krönen Sie Ihre rund 20-jährige Politkarriere. War es diese Ochsentour wert?

Klar, es ist sehr anstrengend, doch für mich war es keine Ochsentour. Fragen wie «Muss ich jetzt wirklich noch an diesen Anlass gehen?» habe ich mir selten gestellt. Will ein Politiker seine Aufgabe gut machen, muss ihm die Ochsentour Spass machen.

Aber es gab sicherlich Momente, in denen Sie gute Miene zum bösen Spiel gemacht haben?

Für meine Familie war es sicher schwieriger als für mich, wollten Sie auch mal den Ehemann oder Papi für sich haben. Wir mögen aber alle den Kontakt zu Menschen, darum war es auch nicht so schwer.

War es eigentlich schon immer Ihr Ziel, Politiker zu werden?

Einzig meinen beruflichen Werdegang habe ich geplant. Als ich in der Kanzlei als Anwalt arbeitete, war ich nur nebenbei politisch aktiv, zuerst als Einwohnerrat, dann als Gemeinderat. Dass ich zum Gemeindeammann von Wettingen und schliesslich in den Regierungsrat gewählt wurde, hat auch mit Glück zu tun. Man muss im richtigen Moment am richtigen Ort sein. Das war bei mir der Fall. Eine politische Karriere kann man nicht einfach so am Tisch planen.

Angenommen, man entzieht Ihnen sämtliche Ihrer politischen Ämter, sorgt aber für ihre Existenzgrundlage. Könnte Markus Dieth überhaupt weiterleben?

Ich kann mir schon vorstellen, dass mir etwas fehlen würde, die Wertschätzung beispielsweise. Es gibt ja auch einige berühmte Politiker, die nach der Karriere in ein Loch fielen Aber ich habe zum Glück das Anwaltspatent, auf das ich jederzeit zurückgreifen könnte.

Eine Politkarriere ist auch ein Egotrip. Wie hoch ist der Preis, den die Familie bezahlen musste?

Es braucht eine sehr tolerante Frau. Für innerfamiliäre «Ämtli-Verteil-Kämpfe» hat es keinen Platz. Auf der anderen Seite haben wir das auch nie gehabt, auch nicht, als ich noch nicht politisch tätig war. Manchmal nehme ich den Staubsauger zur Hand oder bringe den Müll heraus, weil ich meiner Frau Arbeit abnehmen will. Früher, als ich noch Student war und meine Frau 100 Prozent arbeitete, habe ich die ganze Wäsche gemacht – mit Ausnahme von Bügeln, das habe ich nie gekonnt (lacht). Aber ja, für die Familie, insbesondere für meine Töchter, ist es schon nicht immer einfach. Überall wo der Papi hinkommt, gibt es einen Rummel um ihn. Darum ist es wichtig, sich immer wieder Zeit zu nehmen und mit der Familie auch mal wegzufahren. Nach Davos, ins Burgund oder sonst in die Ferien. Auch der Sonntagabend ist bei uns heilig. Die Zeit mit der Familie muss gepflegt werden.

Was überwiegt denn bei den Töchtern mehr: Der Stolz, bald einen Regierungsrats-Papi zu haben, oder ist es ihnen vor allem peinlich, dass er öffentlich auftritt und man ihn auch überall kennt?

Nein, sie gehen gut damit um. Schämen tun sie sich nicht; für sie gehören der Papi und die Politik zusammen. So war ich ja bereits politisch aktiv, als sie noch nicht auf der Welt waren. Was sie manchmal nicht toll finden, ist, dass ich wenig Zeit habe, beispielsweise um mit ihnen das Autofahren zu üben. Doch wichtig ist, unsere gemeinsamen Momente voll auszunutzen.

Wie schaffen Sie das?

Wenn ich zu Hause bin, dann bin ich wirklich für die Familie da. Ich beantworte weder Mails, noch arbeite ich sonstwie fürs Geschäft; ich benutze meinen Geschäftsmail-Account bewusst nicht. Ich will dann für die Familie da sein. Auch als ich noch Anwalt war, handhabte ich das so. So kam ich um 18 Uhr nach Hause, ass mit der Familie Znacht und brachte die Kinder ins Bett. Erst danach, gegen 20 Uhr, ging ich wieder ins Büro. Es ist wichtig, Familie und Arbeit zu trennen, und wenn man zu Hause ist, dann auch wirklich mit dem Kopf zu Hause zu sein und nicht in Gedanken dem Geschäft nachzugehen.

Neben Familie blieb Ihnen auch etwas Zeit für Sport. Jedenfalls sah man Sie in verschiedenen Medienbeiträgen joggen. Oder war das nur ein wahlkampftechnischer Schachzug?

