Mellingen
Mellingen: Städtchen will sich mit Glas vernetzen

An der Gemeindeversammlung wurden digitale Perspektiven präsentiert. «Eine attraktive Gemeinde muss ihren Einwohnern auch gute Datenverbindungen anbieten», sagte Gemeinderat Werner Stoller.

Dieter Minder
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Die Gemeinde kauft das Haus mit den roten Läden.(DM)

Die Gemeinde kauft das Haus mit den roten Läden.(DM)

Er stellte die Idee des Gemeinderates vor, in Mellingen ein Glasfasernetz zu bauen. «Das Datenvolumen wird in den nächsten Jahren sehr stark zunehmen», prognostizierte Stoller. Die grossen Netzanbieter wie Swisscom und Cablecom würden sich auf die grossen Städte konzentrieren: «Deshalb müssen wir die Sache selber an die Hand nehmen.» Ein Glasfasernetz sei eine grosse Chance. Den Grundsatzentscheid sollen die Mellingerinnen und Mellinger an der Gemeindeversammlung im November fällen. Sollten sie ja sagen, wird der Gemeinderat sie noch am selben Abend über einen ersten Kredit entscheiden lassen. Als Pilotprojekt für das kommunale Glasfasernetz sieht er die Siedlung Neugrüen. Die an der Strasse in Richtung Wohlenschwil geplante Überbauung umfasst rund 200 Wohnungen. «Der Bauherr ist sehr interessiert», sagte Stoller.

Netz soll für alle offen sein

Das Netz soll, so die Idee der Arbeitsgruppe um Stoller, allen Interessenten für die Datenübermittlung zur Verfügung gestellt werden. Der Gemeinderat rechnet mit einer Bauzeit von rund 15 Jahren und Kosten von rund 6,5 Millionen Franken. Das Netz soll mit Anschlussgebühren und der Vermietung der Leitungen finanziert werden. Stoller wies auch auf die Risiken hin. Falls der Bedarf an Breitbandtechnologie weniger stark steigt als prognostiziert, werden die Einnahmen geringer sein. Das Glasfasernetz soll als Eigenwirtschaftsbetrieb geführt werden. Offen ist, ob diese dazu bereit sind oder lieber Parallelnetze erstellen. Vorbild für ein eigenes Netz ist den Mellingern die Gemeinde Fislisbach. Dort ist das Elektrizitätswerk daran, ein Glasfasernetz aufzubauen.

Die Wetterlage am Versammlungsabend bezeichnete Gemeinderat Werner Stoller als Sinnbild für die Lage in Europa. Über Mellingen braute sich ein Unwetter zusammen. «Dafür kann ich Ihnen Positives über die Rechnung 2011 berichten», führte Stoller weiter aus. Sie schliesst bei einem Umsatz von 26 Millionen mit einem Überschuss von 1,42 Millionen Franken. Der Überschuss wurde dem Eigenkapital zugewiesen. Dank der guten Finanzlage konnten die Schulden auf Ende 2011 um 2,3 Millionen Franken auf 8,3 Millionen Franken abgebaut werden. «Seither konnten wir sie auf 6,3 Millionen Franken reduzieren», sagte Stoller.

Nachbarhaus wird gekauft

«Aus strategischen Überlegungen ist es richtig, die Liegenschaft zu kaufen», sagte Gemeindeammann Bruno Gretner, zu den Kreditanträgen über 150000 und 480000 Franken. Eigentümer Hugo Buchmüller hat der Gemeinde seine neben dem Rathaus stehenden Gebäude angeboten. Je nach Bedarf könnten dort weitere Verwaltungsbüros eingerichtet werden. «Denkbar wäre, dass dort einmal der Sozialdienst oder das Zivilstandsamt untergebracht werden», sagte Gretener. Vorerst sollen die bestehenden Mietverträge weiter geführt werden. Der Kauf soll innerhalb der nächsten 5 Jahre abgewickelt werden.

An der Bahnhofstrasse erstellt die Gemeinde ein neues Schulhaus. Zurzeit wird projektiert, sodass der Gemeindeversammlung im November der Baukredit unterbreitet werden kann. Gemeindeammann Gretener kündigte noch Zusatzkredite an. Einerseits für die Heizung und anderseits für das Abwassertrennsystem.