Baden

Mit dem E-Bike durch das Baustellenlabyrinth vom Schulhausplatz

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Wegen der Baustelle steigen die Verkaufszahlen von E-Bikes enorm an – aber auch Taxis, die die schiefe Brücke benutzen können, und der öV profitieren von der Bauerei. Beim RVBW hofft man im Winter sogar noch auf höhere Gästezahlen.

Gegensätzlicher könnten die Auswirkungen des Umbaus am Schulhausplatz nicht sein. Während gewisse Läden in der Innenstadt bis zu 30 Prozent Umsatzeinbussen verzeichnen, läuft der Betrieb anderer wie gehabt – oder nimmt gar zu. Darunter gehören auch Fachgeschäfte für Fahrrad- und Elektro-Bikes.

Dass sich einige aufgrund der Baustelle entschieden haben, das Auto zu Hause zu lassen und auf das Velo umzusteigen, spürt etwa das Fachgeschäft «Stromvelo» am Gstühlplatz in Baden.

Es hat noch nie so viele E-Bikes verkauft wie in diesem Jahr. Vor allem in den Monaten April, Juli und September sei es gut gelaufen, sagt Filialleiter Dominic von Arb. «Ein Teil ist sicher der Baustelle zu verdanken», fügt er an. Denn: Als der Schulhausplatz-Umbau zum Thema wurde, seien viele ins Geschäft gekommen und hätten sich über E-Bikes informiert.

Schulhausplatz Baden: Mit dem Velo am morgendlichen Stau vorbei.

Mit dem Velo am morgendlichen Stau vorbei.

Zudem glaubt von Arb, dass auch die schweizweite Sommeraktion «Bike4car», die von Mai bis September lief, zum Umsatzwachstum beigetragen hat. Dabei stellten die Stadt Baden, «Badenmobil», «Energie Schweiz» und verschiedene Velogeschäfte interessierten Personen für zwei Wochen ein E-Bike gratis zur Verfügung.

Im Gegenzug mussten die Teilnehmenden den Autoschlüssel abgeben. Von diesem Angebot Gebrauch gemacht haben auch die Badener Einwohnerräte Barbara Bircher (SP), Stefanie Heimgartner (SVP) und Sander Mallien (GLP).

Verkaufsschub kommt im Frühling

«Stromvelo» hat sehr viele Anmeldungen erhalten: Ob von Pensionierten, Berufstätigen, Sportlern oder Nicht-Sportlern, «wir sind fast an den Anschlag gekommen», sagt von Arb. Nach der Sommeraktion hätten sich einige Kunden entschieden, ein E-Bike zu kaufen.

Auch «Velo Franz» in Fislisbach spürt das Interesse für E-Bikes. «Teilweise auch wegen der Baustelle», sagt Firmengründer Franz Peterhans. Die meisten hätten sie bereits im Frühling gekauft, jetzt sei die Saison nahezu beendet.

«Es sind nur noch kleine Restbestände da», so Peterhans. Er glaubt, dass das Geschäft wohl im nächsten Frühling wieder «richtig zu laufen» beginnt. Dann nämlich, wenn die neuen Modelle erhältlich sind.

Gleicher Meinung ist Robin Bauer, Geschäftsinhaber der Bauer Sport AG in Wettingen: «Viele warten erst einmal ab, wie sich der Umbau auf den Verkehr auswirkt.» Nichtsdestotrotz spürt das Fachgeschäft, dass der Umbau bei den Kunden ein Thema ist. Zudem hat Bauer mehrere Unternehmen mit E-Bikes beliefern können. Dies, weil die Firmen nicht wollten, dass ihre Mitarbeitenden in den Stau geraten.

Reparieren, was das Zeug hält

Auch Jean-Claude Ladrière, Mitarbeiter der «Bike Zone» in Baden, hört nicht selten von seinen Kunden, dass es aufgrund des Umbaus gescheiter wäre, mit dem Fahrrad in die Stadt zu fahren. «Meistens bleibt es aber bei der Idee.»

Bei «Velo Müller» am Cordulaplatz in Baden sind die Verkäufe im Grossen und Ganzen konstant geblieben. Dennoch hat Geschäftsführer Ruedi Speckert etwas festgestellt: «Ich muss viel mehr Reparaturarbeiten durchführen als sonst». Ob dies ausschliesslich am Schulhausplatz oder vielleicht auch am schönen Wetter liege, könne er nicht sagen.

«Stromvelo»-Filialleiter Dominic von Arb ist jedenfalls «absolut» überzeugt, dass es bis zum Ende der Bauarbeiten noch einige Personen geben wird, die sich entscheiden, ein E-Bike zu kaufen und mit diesem statt mit dem Auto in die Stadt zu fahren.

Taxis haben Vorteile

Nicht nur bei den Velohändlern läuft der Betrieb rund weiter, sondern auch bei der Badener Taxi AG. Geschäftsführer Roland Wunderli ist ob des Verkehrsmanagements «positiv überrascht».

Der Verkehr gerate gar nicht so ins Stocken, wie er befürchtet habe. Der Umbau wirke sich nicht negativ aus. Jedoch wäre es übertrieben zu sagen, dass die Kundenfrequenz stark zugenommen hätte.

Trotzdem: Taxis haben zurzeit einige Vorteile. Sie kennen die Streckenführung beim Schulhausplatz genau und wissen, welche Strassen befahrbar sind und welche nicht. Zudem können Taxis, im Gegensatz zu den Autos, auch die schiefe Brücke benutzen.

Auf dieser sind auch die Busse der RVBW unterwegs. Deren Kundenfrequenz ist im Vergleich zur Vorjahresperiode um rund 0,5 Prozent gestiegen. Man könne aber nicht sagen, dass die Zunahme auf den Umbau des Schulhausplatzes zurückzuführen sei, schreibt Marija Nikolova, Marketingleiterin der RVWB.

«Wir können uns gut vorstellen, dass viele vom Privatwagen auf den Langsamverkehr und nicht auf den öV umgestiegen sind.» Unter anderem, weil Baden mit dem Fuss- und Veloverkehr unverändert erreichbar geblieben ist und das Wetter schön war.

Die RVBW hoffe, dass genau diese Personen – wenn sich das Wetter ändert – bald zu ihren Fahrgästen zählen. Man sei gewappnet, das grössere Fahrgastvolumen zu bewältigen, so Nikolova.

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