An Durchschlafen war in der Nacht von Donnerstag auf Freitag kaum zu denken: Ein lautes Motorengeräusch hielt so manch ein Bewohner wach. «Wie ein lästiger Moskito», habe es sich angehört, schrieb eine Leserin aus Ehrendingen dem BT um zwei Uhr in der besagten Nacht. 

Das Geräusch sei gar durch die geschlossenen Fenster hörbar gewesen: «Endlos. Hin und her und hin und her.» Auch ein anderer Leser, diesmal aus Wettingen, meldet, vom Motorenlärm geweckt worden zu sein.

Ein Blick auf das Online-Flugportal flightradar24.com zeigt: Der Lärm stammt von einer Aufklärungsdrohne des Typs ADS 95 Ranger der Schweizer Luftwaffe. Während knapp dreier Stunden kurvte das unbemannte Flugzeug über den Dächern der Region hinweg: Von Neuenhof über Wettingen nach Spreitenbach, von Ehrendingen über Lengnau nach Unterendingen. Auch die Bezirke Brugg und Lenzburg sowie das Limmattal hat die Aufklärungsdrohne überflogen.

Luftwaffe fliegt regelmässig

Was war der Auslöser der nächtlichen Inspektion? Beim Flug habe es sich um einen Echt-Einsatz für die Kantonspolizei Aargau gehandelt, sagt David Marquis, Mediensprecher der Schweizer Luftwaffe.

Worum es sich dabei handelte, könne er aus einsatztaktischen Gründen nicht verraten. Nur so viel: «Es kommt regelmässig vor, dass die Luftwaffe Echt-Einsätze fliegt.» So hoben im Jahr 2014 die Aufklärungsdrohnen im Auftrag von Grenzwacht- und verschiedenen Polizeikorps insgesamt 55-mal ab; während 155 Stunden waren die Maschinen in der Luft. Die Dauer der Einsätze liegt bei rund drei Stunden. Der nächtliche Flug über die Region sei also «keine Ausnahme» gewesen, sagt Marquis.

Mit einem Anruf bei der Kantonspolizei klärt sich aber das Geheimnis rund um den nächtlichen Drohnenflug: «Es handelte sich um einen gemeinsamen Trainingseinsatz mit der Schweizer Armee», sagt Roland Pfister, Sprecher der Kantonspolizei Aargau. Dabei unterstützte die Aufklärungsdrohne eine geplante Fahndungskontrolle in Neuenhof. Die Aktion ist auch auf dem Radarbild ersichtlich: Das Gebiet rund um die Gemeinde leuchtet hellgrün – gegeben von der hohen Flugaktivität.

Drohnenbilder geben Aufschluss

Nach dem gemeinsamen Training nutzte die Kantonspolizei gleich die Gelegenheit, die Drohne noch für weitere Einsätze zu verwenden. Dies, weil die Polizei selber über keine solche Infrastruktur verfügt. Roland Pfister bezeichnet die unbemannte Maschine als «hilfreiches Mittel»: Dank den Drohnenbildern erhalte die Polizei Aufschluss über verdächtiges Verhalten, etwa von Kriminaltouristen.

Die Aktionen von Kantonspolizei und der Schweizer Armee beziehungsweise dem Militärpolizeibataillon 2 wurden im Voraus kommuniziert, nicht so deren Einsatzorte. Bei gewissen Trainingsflügen hingegen gebe die Luftwaffe ein Communiqué heraus, fügt David Marquis an.

Neue Drohnen sind leiser

Beim gemeinsamen Training von Donnerstagnacht wird es nicht bleiben. In der kommenden Woche werden die Übungen fortgesetzt. Dies in Zusammenarbeit mit weiteren Sicherheitspartnern wie der Transportpolizei und der Stadtpolizei Aarau. Dabei kann es wieder laut werden: Neben Aufklärungsdrohnen sollen auch Armeehelikopter zum Zug kommen – diesmal aber tagsüber.

Nichtsdestotrotz bleibt eine Frage: Warum kurvte die Aufklärungsdrohne so tief, dass sie auch bei geschlossenen Fenstern gut zu hören war? Gemäss Luftradar flog sie in eineinhalb bis knapp fünf Kilometern Höhe. «Die Lärmausbreitung hängt auch von der Luftfeuchtigkeit und vom Wind ab», sagt Luftwaffen-Sprecher Marquis. Man versuche jedoch immer, so hoch wie möglich zu fliegen, um die Lärmemission tief zu halten. Die neuen Aufklärungsdrohnen, die bis 2019 ausgeliefert werden sollen, würden deutlich leiser sein.