Vorbei an der Zweifel-Chips-Fabrik über ein Kiessträsschen bis ganz ans Ende der Kesselstrasse im Industriequartier in Spreitenbach muss man fahren, wenn man den aktuell weltweit grössten 3-D-Drucker für visuelle Kommunikation sehen will.

Die Spreitenbacher Firma Dekom 3D Plus besitzt das erste Modell im deutschsprachigen Raum – und hier bis vor kurzem das einzige. Weltweit gibt es gerade mal 50 Stück. 1,8 Meter hoch, 1,5 Meter breit und 1,2 Meter tief ist das Druckvolumen des «Massivit 1800». Seit Anfang Jahr nimmt die Firma 3-D-Druckaufträge an.

Firmeninhaber Claude Lombard hat erst Ende 2016 die ursprüngliche Werbetechnikfirma Dekom & Partner gekauft und will diese nun weiterentwickeln. «Ich wollte in eine völlig neue Technologie investieren», sagt Lombard, der schon mit seiner Vorgängerfirma technologisches Neuland suchte und dazumal als Pionier Deko-Artikel mit dem Laserschneider produzierte.

Überhaupt hat Lombard ein Faible für neuste Technologien, so gehört er auch zu jenen wenigen Autofahrern, die mit dem neusten Tesla Modell X unterwegs sind. «470 Kilometer schafft das Elektro-Auto ohne nachzuladen, und man hat praktisch keine Servicekosten», schwärmt er.

Sprung in Gewinnzone schaffen

Mit seiner neusten Errungenschaft, dem 3-D-Drucker, setzt Lombard vor allem auf Grösse und Geschwindigkeit. «Die bisherigen 3-D-Drucker sind extrem langsam und grössere Gegenstände müssen in Einzelteilen gedruckt und zusammengebaut werden.» Bereits in einem Jahr will Lombard den Sprung in die Gewinnzone schaffen. «Der Drucker ist dabei nur ein Werkzeug unter vielen», erklärt Lombard.

Denn in den Werkräumen werden nicht nur Objekte gedruckt, sondern hier wird vor allem alles Mögliche digital bedruckt. «Letztlich braucht es aber auch viel Handwerk für den Finish der 3-D-Objekte», sagt der 53-Jährige.

Die Firma hat bereits ein Modell eines Radrennfahrers gedruckt, an dem sein Auftraggeber nun im Windkanal Radsportkleidung testet, zudem liess die Künstlerin Ona Sadkowsky aus einer ihrer Skizzen eine zwei Meter hohe Figur drucken, die an der Ausstellung «Grafik 17» ausgestellt wurde.

Der 3D-Drucker druckt eine Flasche – und weitere Beispiele aus der Produktion des Spreitenbacher Start-ups «Decom 3D Plus».

Der 3D-Drucker druckt eine Flasche – und weitere Beispiele aus der Produktion des Spreitenbacher Start-ups «Decom 3D Plus».

«Mich fasziniert es, Ideen dreidimensional und plastisch umsetzen zu können. Die Technik erlaubt anders zu denken und Dinge zu testen, die man bis jetzt nicht realisieren konnte. Auch für Prototypen ist die Maschine perfekt geeignet, da man ohne Formenbau direkt Produkte herstellen kann. Probleme lassen sich so erkennen und verbessern.»

Für Serienproduktionen eignet sich der Drucker weniger, da die Kosten ab dem zweiten Stück nicht mehr sinken. «Da ist es sinnvoller, mit einem Negativ-Abdruck des Originals zu arbeiten und daraus das Original-Objekt beliebig oft zu produzieren», erklärt Lombard.

Standort hat mehrere Vorteile

Erst vor kurzem ist die Firma von einem der alten Backsteingebäude an der Kesselstrasse in den Neubau umgezogen, der sich nur wenige Meter daneben befindet. «Wir hatten hier die Möglichkeit, uns so einzurichten, wie es Sinn macht», sagt Lombard. Dazu habe es aber noch einige Bewilligungen gebraucht. «Da hat uns die Gemeinde sehr unterstützt.»

Auch helfe die Gemeinde der Firma, sich in der Region zu vernetzen. «Von anderen Gemeinden hört man oft, dass man auf Widerstand stösst», sagt Lombard und fügt an: «Die Gemeinde Spreitenbach setzt da viel stärker auf Partnerschaft.»

Das bestätigt auch Benedikt Germanier, der mit einem Teil seiner Ski-Firma Zai vor kurzem ins selbe Gebäude gezogen ist, und bereits mit Lombard an einem Ski aus dem 3-D-Drucker tüftelt.

Germaniers Entscheid, aus dem Bündnerland nach Spreitenbach zu kommen, um hier den Showroom und die Zai-Entwicklung aufzubauen, hängt auch damit zusammen, dass der Standort nahe am Flughafen, verkehrstechnisch gut angebunden und nahe an den Technikhochschulen ist.

Zudem seien die Mietpreise hier vergleichsweise günstig. Claude Lombard fügt an: «Im Aargau und in Zürich befinden sich unzählige kleine Technikfirmen und Designagenturen, die für uns wichtig sind.» Zudem habe man mit den nahegelegenen Hochschulstandorten Zugang zu gut ausgebildeten Fachkräften.