MELLINGEN
Die ersehnte Umfahrung entsteht – und die nächsten Schritte werden bereits mit Hochdruck geplant

Die Umfahrung Mellingens bewegt nicht nur die Politik und den Verkehr, sondern auch die Bevölkerung. Die verschiedenen Kommissionen zur Mitwirkung von Altstadt und Zentrum erleben einen ungeahnten Ansturm.

Alexander Wagner
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Eine neue Brücke über die Reuss ist das Kernstück der Umfahrung für Mellingen. Dadurch soll die historische Altstadt massiv vom Durchgangsverkehr entlastet werden.

Eine neue Brücke über die Reuss ist das Kernstück der Umfahrung für Mellingen. Dadurch soll die historische Altstadt massiv vom Durchgangsverkehr entlastet werden.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Im Jahr 2000 wurde Bruno Gretener (FDP) in den Gemeinderat der kleinen Stadt an der Reuss gewählt – und seitdem beschäftigen ihn und die gesamte Bevölkerung die neueren Projekte, um die Altstadt endlich vom Verkehr zu entlasten.

«Die ersten Projekte habe ich in den 1990er-Jahren mitbekommen», erinnert sich der Gemeindeammann. Damals war noch eine Tunnellösung statt der Umfahrung vorgesehen. Dieses Projekt scheiterte aber auch am Widerstand der Anwohner und der Bevölkerung. Zudem war auch die Nachbargemeinde Wohlenschwil von der Verkehrsführung nicht begeistert.

Jahrzehnte vergingen bis zum ersehnten Spatenstich

«Im Nachgang betrachtet sind wir heute froh, denn das neue Projekt ist nur halb so teuer», betont Gretener. «Ich bin von Beginn weg beim neuen Projekt dabei, das uns seit 2000 beschäftigt», blickt er zurück. Trotzdem vergingen dann nochmals zwei Jahrzehnte, bis letzten Sommer endlich der Spatenstich zur Umfahrung erfolgte.

Jetzt geht es zügig voran – auf allen Stufen, sowohl bautechnisch als auch planungsmässig – und nicht zuletzt emotional: «Das ist eine Riesengeschichte», betont der erfahrene Politiker, der auch im Grossen Rat sitzt. «Das ist eine einmalige Chance», sagt der 54-Jährige.

Das Interesse der Bevölkerung ist enorm

Und dies sieht auch die Bevölkerung von Mellingen so. Bereits der Andrang zum ersten Workshop zur Mitwirkung an der Umgestaltung des Städtchens war enorm. Jetzt wurden im Rahmen des Projektes «Plaza» zwei Arbeitsgruppen eingesetzt.

Für Mellingens Ammann Bruno Gretener ist die Umfahrung eine «Riesengeschichte».

Für Mellingens Ammann Bruno Gretener ist die Umfahrung eine «Riesengeschichte».

Alexander Wagner

Die Behörden waren sich nicht sicher, ob sich überhaupt genügend Personen für die Mitarbeit anmelden und wie das Interesse in der Bevölkerung gesamthaft ist. «Es wird sehr wohl wahrgenommen. Die Bevölkerung hat darauf gewartet und ist froh, dass es losgegangen ist», ist Gretener überzeugt und sagt:

«Die Bevölkerung will die Veränderungen in Angriff nehmen.»

Der Zeitplan ist ambitioniert: Gleich nach der Eröffnung der neuen Umfahrung soll die Umgestaltung von Altstadt und Zentrum beginnen. Nach dem Motto: Am Morgen die offizielle Einweihung der Umfahrung, am Nachmittag der Spatenstich als Startschuss für die Bauarbeiten in der Altstadt.

Viel mehr Anmeldungen als Plätze

Für die Arbeitsgruppe Hauptgasse wurden jetzt unter den zahlreichen Interessenten fünf Bürger ausgewählt. Zudem sind der Planer Simon Buchmann und die Bauverwaltung Mellingens dabei. Geführt wird die Arbeitsgruppe vom Gemeindeammann selbst.

In der zweiten Arbeitsgruppe zum öffentlichen Verkehr sind acht Bürger aus Mellingen dabei, zudem zwei Fachplaner des Kantons sowie ein Vertreter von Postauto. Diese etwas grössere Gruppe wird von Gemeindeschreiber Beat Deubelbeiss geleitet.

Zudem gibt es noch eine Begleitgruppe Bahnhofstrasse. Das Projekt «K268 Bahnhofstasse» untersteht jedoch der Leitung des Kantons. Deshalb ist ein Einbezug in den Planungsprozess nur in beschränktem Umfang möglich.

Mit Hochdruck an die Arbeit

Diese Arbeitsgruppen machen sich jetzt mit Hochdruck an die Arbeit, bereits am 1. Mai findet der nächste Workshop mit der Beteiligung der gesamten Bevölkerung statt. Und Ideen gibt es viele, das hat bereits der erste Workshop gezeigt. Jetzt müssen diese sortiert werden und es soll sich herauskristallisieren, was überhaupt realisierbar ist. Sowohl baulich als auch finanziell, sowie mit den vorgegebenen Rahmenbedingungen.

Zur Zeit ist die Hauptgasse in Mellingen noch stark befahren.

Zur Zeit ist die Hauptgasse in Mellingen noch stark befahren.

Chris Iseli / BAD

«Wir können das Zentrum neu denken, entlasten und neu gestalten», erhofft sich der Gemeindeammann genauso wie die Bevölkerung. Im Moment quälen sich noch immer täglich über 15'000 Autos durch die beiden Tore der Hauptgasse. Nach der Eröffnung der Umfahrung sollen es noch rund 1500 Durchfahrten pro Tag sein.

Kredite an der Sommergmeind 2022

«Wir können das Städtli herausputzen, damit man wieder gern unterwegs ist und flanieren kann», umreisst es Gretener. Und es soll zügig vorangehen: «Wenn definitive Projekte vorliegen, möchten wir an der Sommergemeinde 2022 die nötigen Kredite sprechen», sagt Gretener.