Vor dem 1. Wahlgang zur Gemeinderatswahl in Würenlos am 25. August überschlagen sich die Ereignisse: Die FDP lässt ihren 68-jährigen Gemeindeammann Hans Ulrich Reber fallen und will stattdessen ihre Gemeinderätin Karin Funk als Ammann nominieren.

Auf Anfrage der az sagt FDP-Präsident Consuelo Senn: «Den Entscheid, Karin Funk als Gemeindeammann zu portieren und nicht Hans Ulrich Reber, haben wir nicht von heute auf morgen gefällt.»

Der Vorstand sei zum Schluss gekommen, dass die Zeit für eine Verjüngung nun reif sei.

«Wir haben verschiedene Gespräche geführt und sind zum Schluss gekommen, dass die Kontinuität mit Karin Funk am besten gewährleistet ist», sagt Senn.

Der Vorstand habe den 68-jährigen Reber überzeugen wollen, nicht mehr anzutreten. «Leider hat er sich anders entschieden; wir bedauern, dass es so weit kommen musste.»

Mit Rebers Leistung habe das aber überhaupt nichts zu tun, ergänzt Senn.

Er glaubt nicht, dass die FDP am Schluss mit abgesägten Hosen dastehe – im Fall, dass die Mitgliederversammlung von morgen Donnerstag Funk nicht als Gemeindeammann-Kandidatin nominiert. «Wir sind überzeugt, dass Karin Funk die ideale Kandidatin ist und bei den Mitgliedern grossen Rückhalt geniesst.»

Die Kehrtwende von Karin Funk

Dass Funk überhaupt antritt, überrascht. Denn Ende 2012 stand für sie fest, dass sie diesen Herbst nicht mehr kandidieren wird.

«In der Zwischenzeit hat sich meine berufliche und private Situation dahingehendend verändert, dass ich zum Schluss gekommen bin, doch wieder anzutreten.»

Der Entscheid sei ihr jedoch nicht leicht gefallen, sich gar für das Amt des Gemeindeammanns zu bewerben und somit ihren Partei- und Gemeinderatskollegen Reber herauszufordern. «Die Situation ist sicher nicht einfach und alles andere als lässig.»

Es sei aber nicht so, dass die Partei sie zur Kandidatur gedrängt habe. «Das Amt reizt mich wirklich und ich weiss, dass ich die nötige Kapazität und Energie dazu habe», sagt Funk. Auch habe sie sehr viel Unterstützung aus der Bevölkerung erfahren.

«Unter dem Strich ist es ein normaler politischer Prozess; die Wähler sollen eine Auswahl haben.» Damit kommt es zum Duell zwischen ihr und ihrem ehemaligen Parteikollegen Reber, der als Parteiloser wieder antritt.

Dass die aktuelle Zusammenarbeit im Gemeinderat nun unter der ganzen Sache leide, glaubt Funk nicht: «Wir sind beide Profi genug, auf der Sachebene zusammenzuarbeiten.»

«FDP-Debakel geht mich nichts an»

Die Ortsparteien reagieren gemischt auf Rebers Rücktritt. «Wir halten uns an der Seitenlinie», sagt SVP-Präsident Thomas Zollinger. «Ich hätte es aber begrüsst, wenn Reber nochmals angetreten wäre, um dann in vier Jahren einen geordneten Übergang ohne Nebengeräusche zu ermöglichen.» Zollinger befürchtet, dass sich die parteiinternen Reibereien negativ auf das Kollektiv im Gemeinderat auswirken.

SP-Präsident Luca Hoessly sagt: «Ich finde es schade, dass der Entscheid, nicht auf Reber zu setzen, so kurz vor den Wahlen bekannt geworden ist. Die FDP hat sicher unglücklich kommuniziert.»

Und CVP-Präsident Siegfried Zihlmann hält trocken fest: «Das FDP-Debakel geht mich nichts an. Ich finde es aber gut, dass sich Karin Funk als Gemeindeammann zur Verfügung stellt; unsere Unterstützung hat sie auf jeden Fall.»