Gartenstadt

Mehr Grün in Wettingen gewünscht – «es kühlt und reinigt die Luft»

Eine grüne Pracht: Der Klostergarten Wettingen. Zwei Einwohnerräte wünschen sich, dass auch der Begrünung von Dächern und Fassaden Rechnung getragen wird.

Eine grüne Pracht: Der Klostergarten Wettingen. Zwei Einwohnerräte wünschen sich, dass auch der Begrünung von Dächern und Fassaden Rechnung getragen wird.

Ein Postulat fordert, dass Fassaden- und Dachbegrünungen bei Bauprojektplanungen in Wettingen berücksichtigt werden.

Der italienische Architekt Stefano Boeri hat mit dem Bau begrünter Hochhäuser international Bekanntheit erlangt. Das wohl am nahe gelegenste Beispiel ist das Projekt «Bosco Verticale» in Mailand, bei dem an den äusseren Seiten zweier Wohngebäude Tausende von Sträuchern, Hecken und Bäumen gepflanzt wurden.

Die begrünten Hochhäuser dienen den beiden Wettinger Einwohnerräten Lutz Fischer-Lamprecht (EVP) und Kristin Lamprecht (SP) als Exempel, wie verschwindende horizontale Gartenfläche durch vertikale ersetzt werden kann. Hintergrund ist ihr Postulat «Mehr Grün für Wettingen», das der Gemeinderat an der Einwohnerratsitzung am Donnerstag entgegennehmen will. Das Anliegen der beiden Politiker: Der Gemeinderat möge prüfen, ob und wie bei Änderungen beziehungsweise Teiländerungen der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) Bauherren verpflichtet werden können, Fassaden- und Dachbegrünungen in die Planung von Neubauten sowie Sanierungen einzubeziehen.

Städtisches Grün reinige die Luft

«Verdichtetes Bauen ist in Wettingen ein hochaktuelles Thema, stellt die Gemeinde aber auch vor eine Herausforderung», sagt Lutz Fischer-Lamprecht. So stehe etwa die Frage im Raum: «Wie kann die Gemeinde verdichtet bauen und zugleich die ‹Gartenstadt› erhalten?» Hier sollen laut Postulat die oben erwähnten vertikalen Grünflächen zum Zug kommen. «Viele Studien belegen, wie wichtig städtisches Grün ist. Es steuert nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität bei, sondern kühlt und reinigt auch die Luft.» Überdies würden Naturgeräusche wie Vogelgezwitscher und Blätterrascheln eine beruhigende und somit stressreduzierende Wirkung auf die Menschen haben. «Das ist insofern wichtig, da verdichtetes Bauen zu einem erhöhten Aggressionspotenzial zwischen Nachbarn führen kann.»

Nach dem Hitzesommer sei der richtige Zeitpunkt gekommen, um sich für mehr Grün in Wettingen einzusetzen, so Fischer-Lamprecht. «Und mit der Teilrevision der BNO, die der Gemeinderat derzeit aufgleist, können verbindliche Grundlagen geschaffen werden.»

Neben EVP/Forum 5430 und SP/WettiGrüen begrüsst auch die Fraktion GLP die Entgegennahme des Postulats. Die FDP hingegen wird dessen Ablehnung beantragen. Das Postulat entspreche zwar dem heutigen Zeitgeist nach mehr Grünfläche und mehr Nachhaltigkeit auch im Bauwesen, sagt Fraktionspräsidentin Judith Gähler auf Anfrage. «Auch die FDP Wettingen steht für diese Werte ein.» Doch das Postulat könne aus mehreren Gründen nicht unterstützt werden. Unter anderem deshalb, weil die Reglementierung im heutigen Bauwesen schon sehr hoch sei und neue Regulierungen daher mit Bedacht und Augenmass getätigt werden sollten. Auch sei das Postulat nur vordergründig nachhaltig, fügt Gähler an: «Fassaden- und Dachflächen dienen im heutigen Bauwesen aber auch für andere ökologische Aspekte wie beispielsweise Solaranlagen und Photovoltaikanlagen. Solche Möglichkeiten würden mit diesem Postulat verhindert beziehungsweise eingeengt.» Nicht zuletzt berücksichtige das Postulat nur einen Teilaspekt von Ökologie und Nachhaltigkeit, statt alle relevante Aspekte ganzheitlich zu betrachten, so die Fraktionspräsidentin.

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