Die parteilose Maria Giovanna Suter-Spagnuolo hat es geschafft: Mit 309 Stimmen erreichte sie gestern das Absolute Mehr (282 Stimmen) und wird Nachfolgerin der abtretenden Gemeinderätin Daniela Koller (parteilos). «Ich freue mich immens über meine Wahl», sagte Suter gestern kurz nach Bekanntgabe der Wahlresultate. «Vor lauter Freude musste ich ein paar Tränen wegtrocknen und ich hatte Gänsehaut», erzählte die 53-Jährige, während sie zu Hause gerade ihre Wahlfeier vorbereitete. «Champagner, Weisswein, Fleisch- und Käseplatte, Früchte, Süsses, Salziges: Heute tische ich alles auf», sagte sie und lachte.

Giovanna Suter – «das Maria lassen wir immer weg» – hatte kein einfaches Spiel in Mellingen: Erst nachdem bekannt wurde, dass sich innert Anmeldefrist kein Kandidat für die Ersatzwahl eines Gemeinderatsmitglieds gemeldet hatte, trat die parteilose Suter aufs Politparkett. «Als ich in der az las, dass sich kein Kandidat gemeldet hatte, fühlte ich mich angesprochen», sagte die zweifache Mutter Anfang September.


Das Problem: Wegen der abgelaufenen Meldefrist stand ihr Name nicht auf den Wahlzetteln. Dies spiegelt sich nun auch in den Resultaten. Von insgesamt 1027 eingelegten gültigen Wahlzetteln blieben 441 leer. Bei einer Wahlbeteiligung von 34,3 Prozent waren 563 Stimmen gültig. Davon entfielen 229 auf vereinzelte Personen. Obwohl Roger Fessler (SVP) im Vorfeld betonte, er werde nicht antreten, erhielt er 25 Stimmen.

Tatkräftige FDP-Unterstützung
Suter, die beim Kanton im Departement Volkswirtschaft und Inneres arbeitet, wagte nicht zu glauben, dass es gleich im ersten Wahlgang klappen würde. «Meine Ausgangslage war ja nicht einfach», gab sie zu bedenken. Allerdings erhielt sie bei ihrem Wahlkampf tatkräftige Unterstützung von der FDP Mellingen. Die Frischgewählte steht den Liberalen nahe, wie sie selber betont.

So wird das künftige Gemeinderatsgremium ein FDP-dominiertes sein. Mit Gemeindeammann Bruno Gretener und Gemeinderätin Mirjam Egloff hält die Partei bereits zwei Sitze. Die übrigen Sitze verteilen sich auf René Furter (SVP) und Werner Stoller (parteilos). Suter will derzeit noch offenlassen, ob sie der FDP beitreten wird.


Obwohl ihr Herz für die Liberalen schlägt, zeigt sie sich offen gegenüber den anderen Ortsparteien. «Ich stehe mit SVP, CVP und SP in Kontakt und werde mich mit ihnen zu Gesprächen treffen».


Sie habe sich gefreut, dass auch SP-Ortsparteipräsident Joris Egger gratulierte. «Er hat mir eine Mail geschrieben», sagte sie. Suter wird zwar erst ab Januar an den Gemeinderatsitzungen teilnehmen. Dennoch ist sie voller Tatendrang: «Ich werde mit meiner Vorgängerin Kontakt aufnehmen, damit ich mich in der verbleibenden Zeit bereits einlesen kann.»