Nur wenige kennen den Wald im Siggenberg so gut wie Forstwart Beni Steimer. Er kann auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückblicken, auf viele gute, aber auch schlechte Zeiten, die er in 48 Jahren im Wald erlebt hat: «Es geht hier inzwischen turbulenter zu als früher.» Das Wetter habe sich verändert und der Wald müsse vermehrt mit Stürmen umgehen: «Bis 1993 war es ruhiger», weiss Steimer sogar noch das genaue Jahr.

Am Freitag hatte er seinen letzten Arbeitstag – er geht in Pension. Steimer hat jahrelang einen Beruf ausgeübt, der laut einer 2015 veröffentlichten Suva-Statistik zu den gefährlichsten Berufen der Schweiz zählt. Und auch Steimer sagt: «Als Forstwart hatte ich über all die Jahre Riesenglück.»

Sein einziger schlimmer Unfall geschah in seinen Lehrjahren, als er sich mit der Motorsäge ins Knie sägte. Ansonsten gab es erst im Jahr 2013 wieder einen Vorfall, der schlimmer hätte ausgehen können – er verlor das Gleichgewicht und fiel rückwärts auf einen Betonboden: «Ich hätte querschnittgelähmt oder gar tot gewesen sein können, aber nach nur einer Nacht im Spital konnte ich bereits wieder gehen», erinnert sich Steimer. In seinem Beruf kommen die wenigsten ohne Gesundheitsschäden davon, vor allem zeigen sich manche erst nach jahrelanger Ausübung des Berufs, sagt Steimer. Auch er sei nicht verschont geblieben, ein Grund, weshalb er etwas früher in den Ruhestand geht: Er ist jetzt 62 Jahre alt. Trotzdem sei die Arbeit als Forstwart heutzutage weniger gefährlich als bis in die 80er-Jahre, erklärt er. Damals gab es noch keine Schutzkleider und spezielle Werkzeuge so wie heute, die das Arbeiten erleichtert hätten.

Früher war es nicht nur gefährlicher, sondern auch anstrengender, sagt Steimer. So hätten sie zum Beispiel vor Jahren noch Holz im Akkord holzen müssen, bis zu 2000 Scheite. Die Arbeit hat er nie gescheut, die Tätigkeit als Forstwart war schon als kleines Kind sein Wunschberuf. Nicht nur dem Beruf, sondern auch dem Ort blieb er immer treu: Von der Lehre bis hin zur Pension, nie war er woanders als im Siggenberg. Bis 2014 hatte Steimer zudem die Funktion als Förster inne, doch mit dem auf Anfang 2015 folgenden Zusammenschluss der Forstbetriebe Unter- und Obersiggenthal und Freienwil zum Forstbetrieb Siggenberg wollte er jüngeren Kräften die Führung überlassen und wieder als Forstwart arbeiten. Ein Förster ist in leitender Funktion für die Verwaltung und Bewirtschaftung des Walds verantwortlich, während der Forstwart für die Ausführung der Arbeiten zuständig ist. Und genau das machte Steimer immer am meisten Spass: «Ich freute mich sehr darüber, wieder mehr mit Maschinen zu arbeiten». So kam es, dass gar einer seiner früheren Lehrlinge sein Chef wurde.

Insgesamt 24 Lehrlinge hat er ausgebildet: «Die Ansprüche haben sich in den letzten 15 Jahren gewaltig geändert», findet Steimer. Inzwischen müssten Schulabgänger für den Forstwartsberuf bessere Schulabschlüsse vorweisen. «Der praktische Teil ist heute weniger wichtig», bedauert er. Und was sich auch noch verändert habe: «Inzwischen absolvieren auch Frauen die Ausbildung.»

Apropos Frauen: Seine Frau habe ihm immer den Rücken gestärkt. Deshalb freut er sich nun sehr auf den neuen Lebensabschnitt mit ihr: «Jetzt kann ich sie in ihrem Engagement als Tagesmutter unterstützen».