Baden
Mentoren kümmern sich in Baden um Mentees

Freiwillige erleichtern in Baden zugezogenen Kindern und Jugendlichen die Integration in der Schweiz. Konflikte hat es dabei bisher noch nie gegeben. Kommunikationsprobleme können dennoch immer auftreten.

Yvonne Lichtsteiner
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Mentorin Annabelle mit Mentee Sawen

Mentorin Annabelle mit Mentee Sawen

«Dreh noch einmal, aber dieses Mal viel schneller», jauchzt Sawen laut. Annabelle Marques greift die dicken Seile an der Schaukel, schiebt an und lacht mit ihr. «Jetzt will ich das da drüben ausprobieren», sagt Sawen und rennt zu einem hölzernen Klettergerüst. Der Boden beim Spielplatz in Baden ist kalt, doch das ist Sawen egal. «Es macht so viel Spass», sagt sie und lacht.

Vor vier Jahren ist die 11-Jährige mit ihren Eltern und ihrem älteren Bruder in die Schweiz gezogen und wohnt jetzt in Rieden. Das erste Mal getroffen haben sich Sawen und Marques am Mentoring-Treffen des Jugendrotkreuzes im vergangenen August. Seither treffen sich Mentor und Mentee, wie sie genannt werden, zwei bis dreimal im Monat und machen gemeinsam verschiedene Ausflüge. Marques, die in Wettingen wohnt, erinnert sich: «Vor ein paar Wochen waren wir im Kindermuseum, ein anderes Mal gingen wir ins Schwimmbad.» Vor Weihnachten seien sie ausserdem zusammen im Kino gewesen. «Das habe ich bisher noch nie gemacht», sagt Sawen. Das sei kaum vorstellbar, staunt Marques jedes Mal erneut. Sie sei froh, am Mentoring-Programm teilgenommen zu haben. «Vor drei Jahren fand ich im Briefkasten einen Flyer des Jugendrotkreuzes, der das Programm vorgestellt hat», so Marques. Sie habe sich dafür interessiert und sich bei der Organisation gemeldet. Die Kombination von sozialem Engagement und kulturellem Einfluss habe sie gereizt.

«Ein Lächeln ist der grösster Lohn»

Dass die Arbeit nicht bezahlt ist, mache Marques nichts. «Der grösste Lohn für mich ist, wenn ich Sawen lachen und Spass haben sehe.» Das scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen, denn Sawen scheint völlig vernarrt in die 22-jährige Politologiestudentin. «Kommst du jetzt jede Woche?», fragt sie ihre Mentorin mit grossen Augen. Dies sei aus Zeitgründen nicht möglich, denn obwohl Marques der Meinung ist, dass ein Mentor flexibel sein sollte, lasse ihr das Studium nur begrenzt Zeit. «Es lohnt sich, Zeit zu nehmen, denn man erlebt auf diese Weise viele schöne Momente.»

Konflikte habe es bisher noch nie gegeben. Kommunikationsprobleme könnten dennoch immer auftreten. «Nicht alle Eltern sprechen gleich gut Deutsch, es kann immer zu Missverständnissen kommen.» Die Aktivitätenauswahl sei Marques anfangs ein wenig schwer gefallen. «Kreativität und Abwechslung sind wichtige Bestandteile des Programms. Man muss unkompliziert, offen und tolerant sein.» Empfehlen würde sie das Projekt jedem, der Freude an der Zusammenarbeit mit Kindern hat und gern neue Erfahrungen sammeln will. Sawen schaut zu Marques und sagt: «Ich hoffe, noch lange mit dir Sachen unternehmen zu dürfen.»