«Jugendbüro» steht in grossen Lettern aus beigefarbenem Klebeband auf dem Fenster. «Das ist noch provisorisch», sagt Marvin Kingsley, der neue Leiter der Jugendarbeit Mellingen-Wohlenschwil. «Unser Logo steht noch nicht fest. Das kommt im nächsten Jahr.» Hinter der Glasscheibe an der Grossen Kirchgasse 17 in Mellingen sieht es dagegen schon gemütlich aus: Um einen Tisch stehen drei schwarze Ledersofas, daneben ein Bürotisch, weiter hinten ein Töggelikasten.

Den Raum hat Kingsley neu eingerichtet. Neu ist auch die Jugendarbeitsstelle, die der 29-Jährige frisch aufbaut. Darin hat er Erfahrung. Schon bei seiner früheren Arbeitsstelle in Bad Zurzach organisierte er die Stelle von Null auf. In Mellingen existierte zwar bereits eine Offene Jugendarbeit. Seit 2010 war die 60-Prozentstelle aber nicht mehr besetzt. Im Jahr 2014 beschloss der Gemeinderat, die Jugendarbeit neu aufzubauen. Für die neue 80-Prozentstelle budgetierte die Gemeinde für 2016 Personalkosten von rund 85 000 Franken und Mietkosten von rund 12 000 Franken. Wohlenschwil budgetiert für das kommende Jahr 25 000 Franken.

Zielpublikum sind die Schüler der 6. bis 9. Klasse, die in Mellingen die Schule besuchen. Dies müsse aber nicht strikt eingehalten werden. «Wenn jemand seinen Cousin mitbringt, ist er natürlich auch willkommen», sagt Kingsley. «Wir sind für alle offen.»

Dass die Arbeit mit den Jugendlichen wichtig ist, davon ist der Wettinger überzeugt. «Ich kann den jungen Menschen hier eine Plattform bieten, durch die sie sich in der Gemeinde einbringen können.» In dem sie beispielsweise Events wie Kinoabende oder Ausflüge in den Kletterpark organisieren würden. «Ich helfe ihnen dabei oder gebe ihnen Ideen.» Kingsley bietet zudem Beratungen an – sowohl für die jungen Leute als auch für deren Eltern. «Das Jugendbüro soll aber auch ein Raum sein, in dem die Schüler einfach nur Jugendliche sein dürfen.»

Jugendraum ist kein Partyraum

Eines ist das Jugendbüro aber nicht: ein Partyraum. So ist der Raum am Dienstag und Donnerstag jeweils über Mittag sowie am Mittwoch und Freitag am Nachmittag bis 18 beziehungsweise 19 Uhr offen. «Ich kann gar nicht später schliessen, da wir viele Anwohner in unmittelbarer Nähe haben.» Kingsley möchte aber im neuen Jahr einen Raum suchen, in dem die Schüler ab und an auch Partys veranstalten können.

Zudem hat er Ideen, wie beispielsweise mit den Jugendlichen an der Reuss einen Grillplatz zu gestalten oder regelmässig Sportnächte zu veranstalten. Sport ist für den Judo-Kämpfer ein wichtiges Präventionsmittel. «Im Sport geht es um Spass, aber auch um Fairness und Respekt.»

Am Dienstag 5. Januar öffnet das Jugendbüro offiziell. Bereits seit Oktober führt Kingsley Gespräche mit der Gemeinde, der Schule und der Polizei. Vernetzt sich, stellt sich und seine Arbeit vor. Auch in den Schulklassen. So will er den Kontakt zu den Schülern herstellen, damit sie sich auch getrauen, vorbeizukommen. «Schön wäre es, wenn in einem Jahr die Jugendarbeitsstelle so etabliert ist, dass ich mich kaum vor Arbeit retten kann», sagt Kingsley.