Killwangen
Mit doppelter Frauen-Power verwalten sie 1850 Einwohner

Sandra Spring und Sarah Gähwiler stehen neu an der Spitze der Gemeindeverwaltung. Die beiden jungen Frauen sind live dabei, wenn der Gemeinderat seine Sitzungen hält.

Dieter Minder
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Sandra Spring (links) und Sarah Gähwiler am Schalter. Mathias Marx

Sandra Spring (links) und Sarah Gähwiler am Schalter. Mathias Marx

«In einem kleinen Team, wie wir es sind, ist die Zusammenarbeit sehr wichtig», betont Sandra Spring. «Deshalb nehmen wir auch oft das Mittagessen gemeinsam ein.» Am 1. April hat sie die Funktion als Gemeindeschreiberin in der kleinsten, rund 1850 Einwohner zählenden Gemeinde des Limmattales übernommen.

Einen Monat später folgte Sarah Gähwiler, als ihre Stellvertreterin. Im Gemeindehaus arbeiten auch Finanzverwalter Kevin Busslinger und Andrea Stäuble, die Leiterin Steuern. Sie wird von Tanya Ammann unterstützt. Die Lernenden Aylina Hami und Anja Hartmeier kommen in allen Bereichen zum Einsatz.

«Ich hab einen interessanten Beruf, er bringt mir viele Kontakte mit der Bevölkerung», sagt Spring. «Sehr spannend finde ich, dass wir alle Themen behandeln dürfen», ergänzt Sarah Gähwiler.

Sie sind die Auflaufstellen für alle Anliegen und damit erfüllen sie eine Aufgabe, die in grossen Gemeinden von Stadtbüros erledigt werden. Selbst touristische Anfragen landen bei ihnen: «Oft rufen Leute von auswärts an und bitten um einen Ortsplan.»

«Momentan beschäftigt uns die Zonenplanrevision sehr», sagt Spring. Oft kommen Personen vorbei, die die Akten anschauen wollen. «Wir stellen ihnen das Sitzungszimmer zur Verfügung, damit sie Unterlagen studieren können.» Personen, die Fragen dazu haben verweisen sie an Gemeindeammann Alois Greber oder Planerin Claudia Schwarzmaier.

Die neuen Chefinnen

Sandra Spring, 1984, ist in Niederrohrdorf aufgewachsen und hat auf der dortigen Verwaltung eine Lehre absolviert. Am 1. Januar 2009 kam sie als Gemeindeschreiber-Stellvertreterin und Leiterin der Einwohnerkontrolle nach Killwangen, seit dem 1. April ist sie Gemeindeschreiberin.
Sarah Gähwiler, 1993, ist in Spreitenbach aufgewachsen. In der Verwaltung Killwangen absolvierte sie eine Lehre. Per 1. Mai wurde sie zur Gemeindeschreiberin-Stellvertreterin und Leiterin der Einwohnerkontrolle gewählt. (DM)

Sehr häufig seien es auch persönliche Anliegen, mit denen sich Einwohner am Schalter melden. «Identitätskarten stellen wir aus, für Pässe müssen Kunden nach Aarau fahren», erklärt Gähwiler. Regelmässige Kunden seien auch Personen mit Ausländerausweis. «Je nach Status müssen sie diese jährlich, alle fünf oder zehn Jahre erneuern.»

Im Dienst des Gemeinderates

Alle zwei Wochen treten Alois Greber, Werner Scherer, Jürg Lienberger, Walter Hubmann und Hanspeter Schmid zur Gemeinderatssitzung zusammen. Da ist jeweils Spring oder Gähwiler mit von der Partie. «Etwa anderthalb Wochen vor einer Sitzung beginnen wir mit der Vorbereitung», sagt Spring.

Anhand der eingegangenen Post und der entscheidreifen Geschäfte stellen sie die Traktandenliste zusammen. Am Freitag vor der Sitzung beginnt die Aktenauflage für die Gemeinderatsmitglieder. Sie müssen einen Teil des Wochenendes opfern, um sich einzulesen.

Ein Platz zur Linken des Ammanns

Am Montagabend findet dann die Gemeinderatssitzung statt. «Der Gemeindeammann sitzt oben am Tisch, der Vizeammann unten, die Gemeindeschreiberin zur Linken des Ammanns und die drei Gemeinderäte verteilt auf die Längsseiten», verrät Spring.

Mehr darf sie nicht sagen, denn alles, was im Gemeinderatszimmer verhandelt wird, unterliegt der Schweigepflicht. Von Aktenberg auf dem Tisch greift sich der Ammann Greber ein Geschäft nach dem anderen und bringt es zur Diskussion und zum Entscheid.

«Eine Sitzung dauert, etwa drei Viertel bis zwei Stunden.» Die Beschlüsse werden protokolliert und dann das Protokoll vom Gemeindeammann oder vom Vizeammann und der Gemeindeschreiberin visiert. Besonders schätzen sie, das Vertrauen des Gemeinderates, denn sind sie auch dessen rechtliches Gewissen.

Ebenfalls primär als Protokollführerin sind Spring oder Gähwiler an der Gemeindeversammlung tätig. Auch bei dieser Verhandlung müssen sie anschliessend ein Protokoll schreiben: «Wir nehmen die Verhandlung auf Tonband auf.»

Am 22. September wird gewählt

In diesem Jahr stehen sie vor einer besonderen Herausforderung: die Wahlen am 22. September. «Zuerst haben wird alle Amtsträger schriftlich gefragt, ob sie kandidieren oder nicht», sagt Spring.

Die Antworten werden in einem speziellen Ordner abgelegt. Dann müssen sie die gesetzlichen Fristen publizieren sowie Wahlzettel und Stimmrechtsausweise beschaffen. Für den Versand ist meist ist ein Lehrling zuständig. «Die Unterlagen müssen drei bis vier Wochen von dem Abstimmungstag bei den Stimmberechtigten sein», präzisiert Gähwiler.

Die eingehenden Stimmen werden in der Kanzlei aufbewahrt, bis sie am Wahltag geöffnet werden. «Am Abstimmungssonntag unterstützten wir die Stimmenzähler», sagt Spring. Zu Schluss muss das Ergebnis ins Abstimmungsprotokoll eintragen eingetragen werden.

Rund 15 Wochen nach den Wahlen, am 1. Januar 2014, beginnt die neue Legislaturperiode. Von diesem Tag an werden Sandra Spring und Sarah Gähwiler, je nach Volkswille, einem anders zusammengesetzten Gemeinderat dienen.

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