Das Pfarrer-Ehepaar Moll aus Baden hat sich entschlossen während der Fastenzeit mit dem Budget eines Asylsuchenden im Aargau zu leben – das macht 9 Franken pro Tag.

Ihr Projekt ist eine Gegenreaktion auf die Entscheidung der Regierung, die finanzielle Unterstützung für Flüchtlinge Anfang Jahr zu kürzen.

Nun sind bereits zwei Wochen vergangen und die Halbzeit des Experiments lädt zur Zwischenbilanz ein. Wie lebt es sich so knapp bei Kasse?

Abzüglich den Hygieneprodukten und Halbtagsabo bleiben Stefan und Christine Moll gerade mal 6 Franken für die Ernährung. Weil damit jeder Rappen erzählt, plant das Ehepaar seine Einkäufe gründlich. 

Schnell hat sich dem Pfarrer-Paar gezeigt, was das für das alltägliche Leben bedeutet. Die Einschränkungen seien enorm, erklärt Stefan Moll gegenüber Tele M1: «Das Geld reicht genau für den Essens-Einkauf, aber wenn es irgend einen Zwischenfall gibt, und man braucht zum Beispiel ein Medikament, dann verreisst es einen in finanzieller Hinsicht völlig.»

Somit versucht das Ehepaar zu sparen, wo es geht. Brot ist im Laden zu teuer, daher wird dieses selbst gebacken. «Das hat ja auch etwas», sagt der Pfarrer. Trotzdem spüren er und seine Frau jeden Tag, wofür das Geld im alltäglichen Leben einfach fehlt – vor allem für den ein oder anderen Luxus in der Freizeit. 

Als ein Kollege Stefan Moll fragt, ob er einen Kaffee trinken wolle, muss er daher passen. Er kann sich entweder nur einladen lassen oder den Billig-Kaffee von zu Hause anbieten. Solche Regeln der Freundlichkeit aufgrund des Geld verletzen zu müssen, fällt dem Pfarrer nicht leicht: «Ich schäme mich dafür, auch wenn es keinen Grund dazu gibt.»

So kann das Paar schon nach ein paar Tagen ein wenig besser nachvollziehen, was es bedeutet, so am Existenzminimum zu leben.

Dahinter steckt die traurige Gewissheit, dass nicht nur Asylsuchende von solch finanziellen Schwierigkeiten betroffen sind – auch viele Schweizer kennen das Problem, wenn jeder Rappen zählt.