Schlechte Schulnoten, fehlende Unterstützung und grosse Motivationsprobleme. Die Situation kennt jeder Schüler aus eigener Erfahrung. Problematisch wird der Zustand, wenn die Schüler dazu noch den Schritt in die Berufswelt wagen müssen. Ungeplante Zwischenjahre, Lehrabbrüche oder Arbeitslosigkeit sind die Folge. Das Jugendprojekt Lift will in Zusammenarbeit mit den öffentlichen Schulen solche Rückschläge verhindern, oder wenigstens reduzieren. Jugendliche mit sehr tiefen Noten oder grossen Schwächen in der Sozialkompetenz leisten wöchentlich einen dreistündigen Arbeitseinsatz in einem lokalen Betrieb.

Warnungen nützen nichts

Reto Geissmann, Lehrer der Schule Neuenhof, betreut rund zehn Jugendliche von der zweiten bis vierten Oberstufe bei diesem Projekt. Er kennt das Problem der Teilnehmer sehr genau: «Diese Schüler lassen sich von unseren Mahnungen nicht beeindrucken», sagt Reto Geissmann, «viele erkennen den Ernst ihrer eigenen Situation nicht». Das Ziel sei nicht, eine Lehrstelle für den Schüler zu finden, sagt Geissmann. «Wir wollen ihnen zeigen, was heute von einem Stift erwartet wird.»

Seit letztem Herbst nimmt die Schule Neuenhof am Projekt teil. Erste Erfolge wie beim Schüler Musa Timurtas zeichnen sich ab. «Musa war sehr introvertiert und verschlossen», beschreibt Geissmann den Realschüler, der bei ihm den Sportunterricht besucht. Man sei nie an ihn herangekommen und das Selbstvertrauen habe gefehlt, sagt Geissmann weiter. «Er sah die Arbeit nicht und musste für alles angewiesen werden.»

Fortschritte erkennbar

Nun arbeitet Musa seit drei Monaten in der örtlichen Garage Kieser. Jeden Mittwochnachmittag, in der Freizeit also, hilft Musa dem Lehrling beim Radwechseln, fegt die Garage, saugt Autos oder sortiert Pneus. Die Schüler entscheiden sich freiwillig für das Projekt. Sagen sie aber zu, verpflichten sie sich für mindestens drei Monate. Markus Kieser, Geschäftsführer der Garage, ist mit Musa zufrieden: «Er arbeitet gut mit dem Lehrling zusammen und akzeptiert dessen Anweisungen.» Inzwischen erhält Musa mehr Vertrauen und darf gewisse Arbeiten selber erledigen», sagt Kieser.

«Mir gefällt die Arbeit hier sehr», sagt Musa. Später wolle er einen Beruf erlernen, der mit Autos zu tun habe. Der 15-Jährige arbeitete in den Frühlingsferien von sich aus eine Woche lang in der Garage. Dank seinem Einsatz, wird sein Vertrag für drei weitere Monate verlängert. «Auch im Sport sieht Musa inzwischen die Arbeit und hilft von sich aus mit», sagt Geissmann.

Bei Problemen mit dem Betrieb oder Fragen können sich die Teilnehmer an der wöchentlichen Coachingstunde der Schule austauschen. Auch der Betrieb kann sich jederzeit mit dem Betreuer absprechen.