Fislisbach
Mit Disziplin zur gesunden Seele – die Ballettlehrerin über ihre Beweggründe

Die ehemalige Profiballerina, Sara Fisler-Weissbarth, gibt Ballettunterricht. Sie sagt, weshalb für sie Ballett mehr als nur ein Tanz ist. Und warum Ballett gut für die Seele ist.

Isabel Steiner Peterhans
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Sara Fisler-Weissbarths schwerste Aufgabe als Ballettlehrerin ist es, die Kinder zu bestärken. (ZVG)

Sara Fisler-Weissbarths schwerste Aufgabe als Ballettlehrerin ist es, die Kinder zu bestärken. (ZVG)

Fleiss, Engagement und Durchhaltewille sind womöglich nicht gerade Lieblingswörter für einen Grossteil unserer Bevölkerung. Für die Ballettlehrerin Sara Fisler-Weissbarth schon. Noch heute ist sie in diesem straffen Modus unterwegs – aber nur noch, wenn sie unterrichtet.

«Plier», ermahnt Fisler-Weissbarth an diesem Nachmittag zum gefühlten zehnten Mal ihre Ballettschülerinnen, die allesamt hoch konzentriert an der Ballettstange stehen und ihre Haltung prüfend im grossen Spiegel betrachten. «Meine anspruchsvollste Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen als Ballettlehrerin besteht darin, sie zu bestärken», sagt Fisler-Weissbarth. Viele Kinder hätten den Bezug zu ihrem Körper nicht mehr.
Banalste koordinative Bewegungsabläufe seien für sie fast nicht mehr machbar. «Natürliche Bewegungselemente sind beinahe verloren gegangen», bemerkt die Ballettlehrerin. «Einen guten Kontakt zum eigenen Körper zu haben, das ist die Grundlage für ein optimales Gedeihen eines Menschen», ergänzt sie zeitgleich. So weiss Fisler-Weissbarth, wovon sie spricht, blickt sie doch auf eine äusserst erfolgreiche Profiballettkarriere zurück.

Bei Schnupperstunde entdeckt

Entdeckt wurde Fisler-Weissbarth mit zehn Jahren. Ihre Familie hatte bis dahin wenig mit Kunst und Kultur, geschweige denn mit Ballett am Hut. Anlässlich einer Ballett-Schnupperstunde stellte eine Lehrerin aber mit Entzücken fest, dass die zierliche Sara wohl ein Ausnahmetalent sei. «Meine Eltern waren genau so überrascht wie ich selber», erzählt die ehemalige Profiballerina heute.
Aber nach dieser richtungsweisenden Aussage war es um das junge Mädchen definitiv geschehen und (fast) tägliches Ballettstundentraining hielt für die nächsten Jahre Einzug in den Familienalltag. Mit 16 Jahren verliess der talentierte Teenager Würenlingen und absolvierte an der staatlichen Ballettschule Heinz-Bosl-Stiftung in München eine zweijährige Ausbildung zur diplomierten Bühnentänzerin.

Einer märchenhaften Karriere stand damit für die nächsten paar Jahre definitiv nichts mehr im Wege. «Zusammen mit meiner Ballett-Compagnie wurde uns die Möglichkeit geboten, im Ausland aufzutreten, und so lernte ich praktisch die ganze Welt kennen», schwärmt Fisler-Weissbarth. «Wir wurden an die renommiertesten Kulturhäuser in Europa geholt und konnten sogar in China auftreten– das entschädigte für den harten, entbehrungsreichen und anspruchsvollen Alltag, bei dem bis 10-stündige Trainings an der Tagesordnung waren.»

Die Perfektion liegt in der Seele

In den heutigen Unterrichtsstunden als Lehrerin stellt die ehemalige Profiballerina fest, dass durch die heutige gesellschaftliche Erziehung neben dem Körpergefühl auch andere natürlichen Vorgänge verloren gegangen sind wie beispielsweise Mut oder Selbstbewusstsein. «Das schwächt natürlich; es schwächt uns als Mensch aber auch unsere Gesellschaft. Bei den Mädchen wird ein Bild einer Frau aufgezeigt, die aber nicht real ist. Das führt zu Diskrepanzen und zu Zerreissproben», sagt Fisler-Weissbarth.

Dadurch würden die Jugendlichen sehr früh selbstkritisch werden, was ihrer Meinung nach, in diesem Alter nicht gesund sei. «Die kindliche Unbeschwertheit dem Leben gegenüber verkümmert, die zarte Seele verschliesst sich», stellt Fisler-Weissbarth fest. «Und jetzt wird es ganz widersprüchlich», führt sie weiter aus. «Denn das Widersprüchliche hat auch etwas Gutes an sich. Die Kids bilden sehr früh ihre eigene Meinung.» Ihre Aufgabe sei es diese Meinung zu unterstützen, sie zu bestärken und zu fördern. Als Vorbild und Lehrerin will Fisler-Weissbarth den Jugendlichen Mut auf dem Weg in die Zukunft geben und sie zu selbstbewussten, innerlich schönen Frauen erziehen. Die Kinder sollen lernen ja zu sagen, zu sich selbst –egal wie sie sind– und Verbindlichkeit lernen.

«Ballett ist oder macht man nicht nur mit seinem Körper, vielmehr liegt die Perfektion in der Seele», ergänzt sie , denn sie weiss aus eigener Erfahrung. «Die ganze Ballettszene ist wirklich eine Glamourwelt und hat relativ wenig mit der realen Welt zu tun.»

Sie selbst hat ihre Profi-Ballettkarriere mit 30 Jahren beendet und ihre Ballettschuhe an den Nagel gehängt um eine Familie zu gründen. «Was ich erleben durfte, ist eine grosse Ausnahme. All diese Erfahrungen möchte ich auf keinen Fall missen und ich bin froh, mein Wissen und das Erlebte weiterzugeben und vor allem teilen zu können», so Fisler-Weissbarth abschliessend.