Montagsporträt
«Mister Käfeli» blickt auf eine Bilderbuchkarriere zurück

Kenny Eichenberger übergibt die Geschäftsleitung der Kenny’s Gruppe seinem Sohn Marc und verrät, welchen grossen Traum er noch verwirklichen will und wie sein bekannter Werbeslogan entstand.

Sabina Galbiati
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Kenny Eichenberger
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Buchs ZH: Auf diesem Kiesplatz startete Kenny Eichenberger 1976 seine Bilderbuchkarriere und verkaufte Occasions-Wagen.
Tansania: Der Jeep steckte im Schlamm fest. Kenny (Mitte) und Marc Eichenberger (rechts) sowie Schwiegersohn Marcgeben aber nicht auf.zvg

Kenny Eichenberger

Alex Spichale

Kenny Eichenberger und sein Sohn Marc stehen in der Halle von Kenny’s Auto-Center in Wettingen. Die Fotos sind geschossen, das Interview ist geführt, man will sich verabschieden und dann das: «Wetsch würkli kän Kafi?» Kenny Eichenberger, der berühmte «Mister Käfeli» und erfolgreiche Autoverkäufer, leistet sich einen Versprecher.

Eigentlich sollte er doch «Käfeli» sagen, wie in seinen bekannten Radiowerbungen für Kenny’s Auto-Center: «Chömed sie verbi s’Käfeli go probiere – s’feine.» Kenny Eichenberger, der eigentlich Kenneth heisst, ist selber verdutzt, als er ertappt wird. «Tatsächlich sage ich manchmal ‹Kafi›, aber unbewusst», meint der 62-Jährige.

Frau hatte Idee für Slogan

Die Idee für jenen Werbeslogan, der Eichenberger als Autoverkäufer so bekannt machte, hatte übrigens seine Frau Monika vor rund 30 Jahren. Damals führte Kenny Eichenberger ein Autocenter in Dällikon im Furttal. «Wenn meine Frau mit unseren Kindern Marc und Carla vorbeikam, fragte ich sie immer, ob sie ein ‹Käfeli› möchte», erinnert sich Eichenberger.

Daraus entstand der Spot, und weil er noch kein Geld für einen Werbesprecher hatte, sprach er den Text selber. So war die Figur jenes sympathischen Autohändlers geboren. Und über die Jahre hat er sie beibehalten – die Figur und das Käfeli.

Kenny’s Karriere startete vor 40 Jahren mit einem Handel für Occasions-Wagen auf einem Kiesplatz in Buchs ZH. Und er wusste auch aus jener Geschichte einen Werbespot zu drehen. Sohn Marc spielt darin Kenny vor 40 Jahren. «Ich musste dafür extra meinen Bart wachsen lassen», sagt der 30-jährige Marc während des Gesprächs im Büro des Vaters.

Im echten Berufsleben hat Marc das Steuer vom Vater inzwischen übernommen. Seit diesem Monat ist es offiziell: Marc Eichenberger ist Geschäftsführer der Kenny’s Gruppe samt den Smart-Vertretungen. – Und: Das «Käfeli» fehlt auch in seinem Wortschatz nicht, wie sich im Gespräch herausstellt.

Nicolas Hayek gab ihm den Smart

Kennys Verkaufstalent allein hätte kaum zu einer Unternehmensgruppe mit über 200 Mitarbeitern geführt. Vielmehr wusste er die Chancen zu nutzen, die sich ihm boten: Kaum war 1989 die Berliner Mauer gefallen, kaufte er mit seinem Partner Alfred Weber beim Alexanderplatz im ehemaligen Ost-Berlin ein Grundstück und handelte mit Schweizer Occasionsautos.

In den 1990er-Jahren kaufte er unter anderem in Regensdorf und Schlieren Grundstücke und baute darauf Einkaufscenter, Tankstellen, Waschstrassen und Shops. 1996 erkannten auch Mercedes-Benz und Nicolas Hayek, der Vater des Smarts, den Unternehmergeist des Visionärs aus Dänikon ZH. «Alle Grossen wollten die Lizenz für den Smart, doch Hayek wählte den Kenny Eichenberger», erzählt Kenny stolz.

Mit der Familie Hayek pflege er heute noch eine freundschaftliche Beziehung. «Hayeks kaufen ihre Mercedes-Benz bei uns.» Andere Namen prominenter Kunden gibt der gelernte Mechaniker nicht preis. «Da bin ich professionell.»

Buchs ZH: Auf diesem Kiesplatz startete Kenny Eichenberger 1976 seine Bilderbuchkarriere und verkaufte Occasions-Wagen.

Buchs ZH: Auf diesem Kiesplatz startete Kenny Eichenberger 1976 seine Bilderbuchkarriere und verkaufte Occasions-Wagen.

Zur Verfügung gestellt

Dass sein Flaggschiff heute in Wettingen steht, kommt nicht von ungefähr. Mercedes-Benz wollte Ende der 1990er-Jahre im Limmattal ausbauen, worauf zwischen Wettingen, Dättwil und Würenlos ein regelrechter Kampf um den Unternehmer und seine Sterne entbrannte.

«Tue Gutes und sprich darüber»

«Wir wollten Arbeitsplätze und Lehrstellen nach Wettingen holen», sagt der damalige Gemeindeammann Karl Frey. Bei der Standortvergabe mischte der Kanton mit. Der damalige Regierungsrat Thomas Pfisterer sass bei der Standortbestimmung mit am Tisch. Als der Entscheid auf Wettingen fiel, gab es im Dorf sogar eine Volksabstimmung: Damit Kenny sein Autocenter bauen konnte, musste die Otelfingerstrasse verschoben werden. Dazu musste der Souverän einem Landabtausch zustimmen.

