Freienwil
Mega-Triathlon: 5500 Höhenmeter an nur einem Tag

Roberto Di Gregorio wird am Samstag beim «Swissman Xtreme Triathlon» über seine Grenzen hinausgehen. Auf ihn und das internationale Teilnehmerfeld wartet der extremste Triathlon der Schweiz.

Nicola Imfeld
Merken
Drucken
Teilen
Roberto Di Gregorio bei einem Triathlon

Roberto Di Gregorio bei einem Triathlon

Sven Bachmann

Was sich für die meisten Menschen wie ein Albtraum anhört, ist für Roberto Di Gregorio ein Lebenstraum. Der Ausdauersportler aus Freienwil will am Samstag beim «Swissman Xtreme Triathlon» den Gotthard-, Furka- und Grimselpass bezwingen.

Gesamthaft über 220 Kilometer und 5500 Höhenmeter warten auf den 47-Jährigen. Diese muss er schwimmend, auf dem Velo und auf der Laufstrecke zurücklegen. Dass Di Gregorio am Swissman überhaupt starten kann, verdankt er einem Weihnachtswunder, seiner Ehefrau und dem Losglück.

Das Streckenprofil des Swissman

Das Streckenprofil des Swissman

Rückblende: Es ist Sonntag, der 15. November 2015. Di Gregorio, der sich im Oktober für den Swissman eingeschrieben hatte, wartet sehnsüchtig auf das Resultat der Auslosung. Eine Teilnahme am verrücktesten Triathlon des Jahres ist alles andere als selbstverständlich. Ausdauersportler aus aller Welt bewerben sich jeweils für einen der 200 Startplätze.

Di Gregorio ist am Handy, als er die E-Mail mit dem positiven Entscheid erhält. «Ich wollte die Nachricht erst gar nicht öffnen und fühlte mich wie in der Schule, wenn man auf sein Zeugnis wartet. Dann aber habe ich mich wie ein kleines Kind gefreut», erzählt Di Gregorio.

Weihnachten heilte kaputtes Knie

Die Freude wurde einzig von einer Verletzung getrübt, die sich Di Gregorio wenige Tage zuvor bei seiner Arbeit in der Informatik-Abteilung des Kernkraftwerks Leibstadt zugezogen hatte. «Ich rutsche auf einem Treppentritt blöd aus», sagt er. Der Befund des Arztes war niederschmetternd: Meniskusriss am linken Knie.

Der schweizerische-italienische Doppelbürger wartete einen Monat, ehe er sich in Basel unters Messer legte. Die Ärzte rieten ihm von sportlichen Aktivitäten über die Feiertage ab. «Zum ersten Mal in meinem Leben hörte ich auf die Ärzte, auch wenn es mir schwerfiel», sagt er. Einfach nur auf der faulen Haut zu sitzen, behagte dem 47-Jährigen überhaupt nicht. Er hatte Panikattacken, befürchtete, im Hinblick auf den Swissman nicht genug trainieren zu können.

Doch die Disziplin zahlte sich aus: Nach den Festtagen konnte Di Gregorio wieder mit Kraftübungen beginnen. Das Knie verheilte so schnell, sodass er nur einen Monat nach seiner Operation wieder voll trainieren konnte. «Es war eine Traumgenesung, ja fast ein kleines Weihnachtswunder. Die Ärzte haben hervorragende Arbeit geleistet», schwärmt Di Gregorio.

Die Vorbereitung gestaltete sich auch in gesundem Zustand als schwierig. Um das Familienleben nicht gänzlich zu verpassen, klingelte bei den Di Gregorios regelmässig der erste Wecker um 4 Uhr morgens. Noch vor der Morgentoilette schwang sich der zweifache Familienvater aufs Velo oder joggte in der Morgendämmerung durch Freienwil. «Die Menschen im Dorf dachten wohl, ich sei ein Spinner», sagt er.

Seine Ehefrau habe ihn in dieser Zeit enorm unterstützt und den ganzen Haushalt geschmissen. Besorgt sei sie nicht wegen des bevorstehenden Wettkampfs am Samstag, sondern vielmehr wegen den kurzen Nächten ihres Ehemannes.

Der Traum vom Ironman in Hawaii

So richtig gepackt hat das Ausdauersport-Fieber Di Gregorio erst mit 35 Jahren, als er an seinem ersten Triathlon teilnahm. Es folgten Weltmeisterschaften in den USA und diverse Ironman-Wettkämpfe. «Ich liebe das Abenteuer und will meine Grenzen immer wieder kennenlernen», erklärt er seine Leidenschaft.

Am Samstag wird Di Gregorio über seine Grenzen hinausgehen müssen, will er sich am Ende des Tages Swissman Finisher nennen. Um 5 Uhr morgens startet er auf einer der Isole-di-Brissago-Inseln im Tessin. «Bevor es dunkel wird, will ich das Ziel auf der kleinen Scheidegg im Berner Oberland erreichen», sagt Di Gregorio.

Der Swissman wird nicht der letzte Wettkampf des Freienwilers sein. Er will noch drei Jahre weitermachen. Einen grossen Traum hat Di Gregorio auch noch: «Den Ironman in Hawaii – das Nonplusultra der Triathlonszene.»