Untersiggenthal

Mit Corona infiziert und trotzdem gegen Maskenpflicht: Marlène Koller und Ratskollegen in Quarantäne

Marlène Koller: «Natürlich habe ich ein schlechtes Gewissen.»

Marlène Koller: «Natürlich habe ich ein schlechtes Gewissen.»

Marlène Koller hat es «leider erwischt» – sie wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Warum die Untersiggenthaler Frau Gemeindeammann und SVP-Grossrätin eine Maskenpflicht dennoch für unnötig hält.

«Mich hat es leider erwischt», sagt Marlène Koller am Telefon. Die Untersiggenthaler Frau Gemeindeammann ist vergangenen Freitag positiv auf das Coronavirus getestet worden. «Ich war in der Woche zuvor auf einer Schiffsreise auf dem Rhein. Zwar galten dort strenge Regeln inklusive Maskenpflicht, vermutlich habe ich mich dort aber trotzdem angesteckt.» Mitte Woche verspürte sie ein Kratzen im Hals, liess sich vorsorglich testen, um am Wahlsonntag niemanden anzustecken.

Doch statt im Wahlbüro der Gemeinde verbrachte sie das Wochenende zu Hause. «Momentan habe ich Fieber, Kopfschmerzen, einen fiesen Husten und ich fühle mich schlapp», sagt sie. Sie hat am Dienstag bereits einige Genesungswünsche aus der Bevölkerung erhalten, bittet nun aber alle darum, darauf zu verzichten, damit sie sich in Ruhe erholen könne.

Gemeinsames Nachtessen nach Gemeinderatssitzung

Nicht nur Marlène Koller ist derzeit zu Hause – auch die restlichen Gemeinderäte befinden sich in Quarantäne. Dies schreibt die Gemeindekanzlei Untersiggenthal in einer Mitteilung an die Medien. Koller erzählt: «Am Montag vor einer Woche trafen wir uns wie üblich zur Sitzung. Im Gemeinderatszimmer hielten wir die Abstände ein. Anschliessend gingen wir aber gemeinsam Abendessen. Und danach fuhren wir zum Teil gemeinsam im selben Auto nach Hause. Natürlich habe ich ein schlechtes Gewissen. Ich mache mir Sorgen, dass ich meine Ratskollegen angesteckt haben könnte.»

Während des Lockdowns habe der Gemeinderat die Sitzungen online oder im Gemeindesaal durchgeführt; seit Juni aber treffe er sich wieder im normalen Rahmen. «Sich im Computer zu sehen, ist einfach nicht dasselbe. Man nimmt sich gegenseitig nicht so wahr, wie wenn man sich gegenübersitzt.» Im Nachhinein sei es aber natürlich ein Fehler gewesen, sich noch zu sehen und vor allem gemeinsam zu essen.

«Kein Beweis, dass Masken schützen»

Marlène Koller ist 67-jährig und gilt somit als Risikopatientin. Was hält die Grossrätin – sie trat am Sonntag nicht mehr zur Wahl an – davon, dass die SVP Aargau die Covid-Massnahmen abschaffen will? «Ich bin zwar an Corona erkrankt, halte aber dennoch nichts von Maskenpflicht», sagt sie. «Es gibt keine Beweise dafür, dass Masken tatsächlich vor einer Ansteckung schützen. Ich selber habe das ja am eigenen Leib erfahren müssen.»

Masken würden höchstens dazu führen, dass man sich weniger ins Gesicht fasse. Man solle die Anordnungen von Bund und Kanton nun trotzdem einhalten und nicht ständig hinterfragen. Was sie ärgert: Dass die Ortsbürgergemeindeversammlung von Donnerstag hat verschoben werden müssen. Ihre Gemeinderatskollegen befinden sich noch bis 23. Oktober in Quarantäne.

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