Plaza-Workshop

«Mellingen als Lebensraum noch besser machen»: Umfahrung bringt Chance fürs historische Zentrum

Am ersten Plaza-Workshop zur Zukunft der Mellinger Altstadt brachte die Bevölkerung einen Strauss an Ideen ein. Gemeindeammann Bruno Gretener zeigte sich angetan.

Seit Jahrzehnten wird über eine Umfahrung für Mellingen debattiert und zeitweilig auch veritabel gestritten. Bereits in den 1970er-Jahren entstanden die ersten Projekte, um die Jahrtausendwende gab es ein neues Vorhaben. Im Januar 2008 erfolgte die Aufnahme in den kantonalen Richtplan, im November 2010 schien der grosse Durchbruch gelungen zu sein: Der Grosse Rat stimmte dem Millionenkredit zu, im Mai 2011 sagte auch das Aargauer Stimmvolk Ja. Trotzdem dauerte es noch bis in diesen Sommer, ehe Regierungsrat Stephan Attiger und Mellingens Gemeindeammann Bruno Gretener (beide FDP) den Spatenstich vollziehen konnte. 

Der Hauptgrund für die jahrelangen Verzögerungen waren die zahlreichen Einsprachen, unter anderem von VCS und WWF. «Eine über 20-jährige Leidensgeschichte», wie Gemeindeammann Bruno Gretener bei der Begrüssung zum Plaza-Workshop bemerkte.

Die neue Brücke soll die Altstadt von Mellingen entlasten.

Die neue Brücke soll die Altstadt von Mellingen entlasten.

Mittlerweile sieht man bereits deutlich, wo die neue Umfahrung die Reuss überqueren wird. Diese ist bitter nötig, denn heute quälen sich täglich rund 15'500 Fahrzeuge durch die beiden engen Tore der Altstadt. Oft muss ein Lastwagen auf die andere Fahrbahnseite wechseln, weil der Platz auf seiner Seite nicht reicht. Dann bricht regelmässig – wie jeden Morgen und Abend – der Verkehr fast vollends zusammen. Eine andere imposante Zahl: Rund 20 Busse quetschen sich durch die beiden Tore – jede Stunde.

Dies soll sich mit der Eröffnung der neuen Umfahrung ändern. Ziel ist es, den Durchgangsverkehr von Tor zu Tor auf 1500 Fahrzeuge pro Tag zu reduzieren. Dadurch soll, darf und muss sich die Altstadt und das gesamte Zentrum der 6000-Seelen-Gemeinde neu orientieren und präsentieren. Gemeinderat, Behörden und Bevölkerung haben jetzt die einmalige Chance, das Zentrum der Kleinstadt neu zu gestalten. Im Workshop galt es, den Puls der Einwohner zu spüren. Er fand – wegen Corona –  im zweiten Anlauf und unter erschwerten Bedingungen statt: Die zahlreichen Teilnehmer wurden in zwei Gruppen am Morgen und am Nachmittag aufgeteilt. Die Tische in der geräumigen Turnhalle Kleine Kreuzzelg standen weit auseinander. Es herrschte eine strikte Maskenpflicht.

«Mir wird Angst und Bange um den Steuerfuss»

Einige fragten sich, warum denn dieser Workshop jetzt stattfinden müsste? Auch wenn es nicht eilt, so ist trotzdem nun der richtige Zeitpunkt gekommen. Denn sobald die Umfahrung eröffnet ist, soll es in Mellingen selber mit den Bauarbeiten weitergehen. Damit der neugewonnene Freiraum im Sinne der Bevölkerung genutzt werden kann, wurde ein Mitwirkungsprozess gestartet, um zu erfahren, was sich die Einwohner vorstellen und wünschen.

So wurden in einem ersten Schritt alle möglichen Ideen, Vorschläge, Wünsche und vielleicht auch Utopien von jeder Gruppe auf einer Pinnwand festgehalten. «Mir wird angst und bange um den Steuerfuss», meinte Bruno Gretener scherzhaft, als er sich all die Ideen anschaute.

In zwei weiteren Schritten wurden die Ideen schon etwas konkretisiert und weitergedacht. All diese Vorschläge gehen jetzt in die Kommission, welche die Aufgabe hat, den bunten Strauss an Ideen zu sortieren und herauszukristallieren, wo der grösste Handlungsbedarf besteht. Und natürlich was sowohl technisch als auch finanziell realisierbar sein wird. «Ich bin überrascht und sehr erfreut, wie effizient und gut heute gearbeitet wurde», betonte Gretener abschliessend. Nachdem die Kommission alles sortiert und gebündelt hat, steht bereits im April der nächste Workshop auf dem Programm. «Es geht einfach darum, Mellingen als Lebensraum noch besser zu machen», brachte es der Gemeindeammann auf den Punkt.

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