Baden

«Mister Whisky» feiert Geburtstag – er beliefert sogar das Chinesische Konsulat

Geniesst die Geburtstagsfeier ganz offensichtlich: Peter Siegenthaler mit einem edlen Tropfen in der Hand.

Geniesst die Geburtstagsfeier ganz offensichtlich: Peter Siegenthaler mit einem edlen Tropfen in der Hand.

Seit 10 Jahren betreibt «Whisky-Guru» Peter Siegenthaler in Baden sein Whisky- und Spirituosengeschäft. Aus diesem Anlass wurde die viermal jährlich durchgeführte «rent-a-glass»-Feier zur grossen Party.

Whisky ist eine Wissenschaft. Gäbe es einen Lehrstuhl dafür, könnte Peter Siegenthaler durchaus dafür in die Kränze kommen. Vor zehn Jahren hatte im Parterre vom schmalen Haus zwischen Mittlerer- und Oberer-Gasse seinen Laden «Cadenhead’s Whisky & more» eröffnet. Und das Wissen des 63-Jährigen über die Spirituose und die Auswahl an Schottischen Whiskys, die er anzubieten hat, kann einem auch ohne zu degustieren glattweg den Kopf vernebeln.

1981 hat er in Schottland das Whisky-Virus eingefangen. Eine KV-Lehre bei BBC hatte Siegenthaler in den 70-ern erstmals nach Baden verschlagen. Danach war er in die Werbebranche eingestiegen und nach Zürich zurückgekehrt. In einem Club in Baden hatte er sein sportliches Hobby – Karate – ausgeübt, den Titel eines grossen Meisters erworben und von 1984 bis 2000 als Profi in Baden eine Karateschule geführt.

«Nach einem Trainingslager in England 1981 habe ich mit zwei Kollegen eine Ferienwoche in Schottland drangehängt. Ein Wegweiser zur Destillerie «Glenfarclas» erinnerte es uns an einen weiteren Kollegen namens Imre Farkas, also sind wir abgebogen, haben degustiert und ich war infiziert.»

Preise bewegen sich von 40 bis zu 6000 Franken pro Flasche

20 Jahre später war die «Infektion» ausgebrochen. Siegenthaler stieg als Ein- und Verkäufer in die Whisky-Branche ein. Die Faszination für die aus Getreidemaische gewonnene und im Holzfass gereifte Spirituose nahm immer mehr zu und gipfelte 2009 in der Gründung des eigenen Unternehmens.

«Als Erstes hatte ich dafür in Schottland einen renommierten Abfüller gesucht, der noch ohne Ländervertretung hier in der Schweiz war.» Mit Cadenhead’s, dem seit 1842 existierenden ältesten unabhängigen Unternehmer der Branche wurde er fündig und machte «Cadenheads» auch zum Namen seines Unternehmens.

An der Mittleren Gasse 15 fand er die passende Lokalität. «In der 500 Jahre alten Liegenschaft hatten vier Generationen der Familie Keusch eine Metzgerei betrieben. Mit dem Vertreter der letzten Generation bin ich rasch handelseinig geworden», strahlt der, von Elan und Begeisterung sprühende «Mister Whisky».

Farbvielfalt von Zartgelb bis Dunkelcognac

Seit zehn Jahre stehen in «Cadenhead’s» in Reih› und Glied runde und eckigen Flaschen und zeugen verschnörkelte Schriftzüge auf den Etiketten von sehr langer Tradition. Die Farbvielfalt des Inhalts reicht von Zartgelb bis Dunkelcognac, sein Alter von drei bis 41 Jahre, die Preise je Flasche bewegen sich zwischen 40 und 600 Franken – jedenfalls bei «üblichen» Whiskys.

Bei den Raritäten, die Siegenthaler mit Leidenschaft und Akribie einkauft und vorwiegend an Sammler verkauft, findet man welche im Wert von bis zu 6000 Franken. «Kürzlich hat jemand vom chinesischen Aussenministerium telefonisch zwei Whiskys im Gesamtwert von 2000 Franken bestellt, die ich an das Konsulat in Genf liefern musste.»

Im reizvollen kleinen Laden in Baden führt Peter Siegenthaler auch exklusiven Rum, Grappa, Obstschnäpse, schottisches, texanisches und Badener Falkenbräu-Bier – «kurzum alles ausser Wein.». Er berät seine Kunden mit Inbrunst, nimmt sich auch Zeit, Historisches und Aktuelles etwa über Schwarzbrennerei, Legalisierung, Abfüllung, im Akkord arbeitende Küfer zu erzählen.

Stolz präsentiert er seinen Whisky. «Baden exclusive 10th anniversary» steht auf der Etikette, «Islay Single Malt age 11 years» ist drin. «Zum Jubiläum hat Cadenheads nur für mich ein Fass abgefüllt, das ich selber aussuchen durfte. Ich habe mich für einen besonders rauchigen und torfigen Whisky entschieden, von dem es weltweit nur 348 Flaschen gibt».

140 Freunde und Whisky-Kenner kamen an die Geburtstagsfeier

Dass auch Siegenthalers Tage nicht mehr als 24 Stunden haben, ist kaum zu glauben. Denn die Arbeit im Laden ist nur ein kleinerer Teil seiner Tätigkeit. Für den Exklusiv-Import von «Cadenhead’s Whisky hat er auf dem Merker-Areal eine 80 Quadratmeter grosse Lagerhalle gemietet hat. «Aus diesen Beständen beliefere ich Wiederverkäufer und Gastronomie.»

Den Rest der Produkte für seinen Shop und seinen Online-Verkauf bezieht er darüber hinaus weitere Whiskys und Schnäpse von Schweizer Importeuren, «wie ich einer für die Cadenhead- Produkte bin.»

Die meiste dieser Aufgaben löst Siegenthaler im Alleingang. An Messen – unter anderem auf den Whisky-Schiffen in Zürich oder Luzern – wird er von befreundeten Whisky-Kennern und -Liebhabern unterstützt. Dies auch, wenn Siegenthaler im Laden viermal jährlich seine beliebten «rent-a-glass»- Anlässe durchführt: Man kauft für 50 Franken ein Glas und degustiert daraus à discrétion was und wie viel Nase, Gaumen und Herz begehrt.

140 Kenner und Whisky-Wunderfitze haben am vergangenen Samstag aus Anlass des Jubiläums «rent-a-glass» zu einem Grossevent gemacht. Dazu wurde auch gratis Falkenbräu ausgeschenkt und durch die «Lucerne Caledonians» mit pipes und drums für die adäquate musikalische Untermalung gesorgt.

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