Wettingen
«Masterplan Wettingen»: Das grosse Dorf träumt von einer städtischen Lebensader

Ein Masterplan zeigt die Entwicklungsplanung der «Zukunft Landstrasse» in Wettingen auf. Darin ist festgehalten, wie die Gemeinde ihre Lebensader lebendig gestalten und zum Pulsieren bringen will.

Roman Huber
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Visualisierungen Landstrasse Wettingen
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Mit dieser Visualisierung wird auch die mögliche Verlängerung der Limmattalbahn über Wettingen nach Baden angedeutet.
Visualisierung der Rosengartenstrasse, wo dank der Durchlässigkeit sich der Blick von der Landstrasse her Richtung Lägern öffnen soll.
Im Zentrumsbereich der Landstrasse wird beim Strassenraum eine Koexistenz der verschiedenen Verkehrsteilnehmer angestrebt.
Attraktive Nischen als kleinere Freiräume zum Verweilensollen sich wie eine Perlenschnur der Landstrasse entlang ziehen.

Visualisierungen Landstrasse Wettingen

Metron/van de Wetering/Roth

Wie der Aargau ebenso wenig nur Durchgangskanton ist, soll auch die Landstrasse nicht allein dazu dienen, auf dem schnellsten Weg durch Wettingen zu fahren.

In einem Masterplan ist nun festgehalten, wie die Gemeinde ihre Lebensader lebendig gestalten und zum Pulsieren bringen will. Er hält unter anderem fest, wo an der Landstrasse vornehmlich gewohnt und gearbeitet wird und wo das Einkaufen im Mittelpunkt stehen soll. Der Masterplan dient darum als Grundlage und der Behörde als verbindlicher Rahmen für künftige Vorhaben der öffentlichen Hand wie auch der privaten Akteure.

Lebendige Vielfalt mit Qualität

«In den nächsten zehn Jahren soll die Landstrasse zur pulsierenden Lebensader werden», verspricht Gemeindeammann Markus Dieth. Die angestrebte Qualität müsse über eine Gesamtbetrachtung erfolgen, die Bebauung und deren Strukturen, die Erschliessung, Nutzungen und Gestaltung des Freiraums im ganzen Bereich der Landstrasse inklusive der dahinterliegenden Gebiete mit einbeziehen müssen.

Verkehrsteilnehmer, Wohnende wie auch Flanierende sollen sich wohlfühlen. Dafür werden fünf Leitlinien skizziert: Die Landstrasse soll sich durch eine lebendige Vielfalt auszeichnen, die ihr eine hohe Aufenthaltsqualität gibt. Den Zentrumsbereich wolle man weiter stärken und beleben, führt Urs Heimgartner, Leiter Abteilung Bau und Planung, aus. Wesentlich sei auch die gute Erreichbarkeit für alle Verkehrsbenutzer, also Fussgänger, Velofahrer wie auch für den Autofahrer.

Die Landstrasse wird nicht zu einem vereinheitlichten Strassenzug. Der untere Bereich mit der Eintrittspforte von Baden her soll mit der bestehenden Typologie, der Ensemble-Wirkung und der Durchgrünung in derselben Massstäblichkeit erhalten bleiben. Im Osten hingegen sei eine Gesamtbetrachtung in Richtung qualitätvoller Verdichtung zu verfolgen, führt Heimgartner aus. Als Abschluss und Orientierungshilfe will die Gemeinde dort auch eine Eingangspforte schaffen. Den Strassenraum der unteren Landstrasse und des östlichen Abschnitts wird man als Kernfahrbahn ausgestalten, wobei dieser Richtung Osten bereits heute separate Bereiche für die verschiedenen Verkehrsteilnehmer ist.

