Trotz Baustelle rund um den Schulhausplatz bis Ende 2017 rollt der tägliche Verkehr im Zentrum der Region – zumindest einigermassen, manchmal mehr, dann wieder weniger. Der bauliche Eingriff ist gemessen an der Verkehrssanierung vor über 50 Jahren jedoch ein Klacks. Die damalige Verkehrssanierung war weit bedeutender und richtungsweisender, als man die laufende Neugestaltung einstufen kann. 

In der Stadt Baden wirkten sich schon damals zwei Umstände erschwerend auf den Verkehr aus: Die topografische Situation machte die Limmatklus für den Strassenverkehr zum Nadelöhr. Und die beiden Barrieren – auf dem Schulhausplatz und an der Stadtturmstrasse – stauten den Verkehr zusätzlich. So stand der gesamte Strassenverkehr, der durch Baden führte, tagsüber die halbe Zeit vor geschlossenen Bahnschranken still. Darunter litten die Stadt, die Bevölkerung, der lokale wie der Durchgangsverkehr.

So haftete Baden bis zum 29. September 1961, als auf dem Schulhausplatz letztmals die Barriere auf der Bahnstrecke Bern–Zürich respektive Basel–Zürich niederging (es gab weder einen Heitersbergtunnel noch eine Autobahn) schweizweit das Attribut «längste Stadt» an.

Historische Planungsentscheide

Die gesamte Planung der damaligen Verkehrssanierung erfolgte vor dem Hintergrund des projektierten Nationalstrassenbaus von Zürich nach Bern. Der Verbindung durch Baden aus dem unteren Aaretal und dem Zurzibiet sowie der Hauptstrasse zur Autobahnauffahrt in Neuenhof kam darum eine erhöhte Bedeutung zu.

Nach intensiver Planung einigten sich SBB, Kanton und Stadt schliesslich auf ein Projekt, für das der Grosse Rat im November 1955 einen Kredit von 25,7 Millionen Franken sprach. Von den verschiedenen Szenarien wählte man die pragmatischste aller möglichen Lösungen.

Pragmatisch deshalb, weil die veranschlagten Kosten für Bahntunnel und Strassenbauprojekte von 25,7 Mio. Franken für die damalige Zeit zwar sehr hoch, jedoch verkraftbar waren. Für die Realisierung weiterreichender Vorschläge diverser Fachleute wie eine Tieferlegung der gesamten Bahnstrecke fehlten Mut und Geld.

Besonders aufwendig waren damals die Verhandlungen für den Landerwerb, und zwar insbesondere dort, wo Geschäftshäuser weichen mussten: alte Linde, Hotel Falken, Buchdruckerei AG und Häuser der Altstadt am Cordulaplatz. Auch diese Hürde wurde genommen, indem Liegenschaften für Neubauten erworben oder von der Stadt zur Verfügung gestellt werden konnten.

Die Kostenvoranschläge wurden in der Folge bei laufender Planung und beginnendem Bau allerdings mehrmals nach oben korrigiert: Aufgrund der teureren Vergabe der Bauarbeiten waren es dann 36,75 Mio. Franken, wobei zwischenzeitlich die neue Ausfallstrasse nach Neuenhof hinzugekommen war.

Mit der Genehmigung zusätzlicher Bauten am Schulhausplatz (1963) kam das Vorhaben dann auf knapp 45 Mio. Franken zu stehen. Davon übernahmen die SBB 5,68 Mio., der Bund 14,97, Kanton und Stadt je 11,95 Mio. Franken.

Am 30. Oktober 1957 begannen die Arbeiten für den knapp einen Kilometer langen Bahntunnel vom Bahnhof Baden bis Ausgang Kreuzlibergquartier, die erste Etappe der Verkehrssanierung. Mit der Realisierung dieser Strecke wurden auch die Unterführungen der Stadtturmstrasse (Blinddarm) im Zentrum von Baden sowie der Neuenhoferstrasse gebaut.

1961 erstes Tunnelfest

Am 29. September 1961 gingen auf dem Schulhausplatz ein letztes Mal offiziell die Schranken nieder. Trotz Bahnverlegung zeigte sich auf der Kreuzung, eine regionale Drehscheibe des Strassenverkehrs, die den Namen «Piazza Insalata» erhielt, eine Überlastung.

Wenn auch heute noch von einem nicht abbrechen wollenden Verkehrswachstums gesprochen wird, so ist es nicht mehr vergleichbar mit dem damaligen Boom: Zählte man im Aargau im Jahre 1954 noch 13 585 Personenwagen, so stieg diese Zahl innert zehn Jahren auf 51 000. Zwei Jahre später waren es bereits über 56 000 Personenwagen.

Inzwischen wurde die Verkehrsplanung für den Schulhausplatz-Knoten nochmals überdacht. Für eine nachhaltigere Lösung tauchten auch neue Ideen auf, unter anderem der «Grosse Ring» mit Ost- und Westumfahrung des Zentrums für den Strassenverkehr.

