Wettingen

Mit dem Ruhm kommt der Lohn

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Im Stella Maris Orchestra Wettingen sitzen Profis und Hochbegabte. Das 2011 gegründete Stella Maris Orchestra Wettingen hat vorerst keine finanziellen Sorgen mehr. Gerettet ist es aber noch lange nicht.

Gegründet wurde das Kammerorchester mit fester Streicherbesetzung von der Geigerin Renate Steinmann und dem Dirigenten Cristoforo Spagnuolo. «Das Ensemble versteht sich als Orchesterschule», betonen die beiden an der Kantonsschule Wettingen unterrichtenden Musiker: «Junge Streicher bekommen hier die Chance, auf hohem Niveau das Repertoire eines Kammerorchesters zu erproben.»

Die ersten beiden Konzerte standen im Zeichen barocker Musik und der historischen Aufführungspraxis.

Aber nun vollzieht das Ensemble eine Kehrtwende: In seinem dritten Konzert «Carmen – tanzt!» spielt es auf modernem Instrumentarium ein Programm, das Weinkenner als süffig bezeichnen würden: Rodion Schtschedrins «Carmen-Suite» nach Bizets Oper für Streicher und Schlagzeug, Georges Bizets «Jeux d’Enfants» in der Bearbeitung des Dirigenten Paul Angerer und zwei von Spagnuolo arrangierte Tangos von Astor Piazzolla.

Der Dirigent lächelt. Er hat die Frage nach dem Weshalb dieses Programms erwartet. «Ganz einfach: Wir wollen zeigen, über welch breite Ausdrucksmittel das Orchester verfügt.»

Ein Probenbesuch zeigt: Es handelt sich um verflixt schwere Stücke, deren rasante Läufe blitzblank gespielt werden müssen, wollen sie bestrickende Wirkung entfalten. Dass die Vertracktheiten der Partitur jedoch geradezu unverschämt Spass machen, ist allen anzumerken.

Spagnuolo selbst agiert fordernd-fördernd, vor allem aber: unbeschwert. Das hat seinen Grund. Auf dem Stella Maris Orchestra lasten keine drückenden finanziellen Sorgen mehr – dank einem umsichtigen Schatzkanzler mit breitem Beziehungsnetz.

Noch vor einigen Monaten sah alles – trotz ausverkaufter Konzerte –anders aus. «Ohne staatliche Unterstützung ist das Fortbestehen des Orchesters fast unmöglich. Es muss bald eine stabilere Lösung geben», sagt Spagnuolo und doppelt nach: «Dieses Kind soll einen Platz im Aargau haben». Nischen hat es im Kulturkanton genug.

Doch der jüngste Spross in der hiesigen Konzertlandschaft weiss: Er muss erst einmal bekannt werden. Deswegen freut sich Spagnuolo, dass die Premiere des dritten Programmes diesmal nicht in der Klosterkirche Wettingen, sondern im Rittersaal von Schloss Lenzburg im Rahmen der Musikalischen Begegnungen stattfindet.

Zwischen dem ersten und dem zweiten Anlass liegen einige Wochen. Zeit, um sich auf das Konzert in Wettingen vorzubereiten, das von Videos unterstützt wird. Nein, um einen Gag handle es sich nicht.

Spagnuolo verfolgt vielmehr abermals ein Projekt mit dem Video-Regisseur Arthur Spirk. «Zu ‹Carmen› wird es stehende Bilder von Ernst Ludwig Kircher aus Davos geben.» Um Himmelswillen! Spagnuolo lacht. «Andere sagten: ‹Das ist Wahnsinn.› Natürlich prallen zwei Ausdrucksebenen aufeinander und reiben sich aneinander – aber das ist gut.»

Heute Konzert auf dem Schloss Lenzburg, Rittersaal, 17.30 Uhr, und am 21. Sept., Klosterkirche Wettingen, 19.30 Uhr.

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