Mit der musikalischen Umrahmung vom Jazz-Ensemble und nach der Festrede von Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann nahmen die Maturanden ihr Zeugnis entgegen und stiessen danach beim gemeinsamen Apéro an.

95 junge Männer und 120 junge Frauen starten nun in einen neuen Lebensabschnitt. Mehr Freiheit, mehr Selbstbestimmtheit. Mit dem Ablegen des Reifezeugnisses und der Fähigkeit zu eigenem, kritischem Denken sind den Schülern die wichtigsten Dinge mit auf den Weg gegeben worden, um mit dieser neu erworbenen Freiheit umgehen zu wissen.

Denn Freiheit ist auch Verantwortung, eine Verantwortung gegen über sich selbst, für sich den richtigen Weg einzuschlagen.

Es war eine Feier, bei der man auf die Vergangenheit blickte, Erinnerungen belebte und gleichzeitig herrschte prickelnde Aufbruchstimmung: Freude, Antrieb und Schwung zu einer neuen, vielversprechenden Zukunft.

Dichtung und Wahrheit

Straumann nannte seine Festrede Dichtung und Wahrheit und räumte auf mit Klischees und einschüchternden Prophezeiungen. Er selbst hat 1986 die Matur an der Kanti Baden gemacht.

Einer Zeit, «in der ausgesprochener Zukunftspessimismus vorherrschte». Dazumal sprach man vom Waldsterben, dem Kalten Krieg und der Katastrophe in Tschernobyl. Die Zukunft sah düster aus.

«Ich erzählte einem Lehrer, dass ich Geschichte studieren möchte. Der Lehrer schaute mich besorgt an», erzählte Straumann «und dann warnte er mich vor der drohenden Arbeitslosigkeit. Als er sich verabschiedete, war sein Händedruck so schwach, dass es sich so anfühlte, als ob er mir kondolieren würde.»

Doch davon soll man sich nicht einschüchtern lassen. Denn: «Es braucht überall gute Leute, es braucht Leute mit grosser Leidenschaft und Einsatz, und wer sich nicht allzu schnell entmutigen lässt, findet einen Weg ans Ziel.»

Und: «Es kommt nur darauf an, dass man herausfindet, was einem am besten entspricht, und das findet man nur heraus, indem man sich von Anfang an voll ins Getümmel stürzt. Es gibt manche, die haben gewartet und gewartet, bis das Richtige auf sie zukam – die meisten warten heute noch.»