Mellingen
Kinderzirkus Arabas hat sein Zelt im Städtchen an der Reuss aufgeschlagen – und erhält eine neue Leitung

37 Kinder und Jugendliche treten im Zirkus Arabas rund einen Monat lang in Mellingen auf – zum ersten Mal überhaupt. Das ist nicht die einzige Neuerung.

Alexander Wagner
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Zwischen 8 und 20 Jahre alt sind die fast 40 Kinder und Jugendlichen, die im «Cirque Jeunesse Arabas» auftreten.

Zwischen 8 und 20 Jahre alt sind die fast 40 Kinder und Jugendlichen, die im «Cirque Jeunesse Arabas» auftreten.

Alexander Wagner

Gleich unterhalb des Bahnhofs Heitersberg steht neuerdings ein Zirkuszelt, wo sonst zuvor noch nie ein Zirkus gastierte. Der Kinderzirkus «Cirque Jeunesse Arabas» hat erstmals im Städtchen an der Reuss seine Zelte aufgeschlagen. Zuvor war er lange in Bremgarten und 17 Jahre in Zufikon zu Hause.

Doch damit nicht genug der Neuerungen: Martin Indlekofer hat vor 25 Jahren zusammen mit seinen Mitstreitern den Kinderzirkus gegründet und stand ihm als Vereinspräsident, Troubleshooter und Zirkusdirektor vor. Jetzt reicht er den Zylinder weiter an Nina Hegnauer und Joël Demierre:

Der Zirkusdirektor Martin Indlekofer (links) hat den Hut an Nina Hegnauer und Joël Demierre weitergegeben.

Der Zirkusdirektor Martin Indlekofer (links) hat den Hut an Nina Hegnauer und Joël Demierre weitergegeben.

Alexander Wagner

Indlekofer ist ein ausdauernder Mensch: Seit 33 Jahren unterrichtet er als Primarlehrer in Bremgarten und seit einem Vierteljahrhundert ist er beim Kinderzirkus Arabas engagiert. Doch damit soll jetzt Schluss sein: «Das Ziel war es, die Leitung an ehemalige Kinder des Zirkus weiterzugeben. Das ist jetzt eine gute Gelegenheit», ist er überzeugt.

Die 21-jährige Nina Hegnauer war lange Jahre als Artistin dabei, der 19-jährige Joël Demierre tritt diesmal noch selbst bei mehreren Nummern auf. «Die beiden kennen sich schon lange, verstehen sich gut und kennen den Zirkus von Innen her. Das ist ein absoluter Glücksfall», freut er sich.

Co-Zirkusdirektor tritt diesmal noch in Manege auf

Demierre aus Eggenwil hat soeben seine Lehre als Schreiner abgeschlossen. Für ihn stehen in dieser Spielzeit, die am Freitag mit der erfolgreichen Premiere begann und am 5. September endet, nochmals seine eigenen Auftritte in der Manege im Vordergrund. Es werden seine letzten als Jongleur oder als Akrobat sein.

Zirkusdirektor Martin Indlekofer (Mitte) gibt den Zylinder weiter an Joël Demierre und Nina Heggnauer.
10 Bilder
Nina Heggnauer und Joël Demierre bei der Premiere am vergangenen Freitag.
Impressionen von der Premiere.
Impressionen von der Premiere.
Impressionen von der Premiere.
Der neue Direktor Demierre tritt noch selber als Artist auf.
Impressionen von der Premiere.
Impressionen von der Premiere.
Leuchtende Kinderaugen. Bei den Artisten und im Publikum.
Noch-Zirkusdirektor Martin Indlekofer.

Zirkusdirektor Martin Indlekofer (Mitte) gibt den Zylinder weiter an Joël Demierre und Nina Heggnauer.

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Hegnauer ist aus Fislisbach und hat damit in Mellingen fast ein Heimspiel. «Bei mir rattert es schon im Kopf», gibt die angehende Lehrerin lachend zu. Beide freuen sich auf die neue Aufgabe. «Aber wir haben auch grossen Respekt vor der Verantwortung», geben sie zu. «Man muss an alles denken, jedes Detail erledigen oder koordinieren. Und es ist doch nur ein Hobby», ergänzt Demierre.

Fast 100 Personen vor und hinter dem Vorhang im Einsatz

Dieses Jahr sind 37 Kinder im Alter von acht bis 20 Jahren dabei. Hinzu kommen knapp 60 Leute, die im Hintergrund anpacken. Sei es beim Aufbau des Zeltes, am Buffet, mit der Lichtführung, der Beschallung oder wo es sonst noch helfende Hände braucht. «Wir sind ein Familienzirkus», betonen alle. Oft sind mehrere Kinder aus der gleichen Familie dabei, oft sind die Eltern involviert. Auch der neue Co-Zirkusdirektor Demierre kam über seinen Bruder zu Arabas.

Das Zelt bietet 284 Gästen Platz. Vergangenes Jahr ist die ganze Saison ausgefallen. Diesmal können die zirkusbegeisterten wenigstens zwei Drittel des Zeltes füllen. Deshalb hoffen sie, dass sie zumindest die Kosten decken können. Der Zirkus ist aber für fast alle ein Ganzjahresbetrieb und nicht nur ein dominierendes Thema während den Vorstellungen. Nach der einmonatigen Saison gibt es eine kurze Pause, nach den Herbstferien beginnen bereits wieder die Vorbereitungen und Proben für die neue Spielzeit. Dann unter der Leitung von Hegnauer und Demierre.

Und vielleicht gibt es für Indlekofer dann auch mal Sommerferien, das hatte er im letzten Vierteljahrhundert nie. Diese Zeit hat er stets im Zirkuszelt verbracht. «Den Zylinder des Zirkusdirektors muss ich dann halt zweiteilen», meint der abtretende Direktor Indlekofer vor der Premiere lachend. Aber wie es sich im Zirkus gehört, «zaubert» er aus dem Zylinder dann doch noch einen zweiten für seine beiden jungen Nachfolger hervor.

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