Zentrum als Herausforderung

Im Zentrumsbereich sind vor allem die Anforderungen an die Strassenräume hoch. Arkaden an den Gebäuden entlang der Landstrasse würden eine grosszügigere Gestaltung des Strassenraums ermöglichen. «Die Grundeigentümer sollen die verlorene Bruttogeschossfläche durch ein zusätzliches Geschoss kompensieren können», erklärt Heimgartner. Im Erdgeschoss werden attraktive Nutzungen in erster Linie für den Einkauf angestrebt, welche die Landstrasse beleben. Freiräume und Nischen wie der heute als Parkplatz genutzte Raum beim Kino MovieElite werden zu Verweilorten umgestaltet, welche die erwünschte Aufenthaltsqualität ins Zentrum bringen sollen.

340 Personen haben mitgewirkt

Der Masterplan ist weder Papiertiger noch ein Produkt der Fachplaner. Gemeindeammann Markus Dieth spricht von einem vorbildlichen Prozess, ständig begleitet von der Planungskommission, bei dem die Gemeinde sämtliche Beteiligten und Betroffenen zu Worte kommen liess. «Wir haben alle mit einbezogen», sagt Dieth. Damit meint er die politischen Parteien und Kommission wie auch das Gewerbe, betroffene Grundeigentümer und die Bevölkerung gemeinhin.
«In zwei Workshops im Frühjahr 2012 und 2013 haben wir die Bedürfnisse und Inputs von 340 Personen abgeholt», so Dieth. Als Grundlage dienten vier Testplanungsbeiträge, die von der Bevölkerung, einem Begleitgremium, bestehend aus Vertretern des Kantons, der Region, des Gewerbes und externen Fachleuten und einer Arbeitsgruppe der Verwaltung und ihren Fachberatern in einen Masterplan-Entwurf geführt wurden. Der Gemeinderat genehmigte im April 2013 eine provisorische Fassung. Es folgte die Vertiefung. Anliegen und Empfehlungen nahm man auf und setzte die Zentrumsdiskussion fort. Im Juli beschloss der Gemeinderat den Masterplan in der vorliegenden Form. (rr)

Beim Strassenraum streben die Planer auf diesem Abschnitt eine «Koexistenz aller Verkehrsteilnehmenden» an, führt Heimgartner aus. Die Längsparkplätze werden in gruppierte Parkplätze umgestaltet; die Gesamtzahl der oberirdischen Parkplätze soll nicht beschnitten werden. «Der Fussgänger soll gefahrlos die Strasse queren können, weil der Autofahrer Rücksicht nimmt», lautet die Wunschvorstellung von Markus Dieth. Weil der Kanton auf Kantonsstrassen kein Tempo 30 zulässt, möchte man das in Wettingen ohne signalisierte Temporeduktion bewerkstelligen. Dieth: «Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass auf diesem Abschnitt ohnehin einiges langsamer als Tempo 50 gefahren wird.»

Kanton als wichtiger Partner

Der Masterplan wird schrittweise umgesetzt. Als wichtige Voraussetzung wird die Bau- und Nutzungsordnung im betroffenen Gebiet angepasst. Nur so lässt sich die angestrebte bauliche Entwicklung auch umsetzen. Noch in dieser Amtsperiode (2014 bis 2017) werde die revidierte Nutzungsplanung zur Genehmigung vorliegen, verspricht Dieth. Bereits haben Behörden und Grundeigentümer die Planung in verschiedenen Gebieten an die Hand genommen: Im Bereich Staffel-/Mattenstrasse läuft die Erschliessungsplanung, für das Gebiet «Winkelried» ist ein Gestaltungsplan in Arbeit, für die Obere Geisswies liegen die Grundlagen für einen Gestaltungsplan vor.

Weil es sich bei der Landstrasse um eine Kantonsstrasse handelt, ist der Kanton ein wichtiger Partner bei der Gestaltung des Strassenraums. Da möchte die Gemeinde Druck machen. «Die untere Landstrasse muss dringendst erneuert werden», so Dieth. Nicht nur der Strassenbelag, sondern auch die Werkleitungen sind in einem desolaten Zustand, was regelmässig zu Komplikationen führt.

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