Frey erinnert sich noch gut an den begehrten Unternehmer: «Im ersten Moment hat man es mit einem sehr versierten Verkäufer zu tun. Doch wenn man ihn kennen lernt, merkt man schnell, dass Kenny eigentlich ein sehr grosszügiger und sozialer Mensch ist.» Seine Spendenaktionen – unter anderem an das Wettinger Kinderheim Klösterli oder die Stiftung Arwo – geschahen jeweils öffentlich. Dies spiegle seine Freude am Selbstlosen wieder, aber auch sein unternehmerisches Denken. «Ganz nach dem Motto: Tue Gutes und sprich darüber», fasst Frey zusammen.

So fand auch die Spendenaktion für die Street Parade ihren Weg in die Medien, als Kenny Eichenberger 1996 nach der Rave-Party die Abfallentsorgung bezahlte, weil sich der Zürcher Stadtrat weigerte. Im «Blick» sagte er damals: «Statt einen gewaltlosen Anlass wie die Street Parade zu unterstützen, agiert die Stadt als Miesmacherin. Ein Skandal!»

Auch als Sponsor des FC Zürich war sich der Unternehmer im vergangenen Mai nicht zu schade, via Radiospot die FCZ-Fans zu motivieren, ihre Mannschaft beim entscheidenden Spiel gegen den Abstieg in die Challenge League im Letzigrund nochmals zu unterstützen.

Im Nirgendwo von Tansania

Sobald die Familie und das Private ins Spiel kommen, tritt Kenny Eichenberger auf die Erzähl-Bremse. Zahlreiche Medien wollten schon in Eichenbergers Familien-Villa auf Ibiza eine Homestory machen. Aber dieser winkt ab: «Ich gehöre nicht zu den Typen, die mit Goldkette um den Hals vor ihren Villen posen.» Und nein: Man habe sich nicht ein trendiges Ferienziel gesucht. «Ich besuchte Ibiza bereits vor 40 Jahren als Junggeselle.» Aber es muss nicht immer Ibiza sein.

Vor rund drei Jahren erlebte die Familie ihr wohl grösstes Ferienabenteuer: Mitten im Nirgendwo von Tansania in Ostafrika blieb ihr Jeep stecken. «Wir waren zu sechst und hatten einen Fahrer dabei», erzählt Eichenberger. Sie mussten im Jeep übernachten: Ehepaar Eichenberger, Sohn Marc mit Freundin Blanca sowie Tochter Carla mit ihrem Mann. Wegen der Raubtiere musste der Fahrer für die Notdurft in der Nacht das Gelände mit dem Scheinwerfer ausleuchten.

Tansania: Der Jeep steckte im Schlamm fest. Kenny (Mitte) und Marc Eichenberger (rechts) sowie Schwiegersohn Marcgeben aber nicht auf.zvg

Tansania: Der Jeep steckte im Schlamm fest. Kenny (Mitte) und Marc Eichenberger (rechts) sowie Schwiegersohn Marcgeben aber nicht auf.zvg

Zur Verfügung gestellt

Das Abenteuer hängt übrigens in Form von vier grossformatigen Fotografien an der Wand in Kenny Eichenbergers Büro; ein Foto der Villa auf Ibiza dient als Desktop-Hintergrund seines PCs. Nicht, um damit anzugeben, stellt der Chef klar. «Die Fotos helfen im hektischen Alltag gegen Stress.» Übrigens genauso wie die Musik aus der Jukebox mit den Platten der Beatles, Rolling Stones oder von Glenn Miller.

Und natürlich Feng-Shui. Das Center in Wettingen ist nach Feng-Shui-Philosophie eingerichtet. Ein gutes Werbemittel? Gefragt, ob sie wirklich daran glauben, beginnen Vater und Sohn zu fachsimpeln, was wo und wie stehen muss. Er hätte kein Geld investiert, würde er den Nutzen nicht sehen, sagt er. Das Eichenbergersche Haus und die Villa auf Ibiza sind ebenfalls nach Feng-Shui-Regeln eingerichtet.

Der Herr im Haus

Kennys Werdegang mag eine Bilderbuchkarriere sein. Doch eines lässt ihn seit damals auf dem Kiesplatz in Buchs nicht los: Weil Autoverkäufer von einem Generalunternehmer abhängig sind, konnte er nie gänzlich der eigene Herr im Haus sein. «Mercedes-Benz hat bei den Entscheidungen immer ein Wort mitzureden.» Das müsse man akzeptieren. «Oder dann lässt du das Autoverkaufen bleiben.»

Allerdings, so gesteht Kenny Eichenberger auf dem Weg zum Ausgang, wo er sich wenig später den «Kafi»-Versprecher leistet, sei er ein Nostalgiker. «Als ich jung war, träumte ich davon, Mercedes-Benz zu verkaufen.» Jetzt da er die Geschäftsleitung abgegeben hat, will er einen weiteren Traum realisieren. «Ich möchte ein Oldtimer-Center bauen. Am liebsten in Wettingen.» Bei den Oldtimern würde auch niemand anderes mitbestimmen.

Man darf gespannt sein, denn alles, was er macht, scheint er mit dem Hang zur Perfektion zu tun: So stammen die Bohnen des «feinen Käfeli» für seine Kunden aus Costa Rica. Den Plantagenbesitzer kennt Eichenberger persönlich, und er wusste auch daraus einen Werbespot zu drehen.

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