Baden
Mehrere Einsprachen vom Tisch: Mieter ziehen aus den Geschäften bei der Blinddarm-Unterführung aus

Der Neubau des «Cachet-Hauses» in Baden ist einen wichtigen Schritt weiter: Mehrere Einsprachen sind vom Tisch.

Sabina Galbiati (Text und Foto)
Merken
Drucken
Teilen
Visiertes Verkaufsprovisorium vor der Blinddarm-Unterführung braucht es doch nicht.

Visiertes Verkaufsprovisorium vor der Blinddarm-Unterführung braucht es doch nicht.

Sabina Galbiati

Eigentlich hätte das «Cachet-Haus» im Mai vor einem Jahr abgebrochen und danach neu gebaut werden sollen. Verschiedene Einsprachen verzögerten jedoch das Vorhaben. Weil geplant ist, den Platz bei der Blinddarm-Unterführung zum Teil als Bauinstallationsplatz zu nutzen, hatten sich Mieter der dortigen Ladenflächen gewehrt.

Doch nun ist der Abbruch und Neubau des «Cachet-Hauses» samt geplanter Bushaltestelle im Erdgeschoss einen entscheidenden Schritt weiter: Die hängige Beschwerde beim Verwaltungsgericht ist vom Tisch. Die Mieter der Geschäfte bei der Blinddarm-Unterführung unterhalb des «Cachet-Hauses» hätten sich mit der Stadt als Vermieterin und den Bauherren «Miteigentümergemeinschaft Schlossberg» sowie dem Kanton als Bauherr der Bushaltestelle geeinigt.

Das Kleidergeschäft Cecil wird am 18. August seinen letzten Verkaufstag haben, der Büroartikelverkäufer Office World am 20. August. Die Mieter ziehen Ende August aus, bestätigt Manfred Schätti, Leiter der Abteilung Liegenschaften. Auf das angebotene Verkaufsprovisorium direkt vor der Unterführung hätten die Mieter verzichtet. Die «Visiere» vor dem Manor werden deshalb in den nächsten Tagen entfernt.

«Wir kehren Baden nicht den Rücken»

Alain Franz, Vertriebsleiter bei Office World, war an den Gesprächen mit der Stadt und der Bauherrschaft beteiligt und bestätigt: «Wir haben eine pragmatische Lösung gefunden – dies im Sinne des Bauprojekts.»

Denn dieses sei mit der geplanten Buslinie und -haltestelle ein wichtiges Bauvorhaben für die Stadt und den Verkehr. Zur Frage, warum man bis vor Verwaltungsgericht gegangen ist, möchte Alain Franz keine Auskunft geben. Ob Office World eine neue Filiale in Baden eröffnen wird, ist noch nicht klar. «Wir prüfen derzeit verschiedene Standorte, darunter auch Baden.»

Das Verkaufsprovisorium bei der Blinddarm-Unterführung sei für Office World keine Option gewesen. «Wir wussten, dass es bei der Bevölkerung auf keine grosse Gegenliebe stösst, und ohne Goodwill dieser Kunden wäre keine gute Basis für das Geschäft möglich gewesen.» Alain Franz versichert jedoch: «Wir kehren Baden nicht den Rücken und schliessen nicht aus, nach Abschluss der Bauarbeiten wieder ein Office World beim Schlossbergplatz zu eröffnen.» Am 20. August sei vorerst der letzte Verkaufstag.

Der Verzicht auf das Provisorium dürfte besonders die Quartiervereine Altstadt und Martinsberg sowie die IG Pro Velo Region Baden freuen. Sie hatten sich mit Einsprachen gegen ein Verkaufsprovisorium an dieser Stelle gewehrt.

Der Grund: Weil die Tunnelgarage für Fussgänger und Velofahrer wegen Umbauarbeiten gesperrt ist, nutzen insbesondere Schulkinder vermehrt die Blinddarm-Unterführung. Der Raum in der Unterführung sei ohnehin schon eng und das Provisorium würde die Sicherheit zusätzlich beeinträchtigen, weil es den Durchgang noch mehr verengt, argumentierten die Quartiervereine. Widerstand kam von Pro Velo Baden, weil durch das Provisorium massiv weniger Veloabstellplätze zur Verfügung gestanden hätten.

Beschwerde kam zu spät

Trotz der Einigung mit den Ladenmietern und dem Wegfall des Provisoriums ist nach wie vor unklar, wann das «Cachet-Haus» abgerissen werden kann. Sämtliche Beteiligte warten noch auf einen Bundesgerichtsentscheid: Die dortige Beschwerde betrifft den Neubau indirekt. So hatte Bernd Reichert stellvertretend für die Hauseigentümer am Hahnrainweg, dem sogenannten «Kriesi-Areal», mehrere Einsprachepunkte ins Feld geführt.

Er zog seine vom Stadtrat abgewiesene Beschwerde weiter zum Kanton. Doch dieser trat nicht auf Reicherts Beschwerde ein, weil sie zu spät eingereicht worden sein soll. Diesen Entscheid hat er, nach einer Abfuhr beim Verwaltungsgericht, beim Bundesgericht angefochten. Sollte es seine Beschwerde gutheissen, müsste der Kanton nochmals über die Bücher. Wann das Bundesgericht entscheidet, ist noch offen.

Sollte die Bushaltestelle im Erdgeschoss wegen der Bauverzögerung nicht bis zum Fahrplanwechsel 2017 in Betrieb gehen können, werden die betroffenen Busse vorerst weiterhin via Busrampe durch die Weite Gasse zum Schulhausplatz fahren.