In zwei Wochen, vom 9. bis 11. August, findet in Birmenstorf das grösste Militär-Oldtimer-Treffen Europas statt: der Convoy to Remember. 20'000 Besucher werden am dreitägigen Anlass erwartet, 600 Fahrzeuge, 100 Töffs und 50 Panzer aus Europa präsentieren sich im Gelände, dazu wird die Patrouille Suisse durch die Luft fliegen. Der Anlass, der zum achten und in dieser Form letzten Mal stattfindet, soll an die Landung der Alliierten in der Normandie im Zweiten Weltkrieg erinnern, die vor 75 Jahren stattfand und Europa vom Joch des Nationalsozialismus befreite. Seit der ersten Durchführung im Jahr 1996 gab es wiederholt Kritik am Anlass – auch diesmal hat die Redaktion Mails erhalten mit der Aufforderung, den Organisatoren kritische Fragen zu stellen. Vizepräsident und Pressesprecher Louis Dreyer gibt Auskunft.

Was ist der Sinn und Zweck des Anlasses?

Louis Dreyer: Es leben nur noch wenige Menschen der Generation, die den Krieg und die Repressalien der Nationalsozialisten erleben mussten. Die Erinnerung droht zu verblassen, das möchten wir verhindern. Die Befreiung Europas geht nicht nur die Länder etwas an, die am Weltkrieg aktiv teilnahmen, sondern auch die Schweiz. Denn wird sind auch ein Teil Europas.

Aber den Soldaten von damals wäre es doch nie in den Sinn gekommen, den Horror nachzuspielen?

Diese Frage wird nur in der Schweiz gestellt. Überall dort, wo die Länder in den Krieg involviert waren, ist das Nachspielen von Schlachten überhaupt kein Problem, im Gegenteil: In Frankreich, Amerika oder auch England gilt das Inszenieren von Kriegsszenen als völlig selbstverständlich.

Bilder vom grössten Militär-Oldtimer-Treffen Europas

Convoy Birmenstorf 2016 - Das grösste internationale Militär-Oldtimer-Treffen der Schweiz.

Video vom Convoy 2016.

An Anlässen wie dem Convoy in Birmenstorf werde der Krieg verherrlicht, sagen Kritiker.

Niemand verherrlicht den Krieg. Ich würde von Soldaten-Nostalgie und Geschichte sprechen. Der Convoy ist ein lebendiges Museum. Und es gibt ganz einfach viele Leute, die Freude an den alten Fahrzeugen mit einfacher Technik haben. Dieses Jahr wird auch die Schweizer Armee erstmals mit einer mechanisierten Einheit teilnehmen. Dieser Umstand zeigt, dass wir vom Image her sauber dastehen, denn wir sind gründlich durchleuchtet und für gut befunden worden.

Apropos alte Fahrzeuge: Dutzende jahrzehntealte Panzer, Motorräder und Fahrzeuge werden in
Birmenstorf ihre Runden drehen. Wie beurteilen Sie den Anlass aus Sicht des Umweltschutzes?

Ich habe Verständnis für diese Frage. Aber man müsste sie auch dann stellen, wenn ein Motocrossrennen oder Traktorentreff stattfindet. Und wenn man der Meinung ist, solche Veranstaltungen seien der Umwelt nicht zumutbar, muss man konsequenterweise jeden Grossanlass in der Schweiz verbieten, beispielsweise auch Fussball-Länderspiele. Auf dem Platz selber haben wir strenge Regeln, was den Umgang mit Treibstoff oder mit dem Boden angeht. Wir haben sämtliche notwendigen Bewilligungen des Kantons und der Gemeinde eingeholt und auch erhalten.

Am Treffen vor drei Jahren gab es Diskussionen um Nazi-Embleme, die getragen wurden. Was ist erlaubt, was nicht?

Es gibt Vorschriften, die für alle Teilnehmenden gelten und die wir kontrollieren. Wir achten darauf, dass keine Hakenkreuze auftauchen. Vor drei Jahren ging es übrigens nur um einen Uniformknopf.

Das Gelände in Birmenstorf wird bald renaturiert. Wie sieht die Zukunft des Convoys aus?

In dieser Form wird er nicht mehr stattfinden. Um Geländefahrten machen zu können, benötigen wir eine Kiesgrube. Ob es eine abgeschwächte Form in kleinerem Rahmen, etwa ein Motorfahrzeugtreffen geben wird, wissen wir noch nicht.