Für Martin Budinksy ist es eine Selbstverständlichkeit: «Wer eine Reise unternimmt, soll etwas Schönes erleben und sich das ganze Leben gerne daran erinnern.» Mit diesem Ziel vor Augen will er künftig seine beiden Reiseunternehmen führen.

Er übernahm von seinen Eltern Theres und Hansruedi Budinksy die Schmid Reisebüro AG. Jetzt übernimmt er von seinem Onkel Emil Schmid die Stöcklin Reisen AG. 2004 hatte er bei Stöcklin Reisen ein Praktikum absolviert, seit vier Jahren arbeitet er als Geschäftsführer von Schmid Reisen.

«Wir haben von Anfang an auf einen sanften Übergang gesetzt», sagt der ehemalige Chef Hansruedi Budinsky. Nun ist der Zeitpunkt für den definitiven Wechsel gekommen. Mit der Übernahme von Stöcklin Reisen AG werden acht neue Mitarbeiter zur Gruppe gehören. Geografisch werden die Mitarbeiter der Schmid Reisen zu denjenigen von Stöcklin stossen.

«Wir ziehen an die Dorfstrasse», sagt Martin Budinsky. Also an den Ursprungsort von Schmid Reisen. Und er betont: «Es werden keine Arbeitsplätze abgebaut.» Die beiden Unternehmen sind auf unterschiedliche Kundensegmente fokussiert. «Es bleiben zwei Firmen, ich plane keine Fusion», sagt Martin Budinsky. Mit ihm haben sie aber denselben Chef.

Zurück in den Familienbetrieb

Martin Budinsky, geboren 1978 und aufgewachsen in Wettingen, lebt zusammen mit seiner Frau Simone in der Gemeinde. Seinen ersten Berufswunsch, Pilot zu werden, konnte er nicht erfüllen. Als er mit der Ausbildung soweit war, kam es zum Swissair-Grounding. Darauf absolvierte er die Höhere Fachschule für Tourismus Graubünden in Samedan und schloss diese mit dem eidgenössischen Diplom als Tourismusfachmann ab. Es folgten mehrere Stellen, unter anderem in Damaskus (Syrien) und in Genf.

2011 ist er zurückgekehrt. Martin Budinsky schätzt den Familienbetrieb: «Wir arbeiten nicht in erster Linie zur Gewinnmaximierung. Uns ist wichtig, dass wir die Arbeitsplätze erhalten können.» Nach diesem Grundsatz haben bereits seine Eltern das Reisebüro geführt. Und diesen Grundsatz will er auch künftig anwenden. Zur Familie, die Reisen organisiert, zählt er nicht nur seine nächsten Angehörigen, sondern auch die anderen Beteiligten.

«Die Menschen der gesamten Dienstleistungskette sind auf ein vernünftiges Einkommen angewiesen, weil auch sie ihre Familien ernähren müssen», betont Martin Budinsky. Ebenso selbstverständlich ist ihm ein umweltschonendes Verhalten: «Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Tourismus genau das zerstört, wovon er lebt.» Sowohl die Einkommenssicherung wie umweltbewusstes Reisen bedeuten, dass es nicht nach billig, billig funktioniert.

Spezialisiert auf das Spezielle

Ebenso ist bei Schmid Reisen an der falschen Adresse, wer Katalogreisen buchen will: «Wir stellen individuelle Reisen für Gruppen zusammen.» So haben sie schon ausländische Wirtschaftsfachleute durch die Schweiz begleitet. Dass dabei Kontakte mit Fachleuten eine wichtige Rolle spielen, versteht sich von selbst. Das Reiseziel einer Gruppe von Schweizer Obstbauern war Anatolien, um den dortigen Obstanbau zu studieren. In den vielen Jahren haben seine Eltern und er ein Partnernetz aufgebaut, sagt Martin Budinsky und davon profitieren ihre Kunden.

«Ich arbeitete im Transportunternehmen, das mein Vater gegründet hatte», erinnert sich Theres Budinsky-Schmid. 1964 wurde das Familienunternehmen um ein Reisebüro ergänzt. Dieses befand sich an der Hirschlistrasse im Mäderhof Baden, später kam ein weiteres Reisebüro im Haus Hotel City Wettingen dazu. Ab 1969 war Hansruedi Budinsky einer der dortigen Angestellten. 1971 heirateten die beiden, nach und nach übernahmen sie das Reisebüro. Damals boten sie alles an, was irgendwie mit Reisen, Ferien oder Veranstaltungen zu tun hatte. «Wir verkauften sogar handgeschriebene Bahnbillette», erinnert sich Theres Budinsky.

Als Verkehrsbüro der Gemeinde Wettingen waren sie auch Vorverkaufsstelle für Konzerte, Theatervorstellungen und ähnliche Anlässe. Es gab eine extra Telefonnummer: «Hier meldeten wir uns mit Verkehrsbüro Wettingen.» In seiner Blütezeit organisierte der Verkehrsverein die jährlichen Sternwanderungen mit mehreren hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern oder das Fest am Wettinger Stausee. Diese Tradition ist voriges Jahr zu Ende gegangen. Der Verkehrsverein wurde aufgelöst, seine Aufgaben hat die Standortförderung der Gemeinde übernommen.

Zur grossen Konkurrenz für alle Reisebüros entwickelte sich das Internet. Immer mehr Leute buchten Ferien und Reisen direkt. «Wir waren oft nur noch Auskunftsstelle», sagt Theres Budinsky. Deshalb beschlossen sie, sich auf die Organisation von Reisen zu konzentrieren. 2001, kurz vor dem Anschlag auf die Twin Towers in New York, verkauften sie das Büro an der Alberich-Zwyssig-Strasse an Hotelplan. Ihr Domizil zügelten sie an die Seminarstrasse.

Mit der Pfadi nach Schweden

Seither organisieren sie Reisen, für kleinere und grössere Organisationen. So im Auftrag der Schweizerischen Gesellschaft für militärhistorische Studienreisen. «Wir wurden immer mehr zum Veranstalter», sagt Hansruedi Budinsky. Auch wenn die Pfadfinder zu einem Welttreffen unterwegs sind, sorgt Schmid Reisen für die nötigen Flüge, Transfers und Unterkünfte. 2011 hatte Martin Budinsky sozusagen als Eintrittsprüfung in das Unternehmen über 1000 Pfader ans Welttreffen in Schweden und wieder zurückgebracht.

Das Reisebüro war eine Bank

Lange Zeit war das Reisebüro Schmid auch eine Bank. Es fungierte als Agentur der Coop-Bank, die damals noch Teil der Coop-Gruppe war. «Zum Monatsende erhielten wir manchmal mehrere zehntausend Franken per Post, um sie den Kunden auszahlen zu können.» Ausser einem Tresor gab es keinerlei Sicherheitsvorkehrungen. 1998 war diese Ära zu Ende. Coop setzte auf Geldautomaten und stellte an der Landstrasse eine Art Telefonkabine auf, in der Bankgeschäfte getätigt werden konnten.

Mit dem Generationenwechsel ist die Zukunft von Schmid Reisen gesichert, denn, so Theres Budinsky: «Hansruedi und ich waren uns einig, wenn er das Reisebüro nicht übernommen hätte, hätten wir es geschlossen.» Beiden ist deutlich anzusehen, dass sie erleichtert sind: Ihr Lebenswerk geht weiter.