Lungenflechte
Mit Bostitch: Heilpflanze wird an Badener Bäumen wieder angesiedelt

Die Stadt will mit der Wiederansiedlung der Lungenflechte ein Zeichen gegen den Verlust der Artenvielfalt setzen. Unterstützung erhält sie von drei Badener Apothekern.

Katharina Herzig
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Isabelle Nussbeck feuchtet die Lungenflechte an, die Ähnlichkeit mit einem getrockneten Blatt hat
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Stadtoberförster Georg Schoop enthüllte eine neue Infotafel
Neue Lungen für Badener Bäume

Isabelle Nussbeck feuchtet die Lungenflechte an, die Ähnlichkeit mit einem getrockneten Blatt hat

Katharina Herzig

Die Lungenflechte ist eine einheimische Nutzpflanze, die vor allem auf der Rinde alter Laubbäume wächst. Den Namen verdankt sie ihrer lungenartigen Struktur. Aus den Wäldern des Mittellandes ist die Pflanze, der eine heilende Wirkung nachgesagt wird, heute praktisch verschwunden.

Die Stadtökologie und das Stadtforstamt Baden versuchen nun die Lungenflechte, gemeinsam mit Roman Wyss von der Wyss Apotheke, Thomas Strasky von der Schwanen Apotheke und Pierre-André Jud von der Apotheke Bossy, wieder anzusiedeln. Ziel des Projekts ist die Erhaltung der Artenvielfalt.

Aber wie muss man sich die Wiederansiedlung konkret vorstellen? Stadtammann Geri Müller war mit den Badener Apothekern und Stadtoberförster Georg Schoop vor Ort, als Projektleiterin Isabelle Nussbeck zwei der Lungenflechten an einen Baum anbrachte. Mit einem Bostitch heftete sie die vorher angefeuchteten Pflanzen vorsichtig an eine Baumrinde.

«Die Heftklammern sind aus Aluminium, damit sie nicht rosten und der Lungenflechte keinen Schaden zufügen», sagte Nussbeck. Durch das Rindenwachstum würden die Aluklammern dann irgendwann abfallen. Weiter erklärte die Projektleiterin, dass die Lungenflechte aufgrund von Luftverschmutzung und intensiver Forstwirtschaft in den letzten 100 Jahren stark zurückgegangen sei. Zuletzt kam sie in Baden um 1934 vor.

Abgesehen von der Artenvielfalt verfolgt das Projekt noch ein weiteres Ziel: die Heilmittelherstellung. An dieser Stelle kommen die Apotheker ins Spiel. Die Pflanze hilft bei Lungenerkrankungen. Hustensirup aus Lungenflechten ist eine Rarität geworden.

«Wenn alles optimal läuft, können die Lungenflechten in sieben Jahren geerntet werden», sagte Isabelle Nussbeck. In Handarbeit werden dann bestimmte Teile der Pflanze geerntet, damit der Rest weiterwachsen kann. In der Schweiz braucht man dafür eine Bewilligung. Ein Flechtenspezialist wird das Projekt wissenschaftlich begleiten.

Die Lungenflechten wurden bereits an 26 Badener Bäumen angebracht. Das Projekt kostet 60’000 Franken für fünf Jahre. «Ein relativ teures Projekt», wie Geri Müller sagte. Mit dem sogenannten «Ökosponsoring» würden aber die drei Badener Apotheker 50 Prozent der Kosten übernehmen.