Über 1100 Mahnungen flatterten im Juni in die Briefkästen von Steuerpflichtigen in Obersiggenthal. Sie werden darin «eingeladen, die Steuererklärung einzureichen», sagt Helmut Pedrazzi, Leiter Steuern der Gemeinde.

Bussen höher als die Kosten

Eigentlich wäre die Abgabe der Steuererklärung ja schon Ende März fällig gewesen. «Aber wir haben auch in Obersiggenthal Personen, die immer zu spät dran sind», sagt Pedrazzi. So weiss er aus Erfahrung, dass im August 400 bis 500 Steuerpflichtige eine eingeschriebene Mahnung erhalten werden. Daraus resultieren für die Gemeinde beträchtliche Kosten. Aber auch für die Steuerpflichtigen kann es teuer werden: Wird die Steuerdeklaration nicht termingereicht eingereicht, muss ein Ordnungsbussenverfahren eingeleitet werden.

Die Bussen sind meist höher als die Kosten, die für das Ausfüllen der Deklaration bei Organisationen wie Bankinstituten, Versicherungsgesellschaften, Treuhandgesellschaften und Privatpersonen anfallen würden. «Es macht mehr Sinn, sich Hilfe zu holen, als sich nach Ermessen einschätzen zu lassen», sagt Pedrazzi.

Bequemlichkeit und Alltagsstress

Ein Muster, wer die Steuererklärung zu spät ausfüllt – also ob jung oder alt, wohlhabend oder nicht –, gibt es nicht. «Alle Bevölkerungsschichten sind betroffen», sagt Pedrazzi. Eine Erklärung für die notorisch zu spät eintreffenden Steuererklärungen hat er nicht. «Das ist manchmal schon unverständlich, denn so kompliziert ist das Ausfüllen nicht und wir stehen auch für Fragen jederzeit zur Verfügung.

Zudem leistet die Software EasyTax eine wertvolle Hilfe.» Teilweise liege es wohl an der Bequemlichkeit, vermutet Pedrazzi, «oder der Alltagsstress im Berufs- und Privatleben wird zu gross, so dass alles weitere Unangenehme einfach verschoben wird.» So komme die Ferienplanung bei vielen Steuerpflichtigen vor der Steuererklärung. «Sie beginnen dann im August nach den Ferien mit dem Ausfüllen», sagt Pedrazzi. So umgehen sie immerhin eine Ermessenseinschätzung.

In anderen Aargauer Gemeinden setzen die Steuerämter mittlerweile auf Geschenke und Wettbewerbe, wenn es darum geht, die Steuerpflichtigen für das Ausfüllen der Steuererklärung zu motivieren. Davon hält Helmut Pedrazzi nicht viel. Spontan und aus dem eigenen Sack hat er aber dem Ersten, der in diesem Jahr die Steuererklärung abgegeben hat, eine süsse Überraschung überreicht.

Wenig Publikum – effiziente Arbeit

Das Steueramt ist nun das ganze Jahr mit dem Prüfen der Steuererklärungen beschäftigt. «Momentan sind wir bei der Einschätzungstätigkeit weit fortgeschritten», sagt Pedrazzi. Den Sommer hindurch könne dabei besonders effizient gearbeitet werden, weil der Publikumsverkehr auf dem Steueramt geringer ist.