Bei der ersten Verhandlungsrunde zum neuen Mietpreis im Bahnhof-Metroshop traf Drogerie-Besitzer Christian Lampert fast der Schlag. Ein Vertreter der Stadt hielt ihm vergangenes Jahr eine Immobilienstudie vor die Nase: Der Mietzins für eine Drogerie an dieser Lage müsste rund 40 Prozent höher ausfallen, hiess es darin. «Wenn wir zu den aktuell jährlich rund 200 000 Franken Miete zusätzliche 90 000 Franken bezahlen müssen, sehe ich keinen anderen Weg, als den Laden zu schliessen», erklärte Lampert.

Ähnlich dramatische Worte wählte Christian Schmid, Geschäftsführer von «Schmid Blumen&Pflanzen». Ihm wurde mit einer Mietzins-Erhöhung von bis zu 10 Prozent gedroht. «Sollte dies tatsächlich passieren, müssten wir wohl Mitarbeiter entlassen», sagte er. Die Schmerzgrenze sei bereits erreicht, und es drohe das Szenario, dass sich bald nur noch internationale Ladenketten den Standort Metroshop leisten könnten, während Badener Unternehmen verschwinden müssen.

Seit wenigen Tagen steht nun fest: Die schlimmsten Befürchtungen der Ladenbesitzer treffen nicht ein. Vor wenigen Tagen sind die neuen Mietverträge der Stadt bei den Ladenbesitzern eingetroffen. Noch haben nicht alle unterschrieben. Im Vergleich zu den im Herbst genannten Zahlen fallen die Erhöhungen aber moderat aus – die Mietzinse steigen je nach Lage und Attraktivität der Fläche zwischen 1,5 und 5 Prozent. Bei der Drogerie Lampert beispielsweise beträgt die Zinserhöhung 1,5 Prozent, wie Geschäftsführer Daniel Zimmerli erklärt. Von der angedrohten 40-prozentigen Erhöhung sei dieser Wert zwar tatsächlich weit entfernt, und doch werde auch diese Erhöhung spürbar sein.

Auch für «Schmid Blumen&Pflanzen» schlägt die Stadt eine Mietzinserhöhung von 1,5 Prozent vor. «Ich würde die nun geltenden Mietzinserhöhungen als moderat bezeichnen», sagt Christian Schmid. «Wir werden das Beste aus der momentanen Situation machen. Auch der Schulhausplatzumbau wird einmal ein Ende haben.» Die Verhandlungen hätten gezeigt, dass Stadt Baden an einem attraktiven Ladenmix und langfristigen Mietverträgen interessiert sei, sagt Christian Schmid.

Stadtrat: «Erhöhung ist angebracht»

Stadtrat Roger Huber (FDP), Vorsteher des Ressorts Liegenschaften und Anlagen, erklärt: «Wir haben mit den einzelnen Mietern verhandelt und die Verträge nun zur Unterzeichnung verschickt. Wir sind der Ansicht, dass nach 15 Jahren eine moderate Erhöhung der Mietzinse angebracht ist, unter anderem, weil die Pendlerströme zugenommen haben.»

Auch im Vergleich mit den Mietpreiserhöhungen der vergangenen 15 Jahre beispielsweise in der Badstrasse seien die Anpassungen gerechtfertigt. «Wir sind überzeugt, dass keiner der Metroshop-Händler wegen dieser Erhöhung nun in eine aussichtslose Lage gebracht wird.» Das Umfeld sei für den Detailhandel momentan mit Gewissheit schwierig. «Dessen sind wir uns bewusst, und diese Tatsache haben wir bei den konkreten Mietpreisvorschlägen auch berücksichtigt», so Huber.

Das Konzept der Stadt, in der Metroshop-Fläche einen ausgewogenen Ladenmix anzustreben, gelte nach wie vor. «Wir versuchen, den Mietern eine gewisse Exklusivität zu ermöglichen und achten beispielsweise darauf, dass nicht gleich mehrere Blumenhändler Platz finden. Allerdings gehören nicht alle Metroshop-Flächen der Stadt, weswegen unser Einfluss diesbezüglich begrenzt ist», so Roger Huber.

Trotz nur moderater Zinserhöhung gibt es einzelne Läden, die sich den Metroshop nicht mehr leisten können – zum Beispiel der italienische Spezialitätenladen Telesio, der in einer der kleinsten Metroshop-Ladenflächen eingemietet ist. Inhaber Giovanni Telesio sagt: «Wir waren ein Jahr lang hier, ziehen aber Ende Juni weg.» Das Geschäft laufe einfach nicht gut genug. «Wir bezahlen jährlich 1100 Franken Miete pro Quadratmeter, eine Erhöhung hätten wir uns nicht leisten können.

Es laufen zwar sehr viele Menschen an unserem Laden vorbei, aber die wenigsten kommen herein.» Auch «Dolmetsch» verlässt den Metroshop per Ende Juni. Kürzlich aus dem Metroshop weggezogen ist der Kleiderdiscounter Chicorée, Nachfolger ist ein Coop-City-Outlet.