Wettingen

Mehr Verkehr wegen neuer Siedlung? Beschwerde gegen 100-Millionen-Jahrhunderprojekt

Herzstück des Siegerprojekts «Gartengeschichten» bilden vier grosszügige Gartenhöfe, die von vier- bis fünfgeschossigen Gebäuden umgeben sind.

Herzstück des Siegerprojekts «Gartengeschichten» bilden vier grosszügige Gartenhöfe, die von vier- bis fünfgeschossigen Gebäuden umgeben sind.

Die Siedlung Klosterbrühl neben dem Stadion Altenburg stammt aus den 1950er-Jahren. Sie soll durch Neubauten ersetzt und künftig um die 500 Bewohnern Platz bieten. Warum das Jahrhundertprojekt derzeit stillsteht

Für die grösste Aargauer Wohnbaugenossenschaft «Lägern Wohnen» handelt es sich um ein Jahrhundertprojekt: Sie plant den Neubau der Siedlung Klosterbrühl auf dem 25 000 Quadratmeter grossen Areal neben dem Fussballstadion Altenburg.

Die Überbauung zwischen Winkelried-, Gruben- und Etzelstrasse in Wettingen, in der rund 200 Bewohner leben, stammt aus den 1950er-Jahren und entspricht nicht mehr den Bedürfnissen an zeitgemässes Wohnen. Deshalb soll sie durch Neubauten ersetzt – und um fast 100 Wohnungen auf neu 222 Einheiten erweitert werden.

Die gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft Lägern wollte den Baukredit an ihrer Generalversammlung Ende Mai beantragen. Der Start der ersten Bauetappe war im Frühjahr 2019 vorgesehen.

Doch nun zeigt sich: Die über 900 Genossenschafterinnen und Genossenschafter werden wohl erst in einem Jahr über den Baukredit für das 100-Millionen-Franken-Projekt abstimmen können. Wie «Lägern Wohnen» mitteilt, reichten Anwohner eine Beschwerde gegen den Gestaltungsplan ein, der vom Gemeinderat aufgrund einer Einwendung erst angepasst und anschliessend beschlossen wurde.

Mehrverkehr wird befürchtet

«Die Befürchtung ist, dass es trotz Anpassungen aufgrund der neuen Tiefgarage zu Mehrverkehr auf der südlichen Grubenstrasse kommen wird», präzisiert Christoph Bernet, Geschäftsleiter von «Lägern Wohnen». Das kantonale Departement Bau, Verkehr und Umwelt werde die Beschwerde in den kommenden Monaten prüfen.

«Da es sich um ein vielschichtiges und komplexes Projekt handelt, gehen wir davon aus, dass sich das Genehmigungsverfahren um rund ein Jahr verzögert», sagt Bernet. Das sei bei Vorhaben dieser Grösse nicht unüblich. «Dennoch ist es immer besser, wenn es zügig vorwärtsgeht, statt Unterbrüche gibt.»

Auf dem Klosterbrühl wird das Projekt «Gartengeschichten» der Zürcher Arbeitsgemeinschaft Galli Rudolf und Wülser Bechtel Architekten realisiert. Dieses ging aus einem Wettbewerb mit 36 Büros hervor und wird künftig Platz für um die 500 Bewohnern bieten. Herzstück der neuen Siedlung bilden vier grosszügige Gartenhöfe, die von verschiedenen vier- bis fünfgeschossigen Gebäuden umgeben sind.

Die 222 Wohneinheiten bestehen aus zweieinhalb bis fünfeinhalb Zimmer und sollen hauptsächlich Familien und Personen verschiedener Altersklassen ansprechen. «Wir streben eine Überbauung mit einem vielfältigen Wohnmix an, in der sich alle Generationen wohlfühlen», sagt Bernet.

Zudem lege «Lägern Wohnen» Wert darauf, dass das neue Quartier eine hohe städtebauliche Qualität, hochwertige Freiräume, autoarme Nutzung sowie einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen aufweist. «Mit dem Siegerprojekt ‹Gartengeschichten› haben wir eine sehr gute Lösung in der Hand, die auch die Lebensqualität im neuen Quartier erhöhen wird.»

In zwei Etappen bauen

Weist der Kanton die Beschwerde ab und genehmigt er den Gestaltungsplan, reicht «Lägern Wohnen» ein Baugesuch ein. Bei grünem Licht wird die neue Siedlung in zwei Etappen realisiert – aus Rücksicht gegenüber langjährigen Bewohnern, wie Bernet sagt. «Auf diese Weise können wir ihnen ein Dach über dem Kopf anbieten, wenn die alten Bauten abgerissen und die neuen Häuser gebaut werden.»

Diese Zwischenlösung komme «Lägern Wohnen» zwar teurer zu stehen, aber so müsse man keine Kündigungen aussprechen. Die Mieter, die erst kürzlich ins «Klosterbrühl» gezogen sind, hätten befristete Verträge. «So können sie selber entscheiden, ob sie vorübergehend eine andere Wohnung suchen möchten und nach den Bauarbeiten wieder in die Siedlung ziehen wollen», sagt Bernet.

Was die künftigen Mieten betrifft, fallen diese etwas höher aus. «Da wir aber auf die marktüblichen Mietzinsaufschläge bei Wiedervermietung verzichten, werden die Mietpreise unserer Wohnungen im Verlauf der Zeit um 10 bis 20 Prozent tiefer als der Markt liegen.»

Die Wohnbaugenossenschaft hofft, Anfang 2021 mit der ersten Etappe starten zu können.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1