Würenlos
Mit 68 Jahren zu alt: FDP will in Würenlos einen jüngeren Gemeindeammann

Parteipräsident bedauert, dass Hans Ulrich Reber nicht selber auf Kandidatur verzichtet hat. Die Ortsparteien reagieren gemischt auf Rebers Rücktritt. Die SVP befürchtet, dass sich die FDP-Reibereien negativ auf den Gemeinderat auswirken könnten.

Martin Rupf
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Hans Ulrich Reber ist laut FDP zu alt für das Amt des Gemeindeammann.

Hans Ulrich Reber ist laut FDP zu alt für das Amt des Gemeindeammann.

AZ

Vor dem 1. Wahlgang zur Gemeinderatswahl in Würenlos am 25. August überschlagen sich die Ereignisse: Die FDP lässt ihren 68-jährigen Gemeindeammann Hans Ulrich Reber fallen und will stattdessen ihre Gemeinderätin Karin Funk als Ammann nominieren.

Austritt aus eigener Partei

Acht Jahre lang war Hans Ulrich Reber (FDP) Gemeindeammann von Würenlos. Weil ihn der Parteivorstand für die morgige Mitgliederversammlung nicht mehr als Ammann portierte, sondern FDP-
Gemeinderätin Karin Funk zur Nomination vorschlägt, trat Reber Ende Juni aus der FDP aus. Er wird bei den Wahlen als Parteiloser als Gemeinderat und Gemeindeammann kandidieren. (mru)

Auf Anfrage der az sagt FDP-Präsident Consuelo Senn: «Den Entscheid, Karin Funk als Gemeindeammann zu portieren und nicht Hans Ulrich Reber, haben wir nicht von heute auf morgen gefällt.»

Der Vorstand sei zum Schluss gekommen, dass die Zeit für eine Verjüngung nun reif sei.

«Wir haben verschiedene Gespräche geführt und sind zum Schluss gekommen, dass die Kontinuität mit Karin Funk am besten gewährleistet ist», sagt Senn.

Der Vorstand habe den 68-jährigen Reber überzeugen wollen, nicht mehr anzutreten. «Leider hat er sich anders entschieden; wir bedauern, dass es so weit kommen musste.»

Mit Rebers Leistung habe das aber überhaupt nichts zu tun, ergänzt Senn.

Nachgefragt bei Hans Ulrich Weber: «So geht man nicht miteinander um»

Herr Reber, Sie sind aus der FDP ausgetreten. Was ist passiert?
Hans Ulrich Reber: Seit über einem Jahr stehe ich parteiintern als Kandidat fest. Ende Mai, am Nachmittag vor der Mitgliederversammlung, ist meine Gemeinderatskollegin Karin Funk auf mich zugekommen und hat mir offenbart, dass sie für das Amt des Gemeindeammanns kandidiert.

Wie haben Sie auf diese Ankündigung reagiert?
Auf diesen Frontalangriff war ich nicht vorbereitet; das Ganze hat sich in keiner Weise abgezeichnet und macht mich betroffen. So geht man nicht miteinander um.

Was führte schliesslich zum Partei-Austritt?
Einige Zeit später - nach einer Sitzung mit einem Ausschuss des Parteivorstandes - erhielt ich den Entwurf einer FDP-Medienmitteilung, wonach meine Kandidatur noch offen stehe. Da hat es mir den Deckel gelüpft und ich habe den Austritt beschlossen.

Parteipräsident Senn begründet ihre Nichtnomination mit einem Verjüngungsprozess.
Ich fühle mich mit meinen 68 Jahren in keiner Art und Weise zu alt für das Amt.

Im Dorf hört man immer wieder, Sie würden zu viel planen und zu wenig realisieren.
Ja, ich plane viel. Alle Planungen basieren auf Beschlüssen des Gesamtgemeinderates.

Sie hätten nur für eine halbe Amtsperiode antreten wollen?
Das stimmt nicht, ich hätte nochmals eine ganze Legislatur gemacht.

Hans Ulrich Reber: Der 68-Jährige ist seit acht Jahren Gemeindeammann von Würenlos und war FDP-Mitglied.

Interview: Martin Rupf

Er glaubt nicht, dass die FDP am Schluss mit abgesägten Hosen dastehe – im Fall, dass die Mitgliederversammlung von morgen Donnerstag Funk nicht als Gemeindeammann-Kandidatin nominiert. «Wir sind überzeugt, dass Karin Funk die ideale Kandidatin ist und bei den Mitgliedern grossen Rückhalt geniesst.»

Dass Funk überhaupt antritt, überrascht. Denn Ende 2012 stand für sie fest, dass sie diesen Herbst nicht mehr kandidieren wird.

«In der Zwischenzeit hat sich meine berufliche und private Situation dahingehendend verändert, dass ich zum Schluss gekommen bin, doch wieder anzutreten.»

Der Entscheid sei ihr jedoch nicht leicht gefallen, sich gar für das Amt des Gemeindeammanns zu bewerben und somit ihren Partei- und Gemeinderatskollegen Reber herauszufordern. «Die Situation ist sicher nicht einfach und alles andere als lässig.»

Es sei aber nicht so, dass die Partei sie zur Kandidatur gedrängt habe. «Das Amt reizt mich wirklich und ich weiss, dass ich die nötige Kapazität und Energie dazu habe», sagt Funk. Auch habe sie sehr viel Unterstützung aus der Bevölkerung erfahren.

«Unter dem Strich ist es ein normaler politischer Prozess; die Wähler sollen eine Auswahl haben.» Damit kommt es zum Duell zwischen ihr und ihrem ehemaligen Parteikollegen Reber, der als Parteiloser wieder antritt.

Dass die aktuelle Zusammenarbeit im Gemeinderat nun unter der ganzen Sache leide, glaubt Funk nicht: «Wir sind beide Profi genug, auf der Sachebene zusammenzuarbeiten.»

Die Ortsparteien reagieren gemischt auf Rebers Rücktritt. «Wir halten uns an der Seitenlinie», sagt SVP-Präsident Thomas Zollinger. «Ich hätte es aber begrüsst, wenn Reber nochmals angetreten wäre, um dann in vier Jahren einen geordneten Übergang ohne Nebengeräusche zu ermöglichen.» Zollinger befürchtet, dass sich die parteiinternen Reibereien negativ auf das Kollektiv im Gemeinderat auswirken.

SP-Präsident Luca Hoessly sagt: «Ich finde es schade, dass der Entscheid, nicht auf Reber zu setzen, so kurz vor den Wahlen bekannt geworden ist. Die FDP hat sicher unglücklich kommuniziert.»

Und CVP-Präsident Siegfried Zihlmann hält trocken fest: «Das FDP-Debakel geht mich nichts an. Ich finde es aber gut, dass sich Karin Funk als Gemeindeammann zur Verfügung stellt; unsere Unterstützung hat sie auf jeden Fall.»

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