Mellingen
Die Region wird zur Hochburg einer neuen Sportart: «Padel ist mehr als nur ein Hype»

Die Padel-Equipe des TC Mellingen ist am Wochenende Schweizer Meister geworden. Und das nur ein Jahr nach der Gründung der Padelabteilung im Verein. Wie ist das möglich?

Fabio Baranzini
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Das Siegerteam (v.l.): Slobodan Mavrenski, Stephan Kyburz, Muhamed Fetov, Kevin Jordi, Ibrahim Fetov, Patrik Burkhart, Noah Bircher und Pascal Burkhart.

Das Siegerteam (v.l.): Slobodan Mavrenski, Stephan Kyburz, Muhamed Fetov, Kevin Jordi, Ibrahim Fetov, Patrik Burkhart, Noah Bircher und Pascal Burkhart.

Bild: zvg

Das Spielfeld sieht aus wie ein kleiner Tennisplatz, umgeben von Scheiben und Gittern. Gespielt wird mit einem Ball, der ein wenig leichter ist als ein Tennisball, und mit Rackets. Gespielt wird ausschliesslich im Doppel, die Zählweise ist identisch mit dem Tennis. Die Wände kann man im Spiel jedoch miteinbeziehen – wie im Squash. Das ist also die neue Sportart Padel. Eine Mischung aus Squash und Tennis, in den 60er-Jahren in Südamerika erfunden und jetzt auch in der Schweiz angekommen.

Im vergangenen Jahr hat der Tennisclub Mellingen 120000 Franken in die Hand genommen und auf seiner Anlage einen topmodernen Padelplatz gebaut. Ein Investment, das sich bereits ausbezahlt hat: Ein Jahr später weiss der Verein 60 Padelspielerinnen und Padelspieler in seinen Reihen. «Wir haben unseren Platz zur richtigen Zeit gebaut», sagt Michael Wächter, der im TC Mellingen für den Padelsport verantwortlich ist. «In der Region gab es etliche Spielerinnen und Spieler, die händeringend nach einem Platz suchten, damit sie nicht mehr nach Zürich fahren müssen».

Unter den Spielern, die im vergangenen Jahr nach Mellingen kamen, waren gleich mehrere Padelpioniere, die den Sport seit fast 15 Jahren ausüben. Das sind unter anderem die Gebrüder Pascal und Patrik Burkhart, Stephan Kyburz, Slobodan Mavrenski und Muhamed Fetov. Sie haben die Schweiz schon an etlichen internationalen Grossanlässen vertreten und gehören noch immer zur nationalen Spitze. Gemeinsam mit Ibrahim Fetov, dem Tennis- und Padeltrainer des TC Mellingen, sowie Noah Bircher und Kevin Jordi bildeten sie in diesem Jahr die Padel Interclub-Mannschaft des TC Mellingen.

Grosse Wende im Halbfinal an der Meisterschaft

Nach drei Siegen qualifizierte sich die Equipe als eines der zwei besten Teams der Deutschschweiz für das Finalturnier vom vergangenen Wochenende in Pratteln. Dort duellierten sie sich mit den Westschweizer Vertretern aus Genf und Marin. Gegen die Genfer standen die Mellinger im Halbfinal kurz vor dem Aus. Nach den ersten beiden Partien hiess es 1:1. Das dritte Doppel musste also die Entscheidung bringen. Und dort lagen die Mellinger im Entscheidungssatz auf 10 Punkte mit 7:9 im Hintertreffen.

Stephan Kyburz und Muhamed Fetov wehrten die beiden Matchbälle jedoch ab und drehten die Partie dank vier Punktgewinnen in Folge. Damit erreichten die Mellinger das Endspiel, wo sie gegen Marin mit 3:0 gewinnen konnten und den Schweizer Meistertitel in den Aargau holten.

Vier weitere Padelplätze sollen entstehen

Ein Schweizer Meistertitel und 60 Mitglieder nach einem Jahr – wie soll die Padelgeschichte im TC Mellingen weitergehen? «Wir sind überzeugt: Padel ist viel mehr als nur ein Hype», sagt Wächter. «Der Sport hat gerade in unserer Region enorm viel Potenzial.» Das grosse Plus im Vergleich zum Tennis sei, dass jedermann nach einer Viertelstunde die Regeln kenne und Spass habe. «Das sehen wir an unseren Schnupperabenden», sagt Wächter. Er organisiert in Mellingen nicht nur Schnupperabende, sondern auch Feierabendturniere, Clubmeisterschaften und Padeltrainings.

Michael Wächter (r.), Padelverantwortlicher des TC Mellingen, bei einem Spiel im vergangenen Sommer.

Michael Wächter (r.), Padelverantwortlicher des TC Mellingen, bei einem Spiel im vergangenen Sommer.

Archivbild: Fabio Baranzini

Ein weiteres Indiz dafür, dass der Padelsport in der Region im Kommen ist, zeigt das neuste Projekt des «Bareggcenter Baden» in Dättwil. Bis im Mai bauen die Inhaber und Padelspieler Patrik Burkhardt und Stephan Kyburz vier Indoor-Padelplätze. Dafür müssen zwei Tennisplätze weichen. Und das obwohl im Aargau immer mehr Hallen-Tennisplätze verschwinden. Die Region Baden wird damit zu einem neuen Hotspot für das Padelspiel.

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