Gebenstorf
Misstöne rund ums Neujahrskonzert

Das Blasorchester ersetzte bei seinem Neujahrskonzert in Gebenstorf die gewohnte Kollekte durch Eintrittspreise. Der Gemeindeammann hat an dieser Änderung überhaupt keine Freude. Und das Orchester stört sich an der «öffentlichen Schelte».

Elisabeth Feller
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«Das Neujahrskonzert ist für uns seit Jahren ein Verlustgeschäft.»

«Das Neujahrskonzert ist für uns seit Jahren ein Verlustgeschäft.»

«Ein Raunen ging durch das Publikum», hielt der Rezensent des Neujahrskonzertes des Blasorchesters Gebenstorf (BOG) in der gestrigen Ausgabe fest. Was war am 1. Januar in der katholischen Kirche passiert? Nun, Gemeindeammann Rolf Senn hatte in seiner Konzertansprache moniert, dass das BOG erstmals die gewohnte Kollekte durch Eintrittspreise ersetzt hatte. Das aber missfiel dem Gemeindeammann, was sich in deutlichen Worten niederschlug: «Ich wünsche die Kollekte zurück.»

Weswegen? «Wir, also der gesamte Gemeinderat, sind der Meinung, dass das Neujahrskonzert ein Anlass für alle ist», sagt Rolf Senn und doppelt nach: «Jedermann soll daran teilnehmen können, was jedoch bei Eintrittspreisen von 25 und 30 Franken nicht gewährleistet ist. Auch eine Kollekte erbringt einige tausend Franken; zudem wird das BOG von der Gemeinde Gebenstorf mit einem namhaften Beitrag unterstützt. Natürlich ist das BOG ein Verein und als solcher frei in seinen Entscheidungen», unterstreicht Senn, «doch beim Neujahrskonzert sieht das anders aus, weil dieses mit dem Neujahrsapéro eine Einheit bildet.» Es gehe somit um «das Prinzip», betont Senn.

«Öffentliche Schelte»

Ganz anders sieht das Fabian Keller, Präsident des BOG. Er relativiert zunächst einmal die Eintrittspreise. «Jugendliche bis zu 16 Jahren konnten das Neujahrskonzert gratis besuchen; Auszubildende und Studenten bezahlten lediglich 10 Franken.» Keller stösst sich insbesondere am formalen Aspekt. Die Äusserungen von Senn kommen für ihn und das BOG einer «öffentlichen Schelte» gleich. Der BOG-Präsident erwähnt in diesem Zusammenhang eine Sitzung im Mai 2010 mit der Kulturkommission, an der auch der für die Vereine zuständige Gemeinderat dabei gewesen sei. «Damals sprachen wir vom BOG von Konzerteintritten, woraus sich eine angeregte Diskussion entspann. Doch niemand erhob dagegen ernsthafte Einwände.» Weshalb ersetzte das BOG die Kollekte durch Eintrittspreise? «Für uns ist der Neujahrsanlass seit Jahren ein Verlustgeschäft. Wir mussten stets drauflegen, denn ein Konzert mit sinfonischer Blasmusik, wie wir es mit Laien und Profis bieten, schlägt mit einer fünfstelligen Zahl zu Buche», betont Keller.

Vielleicht eine Defizitgarantie?

Wie liesse sich das Problem lösen? Keller erwähnt als Möglichkeit «eine Defizitgarantie der Gemeinde». Diese wird wohl thematisiert werden an einer Sitzung im Januar, die das BOG und den Gemeinderat an einen Tisch bringt. «Wir werden dem Gemeinderat unsere Rechnungsabschlüsse vorlegen, um aufzuzeigen, welche Kosten das Neujahrskonzert verursacht.»

Neujahrskonzert: Das BOG spielt am So, 9. Januar, 17 Uhr, in der kath. Kirche.