Baden
Markus Schneider: Diese Erwartungen setzen Sport, Kultur, Wirtschaft und Politik in den neuen Stadtammann

Nach Geri Müller zieht mit Markus Schneider (CVP) ein bürgerlicher Ammann ins Stadthaus. Die Erwartungen an den neuen Stadtammann sind hoch – er soll unter anderem die Finanzen und das Image der Stadt richten.

Pirmin Kramer und Roman Huber
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Markus Schneider, hier mit Regierungsrat Markus Dieth, soll als neuer Stadtammann wieder Ruhe und Stabilität ins Stadthaus bringen.

Markus Schneider, hier mit Regierungsrat Markus Dieth, soll als neuer Stadtammann wieder Ruhe und Stabilität ins Stadthaus bringen.

Alex Spichale

Die Bürgerlichen haben den Stadtammannsitz mit Markus Schneider (CVP) zurückerobert. Kommt es nach fünf Jahren mit dem links-grünen Geri Müller an der Spitze der Stadt nun zum grossen Umbruch? Welche Hoffnungen weckt der neue Stadtammann?

Mit Erleichterung hat der Gewerbeverband City Com die Wahl Schneiders zur Kenntnis genommen. Zur Erinnerung: Nach der Selfie-Affäre Geri Müllers äusserte der Verband seinen Unmut, forderte den Rücktritt und wollte keine gemeinsamen Auftritte mehr mit dem Stadtammann.

Nun sagt Vizepräsident Michael Wicki: «Wir sind beruhigt. Jetzt kann Baden wieder nach vorne schauen. Wir hoffen auf eine bürgerliche Politik mit tiefen Steuern und eine verkehrstechnisch gute Erreichbarkeit der Geschäfte.»

Das Image der Stadt werde sich verbessern, und die Identifikation der Menschen mit dem Stadtammann werde steigen, ist Wicki überzeugt. «Wir haben bereits jetzt einen guten Draht zur Stadt, aber nicht zum Stadtammann. Das wird sich ab 2018 ändern.»

Stimmen zum neuen Stadtammann:

Philippe Kuhn, Musiker «Ich wünsche mir, dass er Baden dort weiterbringt, wo es für den Badener Geist wichtig ist.»
5 Bilder
Michael Wicki, City Com Baden «Wir sind beruhigt. Das Image der Stadt wird sich mit Schneider wieder verbessern.»
Benno Zehnder, Bäder-Investor «Ich bin sicher, dass Markus Schneider die Finanzen der Stadt Baden wieder ins Lot bringen wird.»
Jürg Caflisch, SP Baden «Ich schätze an ihm, dass er deutlich weniger narzisstisch veranlagt ist als seine Konkurrenten.»
Nadia Omar, Partei Team Baden «Er ist kein grosser Reformer. Mit ihm wird sich nicht viel ändern, es geht weiter wie bisher.»

Philippe Kuhn, Musiker «Ich wünsche mir, dass er Baden dort weiterbringt, wo es für den Badener Geist wichtig ist.»

Aargauer Zeitung

Sportvereine sind zuversichtlich

Grosse Hoffnungen weckt der Stadtammann bei den Sportvereinen. Hansruedi Hagen, Präsident des Stadtturnvereins Baden und Initiant der IG Sportvereine Baden, sagt: «Wir hoffen, dass die neue Stadtregierung unter der Leitung von Markus Schneider dem Badener Sport die erforderliche Unterstützung gibt. Da nun die Burghalde mit zwei Einzelturnhallen anstelle der von uns geforderten Dreifachturnhalle gebaut wird, muss ein Konzept für das ganze Sportareal Aue erstellt werden.»

Entscheidend sei für ihn, dass nun die Stadt Baden wieder geführt werde, dafür bringe Markus Schneider die notwendigen Qualifikationen mit, erklärt Benno Zehnder, Investor und Initiant des Bäder-Projektes und ehemals Präsident der Verenahof AG. «Markus Schneider traue ich zu, dass er wie seine Vorgänger in dieses Amt hineinwachsen wird. Und ich bin überzeugt, dass er nun die fällige Restrukturierung und Reorganisation der Verwaltung vorantreiben und damit die Finanzen der Stadt wieder ins Lot bringen wird», sagt Zehnder. Der Geschäftsmann erhofft sich von Schneider zudem, dass mit ihm das visionäre Denken in Baden wieder zurückkehre.

Musiker Philippe Kuhn hätte das Amt zwar auch Schneiders Mitbewerbern zugetraut. Er ist aber überzeugt, dass Markus Schneider eine gute Wahl ist. «Ich wünsche mir, dass er den Blick für das Wesentliche hat und Baden dort weiterbringt, wo es für den Badener Geist und die Bevölkerung wichtig ist», sagt Kuhn und fügt an: «Damit meine ich besonders die Bereiche des Zusammenlebens, der Kunst und der Kultur.»

Unterschiedliche Parteiensicht

Und die Parteien? Es werde keinen grossen Umbruch geben, glaubt Nadia Omar, Fraktionspräsidentin des linksliberalen Team Baden – der Partei, der auch Geri Müller angehört. «Wir gehen davon aus, dass Markus Schneiders Wahl gleichbedeutend ist mit Kontinuität und Stabilität für die Stadt.»

Weder werde er die Verwaltung radikal umbauen, noch gross neue Akzente setzen, mit Ausnahme der Sicherheit, auf die er viel Wert lege. «Und wir befürchten, dass sich in der Verkehrsplanung bezüglich Fuss- und Veloverkehr nichts mehr tun wird», sagt Omar. «Im Gegensatz zu anderen Parteien in der Stadt finden wir aber, dass es Baden momentan sehr gut geht. Und weil Markus Schneider kein grosser Reformer ist und bei vielen Dossiers weitermachen wird wie sein Vorgänger, wird sich für Baden nicht viel ändern. Darum können wir mit seiner Wahl gut leben, auch wenn wir Geri Müller beziehungsweise Erich Obrist bevorzugt hätten.»

Auch Jürg Caflisch, Badener SP-Urgestein, erwartet keinen radikalen Umbruch. «Der Handlungsspielraum für Markus Schneider ist nicht allzu gross. Für die Finanzierung des Sekundarstufenzentrums gibt es keine andere Lösung als eine Steuererhöhung.» Er schätze Schneiders Sachlichkeit, und dass er deutlich weniger narzisstisch veranlagt sei als seine Konkurrenten, sagt Caflisch weiter. Seine Unaufgeregtheit werde Baden guttun.

«Mit Markus Schneider wird mehr Ruhe ins Stadthaus einkehren. Sowohl die Politik als auch die Verwaltung können sich wieder vermehrt auf die Sachpolitik konzentrieren», ist FDP-Co-Präsident Tobi Auer überzeugt. «Wir erwarten von Markus Schneider, dass er bei seinen Entscheidungen und Prioritäten Rücksicht auf die momentane finanzielle Situation nimmt und dass er, wie vermehrt in diesem Jahr angekündigt, Optimierungspotenzial bei den Stadtfinanzen eruiert und nützt.» Der Finanzhaushalt sowie die Attraktivität als Wirtschaftsstandort seien zwei wesentliche Aspekte, an denen der neue Ammann gemessen werde, so Auer.