Sommer-Öffnungszeiten
«Mediterranes Lebensgefühl» in Baden: Gartenbeizen sollen bis 2 Uhr offen sein

Der Badener Stadtrat will die Sommer-Öffnungszeiten für Restaurants verlängern und damit zum «mediterranen Lebensgefühl» beitragen.

Pirmin Kramer
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Badener Beizen dürfen mehr Aussenraum nutzen als vor der Pandemie.

Badener Beizen dürfen mehr Aussenraum nutzen als vor der Pandemie.

Alex Spichale (20. Mai 2020

Ein «Hauch von Dolce Vita» oder «mediterranes Flair» in Baden: So wird die Stimmung beschrieben, die in der Stadt im Frühling und Sommer herrschte (AZ vom 17. Juli). Grund dafür: Die Restaurants dürfen aktuell mehr Tische draussen aufstellen als vor der Coronakrise. Möglich macht dies die Stadt Baden, die eine grössere Nutzung des öffentlichen Raums erlaubt als vor der Pandemie und zudem auf Gebühren verzichtet. Dadurch können die Abstandsregeln zur Eindämmung des Coronavirus eingehalten werden und die Restaurantbetreiber rentabel arbeiten. Die Massnahme ist Teil des Millionen-Hilfspakets der Stadt, um Betrieben über die Coronakrise wegzuhelfen.

Auch einzelne Stadträte sprachen davon, «dass die Gassen und Beizen dadurch mehr Leben erhalten haben». Nun bringt der Stadtrat einen weiteren Vorschlag für «das mediterrane Lebensgefühl»: Im Juni, Juli und August 2021 soll der Betrieb von Gartenwirtschaften in den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag auf 2 Uhr verlängert werden. Aktuell dürfen Gartenwirtschaften – die Fläche unmittelbar vor den Restaurants – bis maximal 24 Uhr offen haben.

Sicherheitsvorsteher Mat­thias Gotter (CVP) begründet den Vorschlag folgendermassen: «Dieses Jahr hat gezeigt: Das Bedürfnis der Beizen, aber auch der Gesellschaft, den öffentlichen Raum stärker zu nutzen, ist gross. Durch die Verlängerung der Öffnungszeiten wollen wir der Gesellschaft mehr Zeit zur Verfügung stellen, sich im öffentlichen Raum aufzuhalten.» Aber nehmen dadurch nicht Lärm und Littering zu? «Nein, wir erhoffen uns das Gegenteil: Wenn wie aktuell um 24 Uhr Schluss ist, gehen viele Leute noch nicht nach Hause, halten sich an anderen Orten in der Stadt auf. Eine Verlängerung der Öffnungszeiten könne dazu führen, dass der Abend «in geregelten Bahnen» zu Ende gehe, sagt Gotter.

Im Dezember wird sich der Einwohnerrat mit dem Vorschlag befassen. Stimmt er der Idee zu, wird der Stadtrat die Verwaltung beauftragen, das Projekt für einen «attraktiveren öffentlichen Raum» weiterzuverfolgen. Neben längeren Öffnungszeiten soll auch die stärkere Nutzung des Aussenraums langfristig etabliert werden. Dies schreibt der Stadtrat in seiner Antwort auf das Postulat von GLP-Einwohnerrat Fabian Hummel. Dieser verlangt, dass Restaurants auch nach der Coronapandemie mehr öffentlichen Raum nutzen dürfen. Hummel: «Zwar entgehen der Stadt Gebühren von ungefähr 100000 Franken, sie leistet damit aber einen Beitrag für ein attraktives und lebhaftes Baden.»

Bewilligungen: Stadtrat will liberale Politik beibehalten

Der Stadtrat ist grundsätzlich derselben Meinung: «Die liberale Bewilligungspolitik durch die Gewerbepolizei zur Benützung des öffentlichen Grundes soll beibehalten werden.» Allerdings brauche es mehrere Planungsschritte, um den öffentlichen Grund in Baden dauerhaft umnutzen zu können. «Die vorübergehende Benützung des öffentlichen Grunds für eine Gartenwirtschaft kann höchstens für eine Saison im Sinne eines Pilotprojekts erfolgen.» Soll die Gartenwirtschaft hingegen auf Dauer angelegt sein, müsse ein Baubewilligungsverfahren eingeleitet werden.

Klar ist vorerst so viel: Die Gewerbepolizei wird Gesuche rasch prüfen und Bewilligungen für den Betrieb eines Strassencafés auch nach dem Jahr 2020 schnell sprechen. Unerlässlich bleibe allerdings, dass die Eigentümer der Gebäude mit der Vergabe des öffentlichen Grundes vor ihrer Liegenschaft einverstanden seien.