Wettingen
Millimeterarbeit: Hier wird eine 25 Tonnen schwere Turbine eingesetzt

Das Wasserkraftwerk in Wettingen wird bis 2020 saniert. Am Montag wurde die erste von drei Turbinen eingesetzt. Acht Mitarbeiter sorgten im grössten Wasserkraftwerk der Limmat dafür, dass am Ende alles millimetergenau passte.

Sabina Galbiati
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Stück für Stück sinkt die 25 Tonnen schwere Turbine samt den dazugehörigen Teilen in den rund zehn Meter tiefen Schacht. Acht Mitarbeiter sorgen im grössten Wasserkraftwerk der Limmat dafür, dass am Ende alles millimetergenau passt. Dafür brauchen sie gerade mal 45 Minuten.

Das EWZ-Wasserkraftwerk Wettingen bei der Klosterhalbinsel durchläuft derzeit eine Gesamtrevision. Alle 20 Jahre werden die Maschinen auseinandergenommen, sämtliche Anlagenteile werden gereinigt und Verschleissteile ersetzt. Dann bauen die Mechaniker alles wieder zusammen. So war gestern Konzentration gefragt, als die erste der drei Turbinen wieder eingebaut wurde. Im April soll sie wieder laufen. Zusammen mit den anderen zwei Turbinen bildet sie das Herzstück des Kraftwerks, das jährlich 140 Gigawattstunden Strom produziert – sechsmal so viel Strom, wie es für die gesamte öffentliche Beleuchtung der Stadt Zürich braucht.

Das mit neuen Schaufeln bestückte revidierte Turbinenrad wird über die mittlere Maschine gehoben und eingefahren.
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Dieter Müller EWZ-Kranführer, bei der Millimeterarbeit.
Andritz-Chefmonteur Urs Begert, links, und Dieter Müller EWZ-Kranführer, bei der Millimeterarbeit.
Das mit neuen Schaufeln bestückte revidierte Turbinenrad wird über die mittlere Maschine gehoben und eingefahren.
Das mit neuen Schaufeln bestückte Turbinenrad vor der Montage.
Blick in das leere Turbinengehäuse vor der Montage.

Das mit neuen Schaufeln bestückte revidierte Turbinenrad wird über die mittlere Maschine gehoben und eingefahren.

Alex Spichale

Am Ende der Revision werden es sogar noch 4,5 Prozent mehr sein – dank modernerer Schaufeln an den Turbinen. «Das klingt nach wenig, entspricht aber einer Mehrproduktion im Umfang eines Kleinkraftwerks», sagt Christoph Busenhart, Betriebsleiter der EWZ-Kraftwerke an der Limmat, zu denen auch das in Wettingen gehört.

Die gesamte Revision des Wasserkraftwerks dauert drei Jahre, wobei jeweils eine Etappe pro Winterhalbjahr durchgeführt wird. Während je eine Turbine gewartet wird, laufen die anderen beiden weiter. Im Jahr 2020 werden die Arbeiten abgeschlossen sein. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 16 Millionen Franken.

«Abgesehen davon, dass verschiedene Anlageteile nach mehr als 110 000 Stunden im Einsatz das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben und ohnehin ersetzt werden müssen, lohnt sich die Investition für uns», sagt Busenhart, «denn das Wettinger Kraftwerk hat erst 2003 eine neue Konzession für weitere 80 Jahre erhalten».

100 Tonnen Abfall pro Jahr

Erstmals seit 1933, als das Kraftwerk seinen Betrieb aufgenommen hat, wird bei der aktuellen Revision auch der Einlaufrechen ersetzt. Er sorgt dafür, dass kein Abfall in die Turbinen gerät. Weil er sich komplett unter Wasser befindet, mussten vor dem Rechen Betonelemente in die Limmat gesetzt werden, damit der Bereich trocken gelegt und der Rechen ersetzt werden konnten.

Rund 100 Tonnen Abfall sammeln sich pro Jahr im Rechen. «Das Meiste davon ist Siedlungsabfall», sagt Busenhart. Man merke, wenn ein offizieller Zügeltermin sei oder die Leute saisonbedingt die Autoreifen wechseln. «Dann fischen wir am Rechen schon mal Pneus, Kühlschränke oder Sofas aus dem Wasser», erzählt er. Allein die Kosten für die Entsorgung betragen jährlich 140 000 Franken.

Im Gegensatz zum Müll im Rechen ist die Abwärme, welche die Turbinenmaschinen erzeugen, gefragt. Mit ihr wird nicht nur das EWZ-Gebäude, sondern auch die Kantonsschule Wettingen und bald die neue Dreifachturnhalle beheizt.

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