Das Resultat des 2. Wahlgangs für die Gemeinderatsersatzwahl hätte kaum knapper ausfallen können: Von 4979 gültigen Stimmen hat Martin Egloff 2536 (50,93 Prozent) erhalten – 93 mehr als sein Kontrahent von der CVP, Roland Michel. Er konnte 2443 Stimmen (49,07 Prozent) für sich gewinnen. Die Stimmbeteiligung lag bei 42,6 Prozent.


Die CVP verliert somit ihren zweiten Gemeinderatssitz an die FDP, die neu mit zwei Sitzen im Gemeinderat vertreten ist. Damit hätten wohl die Wenigsten gerechnet, gehört doch die CVP mit 25 Prozent Wähleranteil zusammen mit der SVP zu den stärksten Parteien in Wettingen, während die FDP bei den letzten Gesamterneuerungswahlen 2013 lediglich rund 15 Prozent der Wähler für sich gewinnen konnte.


Martin Egloff wertet das Resultat als einen Achtungserfolg für sich und die FDP: «Ich bin mit 200 Stimmen Rückstand aus dem ersten Wahlgang gekommen und habe nun mit knapp 100 Stimmen Vorsprung gewonnen. Das freut mich natürlich sehr.» Egloff, der gestern per Telefonanruf von Gemeindeammann Roland Kuster (CVP) über seinen Sieg informiert wurde, hätte im Vorfeld keine Prognose über den Ausgang der Wahl machen können. «Ich war zwar bis zum Schluss der Aussenseiter, immerhin ging es ja um den CVP-Sitz von Markus Dieth, doch gleichzeitig war es in erster Linie eine Personenwahl und Roland Michel und ich waren zwei sehr ähnliche Kandidaten.» Für ihn sei klar gewesen, dass er wenn, dann nur mit knappem Vorsprung siegen würde. FDP-Ortsparteipräsidentin Yvonne Vogel zeigt sich hocherfreut über den Wahlsieg: «Für unsere Partei ist das ein gutes Zeichen, auf dem wir aufbauen können; das motiviert uns enorm für die Gesamterneuerungswahlen im Herbst.» Dass das Resultat sehr knapp ausgefallen sei, zeige, das beide Kandidaten fähig und wählbar seien.


Grosse Enttäuschung bei der CVP
Für die CVP ist die Niederlage nur schwer verdaulich. «Die Enttäuschung ist gross und man hat beinahe das Gefühl, es sei ein Zufallsentscheid gewesen», sagte Roland Michel, der nicht nur als unterlegener Kandidat spricht, sondern auch als CVP-Ortsparteipräsident. «Insbesondere für eine Gemeinderatswahl war der Stimmenunterschied extrem dünn.» Umso mehr tue es im für seine Wähler und Unterstützer leid.


Im Wahlkampf habe man gespürt, dass viele Wähler der CVP einen Dämpfer verpassen wollten, sagt Michel. «Das haben wir in den zahlreichen Leserbriefen immer wieder bemerkt.» Für die CVP, die traditionell mit zwei Sitzen im Gemeinderat vertreten war, wird es nun darum gehen, bei den Gesamterneuerungswahlen im Herbst ihren Sitz wieder zurückzugewinnen. «Wir machen uns bereits Gedanken und werden auf jeden Fall versuchen, den Sitz zurückzuholen», sagte Michel gestern, kurz nachdem die Resultate da waren. Ob er nochmals antreten werde, könne er noch nicht sagen. «Wir werden zuerst eine detaillierte Analyse machen und unsere Strategie besprechen.»