Baden

«Massiver Mehrverkehr in der ganzen Region»: Dättwil wehrt sich gegen Galgenbuck-Pläne

Auf dem Galgenbuck (obere Bildhälfte) soll ein neues Stadtquartier entstehen.

Auf dem Galgenbuck (obere Bildhälfte) soll ein neues Stadtquartier entstehen.

Der Badener Stadtrat will auf der letzten grossen Landreserve Badens eine Wohnzone für 2000 Menschen ermöglichen – nun regt sich Widerstand.

Prognosen gehen davon aus, dass Baden in den kommenden zwei Jahrzehnten um rund 6000 Einwohnerinnen und Einwohner wachsen wird. Aber wo hat es Platz für diese Menschen? Diese Frage stellt sich, weil bereits 97 Prozent der bestehenden Wohn- und Mischzonen in der Stadt verbaut sind. Die Antwort des Stadtrates: Überbaut werden soll unter anderem der Galgenbuck in Dättwil. Hier befindet sich die letzte grosse zusammenhängende Landreserve der Stadt, sie könnte dereinst 1500 bis 2000 Menschen Wohnraum bieten. Hierfür muss das Gebiet von einer Übergangszone in eine Bauzone überführt werden; derzeit läuft die öffentliche Mitwirkung zur Teilrevision der allgemeinen Nutzungsplanung.

Nicht einverstanden mit den Plänen für ein neues Stadtquartier ist die «Interessengemeinschaft Dättwil – wo Baden boomt», die die Interessen von 160 Mitgliederfirmen vertritt. Sie lehnt die geplante Teilrevision laut Mitteilung «klar ab».

«Schon heute überlastet»

Vorstandsmitglied Andreas Bauer: «Unsere Hauptkritik betrifft die fehlende Verkehrsplanung via Ausbau der Mellingerstrasse. Das Projekt Galgenbuck wird zu massivem Mehrverkehr in Dättwil und in der ganzen Region führen.» Schon heute sei die Mellingerstrasse morgens und abends in allen Richtungen überlastet. Die Hauptlast des zusätzlichen Verkehrs, den die Überbauungen auf dem Galgenbuck zur Folge hätten, würde künftig via Pilgerstrasse abgewickelt. Und die Pilgerstrasse führe mitten durch das Dorf. Die Lebens-, Wohn- und Arbeitsqualität in Dättwil würde massiv eingeschränkt, ist die Interessengemeinschaft überzeugt.

Die Gemeinde Dättwil mit ihren damals 600 Einwohnern wurde 1962 mit der Stadt Baden verschmolzen. Seither hat sich das Dorf zu einem 3000-Einwohner-Quartier vergrössert. Die IG Dättwil befürwortet zwar ein weiteres Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum und unterstützt darum laut Mitteilung auch das Raumentwicklungskonzept, über das heute Dienstag im Einwohnerrat abgestimmt wird. Insbesondere das darin formulierte Ziel einer stadtverträglichen und effizienten Mobilität in Baden sei erstrebenswert. «Die Pläne für den Galgenbuck widersprechen diesem Ziel aber leider», heisst es bei der IG auf Anfrage. «Für Dättwil ist kein Ausbau des öffentlichen Verkehrs vorgesehen. Und auch die 950 geplanten Parkfelder entsprechen nicht dem angestrebten autoreduzierten Wohnen.» Die Frage, wie die Pendlerströme reguliert werden sollen, sei noch völlig unklar. Eine Reaktivierung respektive ein Ausbau der bestehenden Bahnlinie der ehemaligen Nationalbahn würde Sinn machen, ist die IG überzeugt. Man sei sich aber ­bewusst, dass die SBB bis dato erklärte, sie sei nicht bereit, die Linie für eine Stadtbahn herzugeben.

Präsident des Dorfvereins befürchtet ein Chaos

Weiter ist die IG der Meinung, dass der Galgenbuck erst überbaut werden soll, wenn das bestehende Potenzial für Verdichtung ausgeschöpft werde. Dadurch könnte die letzte Badener Baulandreserve kommenden Generationen zur Verfügung gestellt werden.

Der Dättwiler Dorfverein trifft sich bald, um seine Haltung zum Galgenbuck-Projekt zu besprechen. Dorfvereinspräsident Markus Meurer teilt persönlich aber die Haltung der IG Dättwil. «Die Strassen in unserem Quartier sind jetzt schon immer voll. Ohne Verkehrskonzept hätte die Überbauung des Galgenbucks ein Chaos zur Folge.»

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