Mellingen
«Nicht auf Brautschau»: Der Gemeinderat gibt sich zurückhaltend beim Thema Fusionen.

«Wir sind alleine gross genug», sagt Mellingens Ammann Bruno Gretener zum Thema Fusionen. Zu Gesprächen und Sondierungen sei man zwar bereit, aber der Anstoss müsse von Ausserhalb kommen. Aus Tägerig, einem möglichen Kandidaten, ist aber noch nichts zu hören.

Alexander Wagner
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Kein «Fusionsturbo»: Mellingens Ammann Bruno Gretener.

Kein «Fusionsturbo»: Mellingens Ammann Bruno Gretener.

Alexander Wagner

Am 27. Februar 2020 wurde an der Gemeindeversammlung in Tägerig der Antrag gestellt, der Gemeinderat habe aufgrund der angespannten finanziellen Lage Abklärungen zum Thema Fusion zu treffen. Nach einem Jahr liegt der Bevölkerung von Tägerig nun ein Fragebogen mit elf Fragen vor. Die naheliegendste «Braut» wurde aber noch nicht angefragt. Mellingen hat bis heute nichts von Tägerig gehört.

Bereit - aber nur bei einer offiziellen Anfrage

«Der Gemeinderat Mellingen ist offen für Gespräche bezüglich einer vertieften Zusammenarbeit oder auch bis hin zu einer Fusion mit einer Nachbargemeinde», teilte der Gemeinderat nach seiner letzten Sitzung schriftlich mit. Entscheidend ist aber noch der Zusatz: «Sofern eine entsprechende offizielle Anfrage vorliegt. Grundbedingung dafür ist jedoch, dass der Anstoss zur Aufnahme von Gesprächen von der Nachbargemeinde kommt», betont der Gemeinderat. Und dies ist bis jetzt nicht geschehen.

Tägerig will derweil abwarten, was die Auswertung der Fragebogen ergibt. «Das gibt uns die Gelegenheit, auszuloten, was die Stimmbürger wünschen», sagte Ammann Beat Nietlispach Ende Januar. Er macht aber keinen Hehl daraus, dass er eine Fusion nicht befürwortet.

Mellingens Prioritäten liegen woanders

Mellingen hat im Moment ohnehin andere Prioritäten. Es stehen grosse und spannende, mit der Umfahrung gar einmalige Projekte auf der langen Traktandenliste: Die neue Schulanlage, Sanierung Hallenbad, Ausbau und Sanierung ARA, Trinkwasserversorgung und eben die Frage, wie die Hauptgasse und die gesamte Altstadt nach der Eröffnung der Umfahrung gestaltet werden sollen.

«Es stehen in den nächsten vier bis fünf Jahren grosse Projekte an, die entsprechende ­finanzielle und personelle Ressourcen benötigen. Deshalb würde der Gemeinderat Mellingen zurzeit eher zurückhaltend auf eine entsprechende Anfrage zur Aufnahme von Fusionsgesprächen reagieren», hält der Gemeinderat fest.

Mellingens Gemeindeschreiber Beat Deubelbeiss weiss genau, was es bedeutet, eine Fusion zu begleiten, hat er doch im Kanton Zürich und im Aargau dies jeweils einmal durchexerziert.

«Mellingen wird nicht der Treiber für eine Fusion sein»

Mellingen ist nicht grundsätzlich gegen eine Fusion. «Ob und wann ein Fusionsprozess gestartet werden sollte, müsste in seriösen Vorgesprächen ausgelotet werden», hält der Gemeinderat fest. «Doch solange wir nichts Offizielles hören, stellt sich diese Frage nicht und es ist kein Thema für uns», präzisiert Gemeindeammann Bruno Gretener (FDP).

Bekanntlich dauert eine Fusion von der Anfrage oder den ersten Gesprächen bis zum möglichen Zusammenschluss zweier oder gar mehrerer Gemeinden in aller Regel vier bis fünf Jahre. Genau die Zeitspanne, in welcher die Gemeinde Mellingen sonst schon alle Hände voll zu tun haben wird. Oder wie es Gemeindeammann und Grossrat Gretener ausdrückt: «Wir sind alleine gross genug. Mellingen wird sicherlich nicht der Treiber für eine Fusion sein.»

Projekt Modellstadt: Abwarten

Beim Projekt «Modellstadt» ist Mellingen auch dabei. Doch auch hier wird Mellingen nicht der Fusionsturbo sein: «Da sollen die Entscheidungsgrundlagen erarbeitet werden.» Es soll sich zeigen, ob in weiteren Bereichen zusammengearbeitet werden kann oder ob es bei der bereits bestehenden Zusammenarbeit noch Optimierungspotenzial gibt.

Man darf gespannt sein, ob in den nächsten Wochen mal eine Anfrage aus Tägerig oder gar einer anderen Nachbargemeinde in das Städtli an der Reuss kommt. Von Mellingen aus wird in dieser Hinsicht keine Initiative zu erwarten sein.