Mit dem Velotunnel, der aus dem Gebiet der seinerzeitigen BBC den Strom der Velofahrer direkt über die Hochbrücke führen sollte, sowie den unterirdischen Fussgängerpassagen wurde der Strassenverkehr entflechtet.

Oberirdisch erhielt der motorisierte Verkehr auf den Hauptachsen Vorsortier- und Abbiegespuren, die zur mit Lichtsignalen gesteuerten Kreuzung führten. Aus dieser Perspektive ist die laufende Neugestaltung nur eine Anpassung an die heutigen Verhältnisse.

Eigentlich ist es selbstredend, dass das Motto der Badenfahrt 1967 «Räder machen Leute» hiess, brachte doch die Verkehrssanierung den Verkehr wieder zum Rollen. Dass es damals zwei Tunnelfeste zu feiern gab, lag aufgrund der Bauphasen auf der Hand. Mit der Vollendung des Eisenbahntunnels und der Blinddarmunterführung wurde Anfang Oktober das Tunnelfest 1961 und damit Halbzeit der Verkehrssanierung gefeiert. Der Strassenverkehr wickelte sich danach weiterhin durch die Altstadt und die alte Zürcherstrasse ab. Die Bahnverlegung war jedoch Startzeichen für den weiteren Ausbau der Hauptstrasse der Bruggerstrasse über den Schulhausplatz Richtung Neuenhof. Das Tunnelfest 1965 bedeutete hingegen die Vollendung der Strassenbauten, das Ende von Beeinträchtigungen, allen voran Immissionen in der Innenstadt, so auch durch Sprengungen für den Bau der Tunnels und unterirdischen Zivilschutzanlagen. Baden feierte bei der Einweihung in erster Linie die italienischen Bauarbeiter, die direkt hinter den Magistraten durch den Tunnel schritten. Damit dies nicht so beamtenhaft über die Bühne ging, wurden sie von Konfetti überschüttet. Die Spanischbrödlizunft war es auch, welche die Lichtsignalampeln auf dem Schulhausplatz feierlich nach den Namen Beteiligter taufte: «Wechsel-Guschti» (Polizist Gusti Müller), «Wart-Vicki» (Stadtschreiber Victor Rickenbach), «Stopp-Maxe» (Stadtammann Max Müller), «Phasen-Schibli» (Tiefbauamtchef Gerhard Schibli) und weitere. Oldtimer und Baumaschinen durchfuhren anlässlich des Umzuges die Stadt. Die Innenstadt versank dann im abendlichen Festtaumel. Die Badener Maske spielte auf. Die Bloser-Clique konzertierte in fasnächtlicher Manier. Am Sonntag fand durch den Velotunnel ein Seifenkistenrennen statt. Dann klang das Fest langsam aus. (BT und diverse Quellen/-rr-)

Dieses Bild aus dem Badener Tagblatt stammt vom Tunnelfest 1961. Die Skulptur zeigt Maximiliano I. – Stadtammann Max Müller hoch zu Ross als «Barrierenbezwinger».

Eigentlich ist es selbstredend, dass das Motto der Badenfahrt 1967 «Räder machen Leute» hiess, brachte doch die Verkehrssanierung den Verkehr wieder zum Rollen. Dass es damals zwei Tunnelfeste zu feiern gab, lag aufgrund der Bauphasen auf der Hand. Mit der Vollendung des Eisenbahntunnels und der Blinddarmunterführung wurde Anfang Oktober das Tunnelfest 1961 und damit Halbzeit der Verkehrssanierung gefeiert. Der Strassenverkehr wickelte sich danach weiterhin durch die Altstadt und die alte Zürcherstrasse ab. Die Bahnverlegung war jedoch Startzeichen für den weiteren Ausbau der Hauptstrasse der Bruggerstrasse über den Schulhausplatz Richtung Neuenhof. Das Tunnelfest 1965 bedeutete hingegen die Vollendung der Strassenbauten, das Ende von Beeinträchtigungen, allen voran Immissionen in der Innenstadt, so auch durch Sprengungen für den Bau der Tunnels und unterirdischen Zivilschutzanlagen. Baden feierte bei der Einweihung in erster Linie die italienischen Bauarbeiter, die direkt hinter den Magistraten durch den Tunnel schritten. Damit dies nicht so beamtenhaft über die Bühne ging, wurden sie von Konfetti überschüttet. Die Spanischbrödlizunft war es auch, welche die Lichtsignalampeln auf dem Schulhausplatz feierlich nach den Namen Beteiligter taufte: «Wechsel-Guschti» (Polizist Gusti Müller), «Wart-Vicki» (Stadtschreiber Victor Rickenbach), «Stopp-Maxe» (Stadtammann Max Müller), «Phasen-Schibli» (Tiefbauamtchef Gerhard Schibli) und weitere. Oldtimer und Baumaschinen durchfuhren anlässlich des Umzuges die Stadt. Die Innenstadt versank dann im abendlichen Festtaumel. Die Badener Maske spielte auf. Die Bloser-Clique konzertierte in fasnächtlicher Manier. Am Sonntag fand durch den Velotunnel ein Seifenkistenrennen statt. Dann klang das Fest langsam aus. (BT und diverse Quellen/-rr-)