«Mir ist bewusst, dass das nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist», sagt Anna-Marie Müller. «Aber das kann keine Ausrede sein, um nichts zu tun.» Mit dieser Einstellung begann die heute 64-Jährige vor 20 Jahren, sich bei der Helvetas-Regionalgruppe Baden-Wettingen zu engagieren. Seit rund 10 Jahren ist sie deren Präsidentin.

«Ich war sechs Jahre lang Flight Attendant bei der Swissair», erzählt sie. «In den Überseedestinationen sind wir auf dem Weg zu unserem Hotel jeweils an den Armutsgürteln der grossen Städte vorbeigefahren.» Wegen dieser traurigen Erfahrung zögerte sie nicht, als sie 1995 für ein Engagement bei der Helvetas angefragt wurde. Zudem habe die Organisation einen guten Ruf: «Sie arbeitet immer mit den lokalen Handwerkern direkt vor Ort», sagt sie.

Die Helvetas-Regionalgruppe hat jahrelang vor allem Trinkwasser-Projekte unterstützt. «Ich habe selber gesehen, wie viele Menschen nicht einmal sauberes Wasser zur Verfügung haben. Wäre mindestens das gewährleistet, gäbe es einige Verbesserungen», sagt sie. Denn der Zugang zu sauberem Trinkwasser ziehe einige positive Konsequenzen mit sich: «Es gibt weniger Kranke und die Kinder müssen für Wasser nicht kilometerweit laufen, sondern können in die Schule.» Die Helvetas unterstütze nachhaltige Verbesserungen der Lebensbedingungen in den Entwicklungsländern. Ihre privilegierte Position in der Schweiz ist sich Müller dabei stets bewusst.

Dazu veranstaltet sie mit der Helvetas heute Donnerstag einen Filmabend im Kino Orient. Gezeigt wird «Valley of Saints», ein Streifen aus Indien, der das Problem der Umweltverschmutzung der Gewässer in der Region Kaschmir thematisiert. «Früher hielten wir Vorträge, diese zogen aber weniger Leute an.» Die Filme zeigen die Problematik besser auf und drücken auf die Emotionen – das helfe, mehr Menschen für Hilfsprojekte zu sensibilisieren.

Schweizer Konzerne in der Schuld

Der Film heute Abend hat aber keinen Zusammenhang zur aktuellen Helvetas-Spendenaktion. Für einmal werden Kleinbauern in Mozambique unterstützt. Die Helvetas will mit hochwertigem Saatgut und verbesserten Anbautechniken den lokalen Bauern helfen, ihr Einkommen sowie die Ernährungssicherheit zu erhöhen. Auch hier geht es Anna-Marie Müller darum, als Schweizerin ein Zeichen zu setzen: «Es kann nicht sein, dass Schweizer Konzerne wie Syngenta mit Saatgut grosse Gewinne erwirtschaften, während es sich die lokalen Bauern kaum leisten können», sagt sie. «Die Schweiz verdient an diesem Kreislauf mit. Wir wollen zeigen, dass wir damit nicht einverstanden sind.»