Baden
Mieten in Baden zu hoch für Familien: Stadtrat soll sich stärker einsetzen

In einem parlamentarischen Vorstoss fordert die Badener SP-Einwohnerrätin Andrea Arezina, der Stadtrat müsse sich stärker für bezahlbaren Wohnraum einsetzen. Denn gerade Familien müssten wegziehen, weil sie sich die Mieten nicht leisten können.

Pirmin Kramer
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Andrea Arezina: «Immer mehr Familien müssen aus Baden wegziehen, da sie sich die Miete schlicht nicht leisten können.»

Andrea Arezina: «Immer mehr Familien müssen aus Baden wegziehen, da sie sich die Miete schlicht nicht leisten können.»

ZVG/Dieter Minder

SP-Einwohnerrätin Andrea Arezina ist der Meinung, die Stadt habe die im Jahr 2010 beschlossene Wohnbaustrategie bisher zu wenig spürbar umgesetzt. Ziel der Wohnbaustrategie ist es, ein differenziertes Wohnungsangebot zu schaffen, das wiederum eine bessere soziale Durchmischung der Stadtbevölkerung ermöglichen soll. In einer Analyse war der Stadtrat unter anderem zum Schluss gekommen, dass Familien in der Stadt verhältnismässig untervertreten sind.

«Wenig Fortschritte spürbar»

Nach wie vor verfüge die Stadt Baden über zu wenig bezahlbaren Wohnraum, sagt nun Andrea Arezina. «Von Fortschritten in Richtung stärkerer sozialer Durchmischung ist leider noch wenig zu spüren. Im Gegenteil: Immer mehr Familien müssen aus Baden wegziehen, da sie sich die Miete schlicht nicht leisten können. Für ältere Menschen ist Wohnraum in Zentrumsnähe selten erschwinglich. Und junge Menschen, die Wohnformen wie Wohngemeinschaften bevorzugen, haben es schwer, eine bezahlbare Bleibe in Baden zu finden.»

Arezina hat beim Stadtrat nun eine parlamentarische Anfrage deponiert: Sie will genau wissen, was seit 2010 betreffend Ziele und Massnahmen der Wohnbaustrategie unternommen wurde. Der Stadtrat habe sich verpflichtet, dass bei der Vergabe für eine städtische Wohnung die Personenzahl der Grösse des Appartements entsprechen müsse. «Überprüft der Stadtrat dieses Kriterium in einem sinnvollen Abstand, und was unternimmt er, wenn die Personenzahl der Wohnungsgrösse nicht mehr entspricht?», will Arezina wissen.

Ausserdem habe der Stadtrat angekündigt, regelmässig Angebote auf dem Immobilienmarkt zu überprüfen – und das Angebot an stadteigenen Wohnungen oder Wohnungen mit städtischer Beteiligung zu erweitern. Arezina: «Was hat die Prüfung der Angebote auf dem Immobilienmarkt ergeben? Welche Ziele hat sich der Stadtrat in naher Zukunft gesetzt?» Ausserdem will die Einwohnerrätin wissen, wie gross der Anteil an Familien gemessen an der Gesamtbevölkerung ist – und was unternommen werde, um eine ausgewogene soziale Durchmischung zu ermöglichen.

Diskussion um überhitzten Markt

Die SP hatte vor vier Jahren die Volksinitiative «Baden für alle – für bezahlbare Wohn-, Kultur- und Gewerberäume in der Stadt Baden» eingereicht, diese dann aber zugunsten der stadträtlichen Wohnbaustrategie zurückgezogen. Eine Folge der Annahme dieser Strategie war, dass eine öffentlich-rechtliche Stiftung zum Bau von günstigem Wohnraum gegründet wurde. Die Stiftung wurde mit einem Eigenkapital von 10 Millionen Franken ausgestattet.

In den vergangenen Monaten sorgten die Mietpreise in Baden für einige Schlagzeilen. ETH-Professor Didier Sornette, der unter anderem die Immobilienblase in den USA vorausgesagt hatte, bezeichnete den Markt in Baden im Sommer 2013 als überhitzt. Diesen Februar berichtete Sornette, die zuvor starken Blasen-Anzeichen hätten sich wieder aufgelöst, der Preisanstieg in der Region Baden sei abgeflacht.