Vorerst handelt es sich um ein Gesuch für einen Vorentscheid, das bei der Abteilung Planung und Bau der Stadt Baden zurzeit aufliegt. Damit möchten die Erbengemeinschaft Karl Züllig als Bauherrschaft und die Mitac Architekten AG erst einmal abklären, was auf diesem schmalen, lang gezogenen Grundstück entlang der Kantonsstrasse überhaupt möglich ist. Mathias Jäggi, verantwortlicher Architekt bei der Mitac AG, bestätigt diese Absicht.

Von den vier dem Abbruch geweihten Häusern präsentiert sich die Nummer 35, erbaut im 19. Jahrhundert, noch als stattlich und gut erhaltenes Gebäude. Hingegen seien die nachfolgenden Häuser in einem Zustand, der eine umfassende Sanierung erfordere, erklärt Jäggi. Die gesamte Häuserzeile ist im Verzeichnis der Inventarobjekte aus dem Jahr 1993 als «ortstypisch» bezeichnet, jedoch weder als schützens- noch erhaltenswert eingestuft worden. In der neu revidierten Bau- und Nutzungsordnung figurieren die vier Häuser in keiner besonderen Kategorie mehr. Damit hat man wahrscheinlich der städtebaulich unschönen Situation Rechnung tragen wollen.

Der Zeitpunkt für den Vorentscheid ist darum gut gewählt, weil die Revision der Bau- und Nutzungsordnung der Stadt Baden bis auf letzte Beschwerdeentscheide unter Dach und Fach ist. Mit dem Gesuch sollen nun die massgebenden Fragen geklärt werden, die sich punkto Grenzabstände, Lage, Freiräume, Höhe der beiden Mehrfamilienhäuser, Anzahl Park- oder Einstellplätze sowie Erschliessung an diesem schwierigen Ort stellen. Weil das Grundstück direkt an der Kantonsstrasse liegt, ist auch der Kanton ins Bewilligungsverfahren eingebunden.

Autoreduziert wird angestrebt

Die vier bestehenden Bauten würden abgebrochen und durch zwei Neubauten ersetzt. In den beiden Mehrfamilienhäusern sind insgesamt acht Dreieinhalb- und zehn Viereinhalb-Zimmer-Wohnungen geplant. Die Tiefgarage wird für 16 Parkplätze disponiert, drei weitere Plätze sind oberirdisch vorgesehen. Damit würde man von der neu geschaffenen Möglichkeit des «autoreduzierten Wohnens» Gebrauch machen. Jäggi erklärt: «Die zentrumsnahe Lage bietet sich dafür an.» Dafür sind grosszügige Veloabstellplätze bei beiden Wohnbauten vorgesehen. Laut Auskunft der Abteilung Planung und Bau wäre an diesem Ort neu sogar «autofreies Wohnen» möglich.

Die Mehrfamilienhäuser sind viergeschossig geplant mit einem zusätzlichen, zurückversetzten Attikageschoss. Es seien Mietwohnungen vorgesehen, die einem mittleren Wohnstandard gerecht werden sollen, sagt Jäggi. Die Lage an der viel befahrenen Kantonsstrasse macht den Lärmschutz zum Thema und lässt bei der Disposition der Wohnungen nicht viel Spielraum offen. «Grosszügige Fenster sollen die Bewohner aber mit einer schönen Aussicht auf die gegenüberliegende Lägern entschädigen», fügt der Architekt an. Die Anlagekosten werden mit insgesamt knapp 10 Millionen Franken beziffert. Ein Zeitplan für die Realisierung bestehe noch nicht, sagt Jäggi.

Eingeklemmt seit der Sanierung

Seit der grossen Verkehrssanierung am Schulhausplatz und dem Bau des neuen Eisenbahntunnels in den 60er Jahren ist die gesamte Gebäudezeile an der Zürcherstrasse zwischen dieser und der Neuenhoferstrasse eingeklemmt. Einzelne Hochbauten dazwischen zeigen zwar auf, dass die Stadtentwicklung in den vergangenen Jahrzehnten nicht haltgemacht hat. Das historisch gewachsene Vorstadtquartier zeichnet sich dennoch durch einen gewissen Charme aus, wenn auch am Kreuzliberg der Industriebetrieb der Ferro AG drohend darüber steht und an der engsten Stelle die direkt aus dem Tunnel kommende Bahn die beiden Strassen und auch das Quartier überquert. Dahinter befindet sich mit der Brunnmatt und dem Liebenfels der äussere Teil des sogenannten Kreuzlibergquartiers.