(lacht) Sie wissen, dass ich früher intensiv Sport gemacht habe? Ich spielte unter anderem Eishockey und in der 3. Liga Fussball oder war im Schwimmclub und spielte Tennis. Zudem war ich während meiner Jugendjahre in Davos als Skilehrer tätig. Dann ging ich nach Zürich und der Sport rückte in den Hintergrund. Bevor ich 2015 Grossratspräsident wurde, kam Roland Michel (CVP-Ortsparteipräsident und Einwohnerrat, Anm. d. Red.) zu mir und sagte mir: «Für das Amt musst du fit sein, sonst stehst du das Jahr nicht durch.» So nahmen wir den Badener Limmatlauf als Anlass, meine Grundfitness zu steigern.

Im Januar sind Sie nicht mehr Chef von rund 280 Angestellten, sondern nur noch einer von fünf Regierungsräten. Das ist eine grosse Umstellung, die auf Sie zukommt.

Das ist sicher einer der einschneidendsten Wechsel, ja. Auf der anderen Seite muss man aber sagen, dass wir im Gemeinderat ja auch das Kollegialitätsprinzip und die Ressortzuteilung haben. Der Unterschied ist, dass man auf Gemeindeebene tiefer in die Geschäfte der anderen sieht. In der Regierung sind die Ressorts strikt getrennt, jedoch weitgreifender.

Vor welcher Aufgabe haben Sie am meisten Respekt?

Davor, dass ich es schaffe, mich in der sehr kurzen Zeit in sämtliche Geschäfte einzulesen. Mein Vorteil ist, dass ich als Grossrat bereits Ressortkenntnisse habe. Dennoch ist die Herausforderung gross: Wir müssen nun extrem schnell die grossen Finanzgeschäfte aufgleisen. Grosse Ideen sind verlangt, meine Gedanken drehen sich jetzt schon im Kopf, ich freue mich aber drauf!

Sie werden Regierungsrat für den ganzen Kanton. Wie fest kann man sich für die Region, in der man verwurzelt ist, einsetzen?

Auf der einen Seite ist es in der Tat so, dass uns die Region Ostaargau, in der finanzielle und innovative Power steckt, sehr beschäftigen wird. Ich denke zum Beispiel an ABB oder GE in Baden oder auch an Novartis in Stein oder an das PSI in Würenlingen/Villigen. Wir müssen im ganzen Kanton für gute Bedingungen der Wirtschaft sorgen. Es ist klar: Man ist Regierungsrat für den ganzen «Kanton der Regionen».

Als Regierungsrat werden Sie rund 300 000 Franken verdienen, rund 50 000 mehr als zuvor als Gemeindeammann von Wettingen. Was machen Sie mit all diesem Geld?

Steuern zahlen (lacht)! Bis zum ersten Gespräch mit der Staatskanzlei wusste ich gar nicht genau, wie viel ein Regierungsrat verdient. Das Geld darf in einem Job wie diesem auch gar nicht im Vordergrund stehen.

Welchen Ratschlag geben Sie Ihrem Nachfolger Roland Kuster?

«Luege, lose, entscheide!» Es ist wichtig, das man zuhört und das Gegenüber ernst nimmt. Mit Anstand und Respekt, in der Sache klar und konsequent. Ich weiss, der Kuster kann das.

Ein ereignisreiches und anstrengendes Jahr neigt sich dem Ende zu. Wie verbringen Sie die Feiertage?

Wir bleiben zu Hause in Wettingen. Für Ferien anderswo reicht die Zeit leider nicht. Es braucht mich hier, der Abschluss und die Amtsübergabe nahen. Am 3. Januar muss ich in Aarau bereit sein. Davon lasse ich mich aber nicht stressen: Weil ich weder Ferien noch fixe Arbeitszeiten habe, stellt sich das Problem erst gar nicht (lacht).

Was wünschen Sie Wettingen und der Region für die Zukunft?

Es wäre schön, wenn Wettingen auf dem positiven, motivierten Weg bleibt. Auch, dass man die Reinvestitionen in die Objekte, die wir in den letzten paar Jahren gebaut haben, gut plant und staffelt. Das ist möglich auch dank der Schulraumplanung und der weitreichenden Siedlungsplanung. Die Instrumente sind vorhanden, nun gilt es, sie richtig einzusetzen.

Nach dem Gespräch leert Markus Dieth sein Glas und löscht die Lichter im Weinkeller. Er hat übrigens nur ein Glas getrunken, weil an diesem Nachmittag die erste offizielle Stippvisite in Aarau ansteht. Auch Dieth weiss: Es ist der erste Eindruck, der zählt.

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