Mellingen
Ludothek-Leiterin sucht nach acht Jahren Nachfolge: «Die Spielwarenverleih liegt mir am Herzen»

Über 900 Spiele und Kundschaft aus dem ganzen Reusstal – das war nicht immer so: Doris Roth führte den gemeinnützigen Spielwarenverleih durch schwierige Zeiten. Mit viel Leidenschaft und der richtigen Portion Unternehmerdenken.

Rahel Künzler
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Doris Roth mit dem Piratenschiff, einem beliebten Playmobil-Set. Dieses lädt Kleinkinder zu kreativen Rollenspielen ein.

Doris Roth mit dem Piratenschiff, einem beliebten Playmobil-Set. Dieses lädt Kleinkinder zu kreativen Rollenspielen ein.

Britta Gut

Seit 25 Jahren gibt es die Ludothek in Mellingen, gut versteckt im Zivilschutzraum vom Oberstufenschulhaus Kleine Kreuzzelg. 936 Spiele auf 110 Quadratmetern: Nicht nur Brettspielklassiker, auch Kugelbahn, Pedalo, Webrahmen, Flipperkasten und eine Hotdog-Maschine für Kindergeburtstage gehören zum Sortiment. Ludothek-Leiterin Doris Roth sagt:

«Ein Dauerrenner ist das Hüpfspiel Flotti Karotti. Viele kennen es aus dem Kindergarten.»

Auch «Pictures», das Spiel des Jahres 2020, sei fast immer vergriffen.

Am meisten werde der gemeinnützige Spielwarenverleih von Familien mit Kleinkindern besucht, so Roth. Auf der Suche nach einem Brettspiel für ihre Enkelkinder würden auch Senioren vorbeischauen. Die Kundschaft komme nicht nur aus dem Städli selbst, sondern auch aus den umliegenden Gemeinden im Reusstal. Dass die Ludothek neu auch in den Ferien öffne, werde sehr geschätzt. «Mit der Pandemie verbringen mehr Familien ihre Ferien zu Hause und suchen nach Angeboten in der Umgebung», sagt die Mellingerin.

Eine Wand voll mit Gesellschaftsspielen, Carambole, Riesen-Federball, diverse Fahrzeuge oder ein Feen-Kleid: Die Auswahl ist gross.

Eine Wand voll mit Gesellschaftsspielen, Carambole, Riesen-Federball, diverse Fahrzeuge oder ein Feen-Kleid: Die Auswahl ist gross.

Britta Gut

Mit Verkäufer-Gen Ludothek aus der Patsche geholfen

Roth übernahm die Leitung vor fast acht Jahren. Sie besuchte die Ludothek mit ihren beiden Kindern im Primarschulalter, fing als Ausleihhilfe an. Mit nur noch 48 aktiven Abos habe der Umsatz damals, 2013, einen Tiefpunkt erreicht. Die zweifache Mutter sagt:

«Wir stellten uns die Frage, ob sich das alles überhaupt noch lohnt.»

Ohne lange zu zögern, habe sie sich für die Leitung gemeldet. «Der Laden hat das Verkäufer-Gen in mir geweckt», sagt Roth, die im Teilpensum an der Wirtschaftsschule in Baden unterrichtet. Die gross angelegte Sponsorensuche, der Finanzierungsantrag bei der Gemeinde sowie Werbeaktionen in Schulen hätten die Wende gebracht. Geldsorgen seien aber immer wieder ein Thema.

Unzählige Stunden hat die 47-Jährige in die Ludothek investiert. Vielleicht auch ein paar mehr als nötig. Sie sei eben pingelig. Roth sagt:

«Die Ludothek liegt mir am Herzen.»

Der grosse Einsatz sei nur möglich, weil sie nicht aufs Geld angewiesen ist. Auf das Schuljahr 2022/2023 möchte sie die Leitung abgeben. Dann hätte sie endlich wieder Zeit, Klarinette zu spielen. Ihr Wunsch: «Es wäre schön, wenn meine Nachfolge neue Ideen mitbringt und das Projekt nicht einschlafen lässt.»

Mehr als ein Sackgeld liegt nicht drin

Ganz nach diesem Motto blieben Roth und ihr Team auch während des Lockdowns im Frühjahr 2020 nicht untätig. Die Zwangsschliessung nutzten sie, um ein neues Abosystem zu entwickeln. Statt zusätzlich zum Mitgliederbeitrag für jedes Spiel eine Ausleihgebühr zu zahlen, gibt es nun zwei Jahresabos. Das Maxi-Abo mit maximal sieben Spielen pro Ausleihe kostet 90 Franken, das Mini-Abo mit vier Spielen 40 Franken. Die Spielsachen auch für Familien mit kleinem Budget erschwinglich zu machen, funktioniere nur mit Zuschüssen der Trägerschaft «Gemeinnütziger Verein Mellingen» und der Gemeinde. «Es wäre schön, wenn ich meinem Team mehr als ein kleines Sackgeld zahlen könnte», so Roth. Dies sei jedoch utopisch.

Die Ludothek ist zu den normalen Zeiten geöffnet – mit Schutzkonzept. Nur zwei Familien dürfen sie gleichzeitig besuchen.
6 Bilder
Eine Wandcollage bringt Farbe in den Kellerraum. Wer findet Nemo?
Tageslicht gibt es im Zivilschutzraum des Oberstufenschulhauses keines.
Ob Spiderman, Fee oder Leopard: Die Verkleidungsmöglichkeiten sind gross.
Mit grossen Kugeln eignet sich diese Kugelbahn für Kinder ab drei Jahren.
Zwei Ausleihhilfen unterstützen Doris Roth (rechts) bei der Arbeit.

Die Ludothek ist zu den normalen Zeiten geöffnet – mit Schutzkonzept. Nur zwei Familien dürfen sie gleichzeitig besuchen.

Britta Gut