Gesundheitsschädlich
«Meine Pflicht, die Bewohner zu schützen»: Untersiggenthaler zeigt Kohlenmeiler-Betreiber an

Ein Gegner der Holzkohle-Herstellung hat seine Ankündigung wahr gemacht: Er will das Köhlerfest mit juristischen Mitteln verhindern. Nun äussert sich erstmals die Köhlerin zur Debatte.

Pirmin Kramer
Drucken
Teilen
Ein solcher Meiler zur Holzkohle-Produktion steht bald in Untersiggenthal.

Ein solcher Meiler zur Holzkohle-Produktion steht bald in Untersiggenthal.

Menge/ARCHIV

Neues zum geplanten Kohlenmeiler in Untersiggenthal: Der im Dorf wohnhafte Walter Burkhalter hat seine Ankündigung wahrgemacht und bei der Staatsanwaltschaft Baden eine Anzeige wegen eventualvorsätzlicher Tötung eingereicht.

Sie richtet sich gegen den Köhlerverein, der den Meiler zur Herstellung von Holzkohle im September betreiben wird, gegen die Verantwortlichen der Gemeinde, welche die Bewilligung erteilte, sowie gegen die Verantwortlichen des Kantons, die laut Burkhalter bei der Beurteilung der Sachlage falsche Grenzwerte verwenden und die Luftreinhalteverordnung nicht anwenden.

Burkhalter ist überzeugt, dass der Rauch, der bei der Herstellung der Holzkohle entstehe, giftig sei. Der Meiler stosse während der Herbsttage, in denen der Betrieb geplant ist, rund 1000 Mal mehr Kohlenmonoxid aus, als dies eine Ölheizung für ein Einfamilienhaus gerade dürfte. Je nach Windrichtung wehe der Rauch direkt ins Dorf, das sei beispielsweise vor fünf Jahren der Fall gewesen, als letztmals ein Meiler aufgestellt wurde.

«Vor allem herzkranke Menschen sind an Leib und Leben gefährdet. Und es ist meine Pflicht, die Bewohner des Dorfes zu schützen», sagt Burkhalter. Er hoffe, mit seiner Anzeige den Kohlenmeilerbetrieb noch verhindern zu können. «Es werden immer strengere Abgasvorschriften erlassen, im Falle des Kohlenmeilers drücken die Behörden aber beide Augen zu.»

Die Luftreinhalteverordnung des Bundes werde bei der Event-Köhlerei nicht eingehalten. «In unserer dicht besiedelten Gegend ist dies unverantwortlich.» Dani Hitz, Präsident des Köhlervereins, in dem das jahrhundertealte Handwerk ausgeübt wird, lässt die Anzeige kalt.

«Wie schon in der Vergangenheit haben wir die Bewilligung erhalten, und wir werden auch dieses Jahr wieder ein Fest im Wald durchführen, an dem das ganze Dorf grosse Freude hat. Ich würde meine Hand ins Feuer legen, dass der Kohlenmeiler gesundheitlich unbedenklich ist.» Es entstehe beim Verkohlungsprozess zwar Kohlenmonoxid, aber die Konzentration verringere sich sehr schnell. Auch beim Autofahren werde Kohlenmonoxid ausgestossen. «Folglich müsste Herr Burkhalter auch das Autofahren verbieten, wenn er einen Kohlenmeiler verbieten will.»

Köhlerin Doris Wicki, die den Untersiggenthaler Meiler betreiben wird: «Ich habe überhaupt keine gesundheitlichen Bedenken. Sonst würde ich das Handwerk nicht schon seit mehr als einem Jahrzehnt ausüben.» Die aktuelle Debatte beschäftige sie sehr. «Ich werde alles dafür tun, die Immissionen so gering wie möglich zu halten. Wenn der Wind in Richtung Dorf weht, stoppe ich die Luftzufuhr.» Sie wolle betonen, dass der Verkohlungsprozess nur rund eine Woche dauert und nicht drei Wochen, wie zum Teil behauptet worden sei.

Auf Füllihus und Holzrost ...
4 Bilder
... wird das Holzgerüst errichtet, ...
... mit Tannenästen bedeckt ...
... und mit «Löschi» dicht verschlossen.

Auf Füllihus und Holzrost ...

Bruno Kissling

Marlène Koller, Gemeindeammann von Untersiggenthal, äusserte sich bereits im Juli zu einer möglichen juristischen Auseinandersetzung. «Einer allfälligen Anzeige schauen wir sehr gelassen entgegen. Der Gemeinderat hat diverse Abklärungen getroffen und Vorsichtsmassnahmen ergriffen.» So habe er dem Köhlerverein zusätzliche Auflagen erteilt – so wird der Einsatz von vier Dosimeter-Messgeräten zur Kohlenmonoxid-Konzentration verlangt.

Aktuelle Nachrichten