Baden

Michael Zisman: Der Musik-Pionier mischt Jazz und Tango

Michael Zisman (2. v.l.) ist mit seiner vierköpfigen Formation in der Stanzerei in Baden aufgetreten.

Michael Zisman (2. v.l.) ist mit seiner vierköpfigen Formation in der Stanzerei in Baden aufgetreten.

Michael Zisman spielt mit schweizerischer Perfektion und argentinischer Leidenschaft. In der Stanzerei zeigtesich der Musiker von seiner jazzigen Seite. Als «Michael Zismann Quartet» spielt er mit Philip Henzi, Lorenz Beyeler und Tobias Friedli.

Michael Zisman hat den Tango im Blut. Er ist der erste Bandoneonist, der auf seinem Instrument nebst der Seele des Tangos auch die Sprache des Straight-Ahead-Jazz implementiert und vertieft hat.

In der Stanzerei zeigte sich der Musiker von seiner jazzigen Seite. Als «Michael Zismann Quartet» spielte er zusammen mit Philip Henzi, Lorenz Beyeler und Tobias Friedli eigene Kompositionen sowie Werke des belgischen Komponisten und Trompeters Bert Joris oder der argentinischen Tango-Legende Astor Piazzolla.

In Fusstapfen des berühmten Vaters

Das zweite LiberTango-Konzert dieser Saison begann mit einem Stück von Zisman selbst, das trotz seiner definitiven Zugehörigkeit zum Jazz den einen oder anderen Gedanken nach Argentinien schweifen liess.

Gedanken, die – geleitet von Zismans temperamentvollen Bandoneon-Solo, einem Instrument, das eher im Tango beheimatet ist – durch die Strassen von Buenos Aires flanierten, vorbei an eng umschlungenen Tanzpaaren.

Das nächste Lied entsprang der Feder des amerikanischen Jazz-Pianisten Bill Evans und gab jedem der vier Musiker einen Solo-Moment, den die anderen mindestens ebenso genossen. Und das Publikum nahm es wahr.

Studienzeit in Bern

So schwärmte nicht nur Corinne Suter aus dem Raum Baden: «Die vier Künstler strahlen während des Musizierens eine unglaubliche Begeisterung aus. Die Interaktion ist beeindruckend, wie sie einander ansehen und sich anlächeln.»

Kennengelernt haben sich die Musiker während ihrer Studienzeit in Bern an der Swiss Jazz School.

Zisman, der trotz seines jungen Alters von 31 Jahren schon als Meister seines Fachs und als Pionier auf seinem Handzuginstrument gilt, ist der Erste, der das Bandoneon abseits des Tangos als vollwertiges Jazz-Element einsetzt.

Schon mit acht Jahren begann der halb Schweizer, halb Argentinier zu spielen und trat damit in die Fussstapfen seines bekannten Vaters Daniel Zisman.

Tönt wie Schlager, ist aber keiner

Ein Höhepunkt des Abends war Zismans Eigenkomposition «Close Encounter» zum Finale der ersten Hälfte. Das rasante Stück brachte das Publikum zum Jubeln und Klatschen.

Doch auch die Ballade «Wenn es Rosen sind», die Michael Zisman für seine Frau geschrieben hat, kam an. Und obwohl der Titel «fast wie ein Schlager tönt», es sei keine Schlager, bemerkt Michael Zisman schmunzelnd.

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